SP droht mit Initiative gegen Abzocker-Löhne

Millionengehälter der Topmanager sorgen für heftige Kritik der Politik – bis weit ins bürgerliche Lager.

30 Prozent mehr Lohn: CS-Chef Tidjane Thiam erhält 12,7 Millionen Franken Lohn. Foto: Keystone

30 Prozent mehr Lohn: CS-Chef Tidjane Thiam erhält 12,7 Millionen Franken Lohn. Foto: Keystone

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Spätestens seit am Freitag bekannt wurde, dass Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam trotz stark sinkenden Aktienkurses 12,7 Millionen Franken und somit 30 Prozent mehr Lohn erhält, ist die Debatte um exzessive Managergehälter wieder voll entbrannt. Nun droht die SP eine Volksinitiative an, um die Gehälter der Topmanager zu deckeln. «Eine Neuauflage der 1:12-Initiative ist nicht ausgeschlossen», sagt SP-Nationalrat Cédric Wermuth. Vor gut fünf Jahren war ein Volksbegehren der Jungsozialisten abgelehnt worden, das forderte, dass niemand mehr als zwölfmal so viel verdienen darf wie die am schlechtesten bezahlten Mitarbeiter im selben Unternehmen.


Artikel: Sie heben wieder ab (Abo+) Die Finanzkrise und die Abzockerinitiative führten vorübergehend zum Verschwinden exzessiver Managerlöhne. Doch jetzt verpufft die Wirkung.


Wermuth sagt, im Moment seien Gespräche zwischen Vertretern von SP und Grünen über eine Neuauflage des Volksbegehrens am Laufen. Eine erneute Abstimmung wäre laut Wermuth keine Zwängerei: «Auch die AHV, das Frauenstimmrecht und der UNO-Beitritt benötigten mehrere Anläufe.» Das Unverständnis über die hohen Löhne ist auch auf der bürgerlichen Seite gross. Der Schaffhauser Ständerat Thomas Minder, Vater der 2013 angenommenen Abzockerinitiative, fordert die grossen öffentlichen Anleger wie die Pensionskasse des Bundes oder den AHV-Fonds auf, aktiver zu werden und offensiver ihre Rechte als Aktionäre auszuüben. Löhne wie jene von Thiam und UBS-Chef Sergio Ermotti müssten sie ablehnen und das auch öffentlich machen. Vor dem Hintergrund, dass der UBS in Frankreich eine 5-Milliarden-Busse droht, fordert Minder «ein echtes Bonus-Malus-System und eine Haftung, die wehtut, wenn im Nachhinein grosse Verluste entstehen».

Auch die Stiftung Ethos zeigt kein Verständnis

Auch die Stiftung Ethos, die für die meisten grossen Schweizer Pensionskassen die Stimmrechtsempfehlungen abgibt, zeigt kein Verständnis für die Löhne der CEOs der Grossbanken. Mindestens so umstritten wie Thiams Lohn ist für Geschäftsführer Vincent Kaufmann angesichts der drohenden Busse von 5,1 Milliarden Franken in Frankreich der Bonus von Sergio Ermotti. «Im Falle der UBS ist es nicht einzusehen, warum die Busse in Frankreich nicht in die Berechnung des Lohns von Herrn Ermotti einbezogen wurde.» Darum wird Ethos wohl den Vergütungsbericht beider Banken ablehnen. Kaufmann: «Wir haben noch nie Entschädigungen über 10 Millionen Franken akzeptiert.»

Erstellt: 24.03.2019, 00:31 Uhr

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