SRF und das Geknorze mit dem Humor

Drei Jahre nach «Giacobbo/Müller» hat SRF endlich ein neues Satire-Aushängeschild erkoren. Der Weg dahin war nicht nur lustig.

«Eine über Jahre zur Gewohnheit gewordene Show wie «Giacobbo/Müller» zu ersetzen, ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit», schreibt Autor Rico Bandle. Illustration: Kornel Stadler

«Eine über Jahre zur Gewohnheit gewordene Show wie «Giacobbo/Müller» zu ersetzen, ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit», schreibt Autor Rico Bandle. Illustration: Kornel Stadler

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Am Mittwoch war der Kampf entschieden. SRF teilte mit, dass «Late update» mit Michael Elsener abgesetzt wird und «Deville» als einzige Late-Night-Show erhalten bleibt. Das Team um Dominic Deville jubelte, Elsener hingegen stellte sich als Ausschussware vor das SRF-Gebäude, in der Hand eine Kartontafel mit der Aufschrift: «Gratis zum Mitnehmen».

Drei Jahre hat SRF gebraucht, um nach dem Ende von «Giacobbo/Müller» ein neues Satire-Aushängeschild zu erküren. Der Weg dahin war nicht nur lustig, der Verschleiss gross, und doch hat SRF vieles dabei richtig gemacht.

Eine über Jahre zur Gewohnheit gewordene Show wie «Giacobbo/Müller» zu ersetzen, ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Denn von Anfang an steht fest: Es wird nie mehr etwas in dieser Art geben, das nur annähernd so populär sein wird. Nicht etwa, weil die Sendung so unerreichbar gut war, sondern weil sich der Medienkonsum markant verändert hat. Und trotzdem wird man das Neue stets am Alten messen.

Um das Unmögliche möglich zu machen, schickte SRF gleich drei neue Satiresendungen ins Rennen: «Müslüm TV», «Querdenker» mit Michel Gammenthaler und «Deville». Überraschenderweise überlebte mit «Deville» ausgerechnet jene mit den tiefsten Quoten. Ein ehemaliger Punk und ausgebildeter Kindergärtner mit Luzerner Dialekt, der in einem Zürcher Nachtclub eine wilde Show abzieht, das war zwar nicht unbedingt mehrheitsfähig, aber doch etwas erfrischend Neues.

«Während die Einspieler und das Komikerteam um Elsener überzeugten, fiel der Moderator ab.»

In der Folge wechselte sich «Deville» ab mit der Neuentwicklung «Late update», die sich an news­getriebenen Late-Night-Shows wie «Last Week Tonight» in den USA oder der «Heute-Show» in Deutschland orientierte. Moderator war der Zuger Michael Elsener, bisher vor allem als Stimmen-­imitator bekannt.

Die Sendung startete fulminant. Zumindest was die Zuschauerzahlen betraf. Der Neugier-Effekt hielt jedoch nicht lange an. In der zweiten Staffel brachen die Quoten ein. Und dies trotz eines für Politsatire idealen Umfelds rund um die Wahlen. Auch die grosse Medienpräsenz durch einen angeblich sexistischen Spruch und den Protest von FDP-Parteipräsidentin Petra Gössi vermochte Elsener nicht zu nutzen.

Was lief schief? SRF habe bei «Late update» zu viel reingeredet, so hört man. «Deville» hat diesbezüglich als extern produzierte Sendung tatsächlich etwas bessere Voraussetzungen. Doch das ist höchstens ein Nebenaspekt. Während die Einspieler und das Komikerteam um Elsener überzeugten, fiel der Moderator ab. Der blonde Schönling wirkte oft so, als sei ihm wichtiger, das Publikum zu belehren und von einem politischen Anliegen zu überzeugen, als lustig zu sein. Auf einen Missionar hat am Sonntagabend niemand gewartet.

«Deville» hat bedeutend mehr Power, ist frecher, lauter, schneller; dadurch sind die Elemente auch geeigneter für die Weiterverbreitung auf Social-Media-Kanälen. SRF kann also kein Vorwurf gemacht werden. Die dreijährige Probierphase nach «Giacobbo/Müller» war zwar ein Geknorze, hat sich letztlich aber gelohnt.



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Erstellt: 01.12.2019, 00:48 Uhr

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