SRG schaltet UKW-Radios noch früher ab

Bereits 2022 soll mit den Frequenzen Schluss sein. Zurzeit werden 36 Prozent der Sendungen über UKW gehört.

Alte Radiogeräte werden demnächst überflüssig: Nach Mittel- und Langwelle wird auch die Ultrakurzwelle eingestellt. Ein Röhrenradio aus der DDR. Foto: Heinz Diener

Alte Radiogeräte werden demnächst überflüssig: Nach Mittel- und Langwelle wird auch die Ultrakurzwelle eingestellt. Ein Röhrenradio aus der DDR. Foto: Heinz Diener

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Wer am 1. August in drei Jahren noch einen UKW-Radiowecker auf dem Nachttisch hat, wird wohl mit einem Rauschen geweckt – jedenfalls, wenn er ein SRF-Programm eingestellt hat. Auch Autoradios und Stereoanlagen mit UKW-Empfang werden nicht mehr funktionieren: Die SRG will dann alle UKW-Sender für immer abstellen. Sechs Monate später sollen auch die Privatsender folgen. In einer Meldung an die Mitarbeiter der SRG heisst es: «Der Verwaltungsrat der SRG hat beschlossen, UKW bei Vorliegen einer gemeinsamen Branchenlösung im August 2022 abzuschalten.» Und: Die Radiobranche sei «im Grundsatz mit dem Ausstieg aus der UKW-Verbreitung ab 2022 einverstanden».

Die Meldung hätte offenbar geheim bleiben sollen. UKW wird damit voraussichtlich 2,5 Jahre früher Geschichte sein als noch im Mai kommuniziert. Bislang hiess es, UKW werde «spätestens Ende 2024 ausgeschaltet». Radiohören wird in der Schweiz dann nur noch mit einem DAB+-Radio oder via Internet möglich sein. DAB+ ist eine Technik, für die es spezielle Sendeantennen und ebenso spezielle Empfangsgeräte braucht.

Viele benötigen ein neues Radio, die SRG will Geld sparen

Der Entscheid, die UKW-Sender abzustellen, ist hoch umstritten. Denn bis heute ist UKW mit einem Anteil von 36 Prozent die meistgenutzte Radioempfangs-Technologie. Nur 33 Prozent der Sendeminuten werden über DAB+ und weitere 31 Prozent über Internet empfangen. Es ist davon auszugehen, dass Hunderttausende Schweizer ein neues Autoradio kaufen müssen. Einer der schärfsten Kritiker von DAB+ ist Radiopionier Roger Schawinski. Er sagt: «Ich finde es höchst abenteuerlich, dass die SRG bereits 2022 UKW abschalten will, obwohl weit mehr als ein Drittel der Schweizerinnen und Schweizer heute noch UKW-Radio hören.» Er befürchtet einen starken Einbruch der Hörerzahlen. DAB+ hat sich nur in wenigen Ländern durchgesetzt. Norwegen ist das einzige Land, das bisher UKW durch DAB+ ersetzt hat. Innert eines Jahres nach der Abschaltung sind in Norwegen die Hörerzahlen von 68 Prozent auf 48,2 Prozent abgestürzt. Die SRG spart mit der Abschaltung gemäss eigenen Angaben jährlich 15 Millionen Franken.



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Erstellt: 13.07.2019, 20:45 Uhr

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