100 Tage Streik bei Pharmakonzern Sanofi

Der Wirkstoff Valproat steht im Zentrum des Depakine-Skandals. Arbeiter des französischen Herstellers haben ihn im Blut.

Der französische Verband Apesac vertritt betroffene Familien: Aktion vor dem Sanofi-Werk in Mourenx. Foto: Hans Lucas

Der französische Verband Apesac vertritt betroffene Familien: Aktion vor dem Sanofi-Werk in Mourenx. Foto: Hans Lucas

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Vor dem Werk im französischen Mourenx des Pharmakonzerns Sanofi wird seit mehr als 100 Tagen gestreikt, weil sich die Belegschaft Sorgen um ihre Gesundheit macht. Es demonstrieren auch Mütter, deren Kinder wegen des Sanofi-Medikaments Depakine hirngeschädigt zur Welt gekommen sind.

Auf dem Gelände mit Fabrikhallen und grossen Aluminiumtanks wird 75 Prozent der weltweiten Produktion von Valproat hergestellt. Der Wirkstoff ist in Depakine enthalten, das Ärzte gegen Epilepsie verschreiben, auch in der Schweiz.

Es besteht ein erhebliches Risiko, dass Babys geschädigt zur Welt kommen, wenn Mütter Valproat während der Schwangerschaft einnehmen. Die Gefahren sind seit ­längerem bekannt, trotzdem haben Ärzte das Mittel an werdende Mütter verschrieben. Weltweit sind deshalb Tausende Kinder mit schweren geistigen und körperlichen ­Schäden zur Welt gekommen. In der Schweiz sind bisher gegen 50 Fälle bekannt.

Eine Inspektion von Behördenvertretern hat im April 2018 im Sanofi-Werk in Mourenx ergeben, dass dort seit Jahren hohe Dosen von Natriumvalproat und Brompropan in die Luft abgegeben wurden. Laut dem lokalen Abge­ordneten François Ruffin sind die Substanzen hochgradig krebs­erregend.

Bei 11 von 60 Angestellten war der Stoff nachweisbar

Die Behörden verlangten von Sanofi daraufhin, die Belüftungs- und Entlüftungssysteme auf den neuesten Stand zu bringen. Gleichzeitig betonen sie, dass für die Gesundheit der Bevölkerung keine Gefahr bestehe.

Trotzdem haben die Behörden bei der Belegschaft Bluttests angeordnet. Und es zeigte sich: Bei 11 von 60 Arbeitern konnte Valproat im Blut nachgewiesen werden. Frauen waren nicht darunter.

Die lokale Gewerkschaft CGT hat deshalb Strafanzeige gegen unbekannt eingereicht. Zudem läuft eine unabhängige Untersuchung. «Wir werden weiter streiken, bis wir die Sicherheit haben, dass unsere Gesundheit nicht in Gefahr ist und wir keine Angst mehr haben müssen», sagt Jean-Louis Peyren von der Gewerkschaft.

Sanofi bestreitet die Vorwürfe der Streikenden und hält fest, dass die Gesundheit der Arbeiter nicht gefährdet sei. Ein Sprecher von ­Sanofi Schweiz sagt, es gebe bisher keine Anhaltspunkte, dass es wegen des Streiks zu Lieferengpässen kommen könnte.

Sanofi gab diese Woche zudem bekannt, dass die Staatsanwaltschaft in Frankreich wegen des Medikamentenskandals gegen die Firma ermittelt.



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Erstellt: 08.02.2020, 21:03 Uhr

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