«Absurde» Vergütungspolitik bei Solarausrüster Meyer Burger

Der grösste Aktionär kritisiert steigende Löhne bei sinkendem Ertrag.

Aktionäre stören sich an der Vergütungspolitik von Meyer Burger: Solarfassade der Meyer Burger AG in Gwatt. Foto: Keystone

Aktionäre stören sich an der Vergütungspolitik von Meyer Burger: Solarfassade der Meyer Burger AG in Gwatt. Foto: Keystone

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Beim Schweizer Solarausrüster Meyer Burger bleibt im Verwaltungsrat kein Stein auf dem anderen. Mit Alexander Vogel, Wanda Eriksen-Grundbacher, Michael R. Splinter und Eric Meurice gaben gleich vier Verwaltungsratsmitglieder den Rücktritt bekannt. Künftig soll es nur noch vier Mitglieder geben.

Zum Wechsel beigetragen hat Sentis Capital, der grösste Aktionär von Meyer Burger. Obwohl damit wesentliche Ziele erreicht wurden, macht Sentis weiter Druck. Diesmal geht es um die Löhne von Management und Verwaltungsrat. Sentis Capital war nicht der einzige Aktionär, der sich in den letzten Jahren an der Vergütungspolitik von Meyer Burger störte.

Im Gegenteil: Der Vergütungsbericht von Meyer Burger wurde 2018 abgelehnt. Doch genützt hat es nichts, es wurden weiterhin Gehälter und Boni in Millionenhöhe ausbezahlt, obwohl das Unternehmen wegen der Restrukturierung Geld und viele Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verloren. In einem Brief an den Verwaltungsrat fordert Sentis diesen auf, endlich die Politik zu ändern.

Lohnerhöhung, weil Bonusziele unerreichbar sind

Bisher ist das offensichtlich nicht der Fall, eher das Gegenteil: «Die einzige uns bekannte Aktion zum Thema Vergütung war ein Telefongespräch zwischen uns und den Herren Vogel (VR-Präsident) und Franz Richter (Vizepräsident) am 4. Oktober 2018. Bei dieser Gelegenheit fragten uns die beiden Herren, wie wir zu einer Erhöhung der bisher bestehenden Fixlöhne des Managements stehen würden», heisst es im Brief der Aktionäre. Begründet worden sei die Lohnerhöhung mit dem schlechten Geschäftsgang. Dieser mache die Erreichung der Bonusziele unwahrscheinlich. Laut Sentis ist diese Idee «absurd».

Nicht viel anders wird die Überlegung des Verwaltungsrats gewertet, die variable Entschädigung anhand eines Vergleichs mit ähnlichen Firmen zu definieren. «Der Bonus muss ein Anreiz sein, den Gewinn des Unternehmens zu steigern», schreibt Sentis.

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Im Unterschied zu den Grossbanken, bei denen der Lohn von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung heftig kritisiert wird, sind diese Entschädigungen bei Meyer Burger ein wesentlicher Kostenfaktor. 2017 machte die Vergütung über einen Drittel des Betriebsgewinns (genau 37,6 Prozent vom Ebitda) aus. Kein Wunder, dass die Aktionäre rebellieren. Im laufenden Jahr sollte es besser werden, laut Sentis werden die Saläre des Topmanagements voraussichtlich bei etwa einem Sechstel des Gewinns liegen.

Urs Fähndrich, Eigentümer der Beteiligungsgesellschaft Elysium Capital und ebenfalls Aktionär von Meyer Burger, hat sich selber als Verwaltungsrat ins Spiel gebracht. Um die Rechnung nicht noch mehr zu belasten, hat er bekannt gegeben, dass er mit einem symbolischen Gehalt von einem Franken zufrieden sei.

Meyer Burger Sprecherin Ingrid Carstensen will zu Fähndrich keine Stellung nehmen. Zu Sentis sagt sie, da seien verschiedene Vorschläge gemacht worden, die an der Generalversammlung besprochen würden. Auf der Einladung, die am 9. April publiziert wird, werde man sehen, welche das sind.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 07.04.2019, 13:54 Uhr

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