Auf der Suche nach dem nächsten Kult

Der kleine Peugeot 205 war ein Kultauto der 1980er-Jahre. An diese Erfolgsgeschichte wollen die Franzosen jetzt anknüpfen.

Sportliche Silhouette: Der neue Peugeot 208. Foto: PD

Sportliche Silhouette: Der neue Peugeot 208. Foto: PD

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Die Suchmaschine Google spuckt bei den Suchkriterien «Peugeot-Krise» über 407 000 Ergebnisse aus. Milliardenverluste und Massenentlassungen gehören beim französischen Autobauer PSA Peugeot Citroën – zu dem heute auch die Marken DS, Opel und Vauxhall gehören – zur Firmengeschichte, die in den 1890er-Jahren begann und bis heute immer wieder für Schlagzeilen sorgt. Doch immer wieder gelang es den Franzosen mit vereinzelten Geniestreichen, die Marke mit dem Löwen-Logo am Leben zu erhalten. So beispielsweise Mitte der 1980er-Jahre, als etwas vermeintlich Kleines dafür sorgte, dass der Super-GAU ausblieb.

Den damals drohenden Konkurs des Peugeot-Konzerns wendete die Präsentation des Kleinwagens 205 ab. Als Antwort auf den so erfolgreichen VW Golf und die konkurrenzfähigeren japanischen Kleinwagen lancierte Peugeot im Jahr 1983 den damals völlig neuen 205. Seine auf junge Käufer fokussierte Werbekampagne sorgte dafür, dass Peugeot ein dynamischeres Image bekam und bald wieder schwarze Zahlen schrieb. Einen Grossteil zum Erfolg trug der Peugeot 205 GTI bei, welcher 1985 als Sportversion nachgeschoben wurde. Mit seinen 104 PS, bei einem Fahrzeuggewicht von nur 850 Kilogramm, liess der Miniflitzer selbst den deutschen Konkurrenten Golf GTI im Spurt von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde hinter sich – die Basis für den Mythos Peugeot 205 war gelegt. Und bald schon fuhren erste Rallye-Versionen des «Deux cent cinq» über die Pisten, die mit damals sagenhaften 200 PS zwar nichts mehr mit der Strassenversion zu tun hatten, aber deren Image gründlich aufpolierte. Es dauerte nicht lange, und der Peugeot 205 hatte Kultstatus erreicht.

Bis heute wurde er rund 22 Millionen Mal verkauft

Vom Status als sportlicher Kleinwagen mit Rebellenimage zehrte Peugeot lange. Seit 1983 wurde der 205 und seine ebenso handlichen Nachfolgemodelle 206, 207 und 208 bis heute rund 22 Millionen Mal verkauft. Auch in der Schweiz waren die 208-Modelle 2018 mit über 1360 Neuzulassungen die Bestseller der Franzosen, selbst wenn das Interesse an Kleinwagen allgemein schwindet und die SUV-Sparte boomt. Trotzdem ist man bei Peugeot vom Zukunftspotenzial des Kleinwagens überzeugt. «Der 208 ist für Peugeot ein wichtiges und zudem ein ikonisches Fahrzeug», bestätigt Produktmanager Nicolas Bonnardon. «Deshalb setzen wir alles daran, dass auch die komplett neue Version ein Erfolg wird.» Denn auch wenn sich der Automobilmarkt mit der Elektrifizierung im Umbruch befinde, glaubt Peugeot weiterhin an die Zukunft der Verbrennungsmotoren. «Der ab sofort erhältliche 208 wird so lange mit Benzin- und Dieselmotoren produziert, wie diese die Erwartungen des Marktes und die Anforderungen seitens der Umweltbehörden erfüllen.» Und weil es der Markt verlangt, gibt es das jüngste 208-Modell ab sofort auch mit reinem Elektroantrieb.

Das Digitalzeitalter hält auch im 208 Einzug

Viel wichtiger als die Antriebsarten ist beim Kleinwagenkauf laut Peugeot sowieso die Optik. Dem Anspruch des gefälligen Designs kommt der vier Meter lange 208 nach. Die Silhouette des nur noch als Viertürer erhältlichen Franzosen wirkt sportlich. Unterstrichen wird die Dynamik durch markante, vom Peugeot 508 übernommene Frontleuchten. Im Interieur bietet Peugeot erstmals die neuste Generation des i-Cockpits mit 3-D-Effekt an. Der Effekt der in zwei Ebenen angeordneten Digitalanzeige: Wichtige Hinweise wie die Geschwindigkeit werden in der näher zum Betrachter liegenden Ebene angezeigt und sollen die Reaktionsfähigkeit im Notfall um eine halbe Sekunde verkürzen. In der Praxis erweist sich das aufpreispflichtige System als gewöhnungsbedürftig, der Notfall bleibt auf der Testfahrt aus. Das bereits von den Vorgängern bekannte, tief sitzende Sportlenkrad wurde vom Vorgänger übernommen, und über den bis zu 10 Zoll grossen Touchscreen im Zentraldisplay hält das Digitalzeitalter auch im 208 Einzug.

Antriebsseitig hinterlässt der 130 PS starke Benzinmotor mit 8-Gang-Automatik im ausgewogen gefederten 208 den souveränsten Eindruck. Erstaunlich munter erweist sich aber auch die 75-PS-Version mit 5-Gang-Handschaltung, die mit CO2-Emissionen von 94 g/km bei den Verbrennermotoren die erste Wahl wäre. Der 100-PS-Diesel ist in Sachen Emissionen zwar besser, irritiert aber mit seiner rustikalen Geräuschkulisse. «Für die Schweiz rechnen wir mit einem Verkaufsmix von 60 Prozent Benziner, 30 Prozent Diesel und 10 Prozent Elektro», rechnet Eric Dumondelle vor. Und dass vor allem die Elektroversion des 208 neues Kultpotenzial hat, will der Generaldirektor von Peugeot Schweiz zwar nicht bestätigen – aber die entsprechende Einschätzung der Journalisten hört er selbstverständlich gern.


Peugeot nimmt einen neuen Anlauf Richtung E-Mobilität

In Serie gebaute Fahrzeuge mit Elektroantrieb gab es in der Geschichte von Peugeot bereits zwei. Von 1995 bis 2003 rollten rund 10'000 auf Knopfdruck bis 80 Kilometer emissionsfrei fahrende Peugeot 106 vom Band, und in Kooperation mit Mitsubishi gab es bis 2012 den mittlerweile eingestellten Elektro-Peugeot iOn. Doch jetzt wird alles anders: Mit dem e-208 wagt Peugeot den Schritt aufs grosse E-Parkett. Denn die Franzosen haben es geschafft, die Plattform des Kleinwagens so auszulegen, dass in der Produktion je nach Bedarf Verbrenner- oder Elektromotoren eingebaut werden können. Damit bleiben die Entstehungskosten tief, und bei steigender Nachfrage sind neue Peugeot-Stromer ohne lange Wartezeiten verfügbar.

Kleiner Stromer mit Spasspotenzial: Peugeot e-208. Foto: PD

Zu Preisen ab 34'350 Franken bekommt der Schweizer Käufer mit dem e-208 ein Auto, das auf ersten Probefahrten einen ausgereiften Eindruck hinterlässt. Zumal das Elektromodell innen genau so viel Platz und die gleiche Ausstattung bietet wie die Modelle mit Verbrennungsmotoren. Als fast lautloser Antrieb leitet ein 100 Kilowatt (136 PS) starker Elektromotor bis zu 260 ­Newtonmeter Drehmoment auf die Vorderräder. Wählt man von den drei Fahrmodi Eco, Normal und Sport Letzteren, beschleunigt der e-208 in 8,1 Sekunden auf Tempo 100. Das funktioniert einwandfrei und macht den kleinen Stromer durchaus auch zum Spassmobil.

Viel mehr Spass macht es aber, wenn man den Peugeot nach dem batterie-ökologischen Aspekt fährt. Da lässt sich nämlich – wie in den meisten Elektrofahrzeugen – die ganze Raffinesse der E-Mobilität erkennen. Stellt man das Bremsverhalten mittels Wählhebel auf den verstärkten Modus, kontrolliert man Be- und Entschleunigung nur noch per Fahrpedal. So erreicht man die angegebene Maximalreichweite des e-208 von 340 Kilometern (nach WLTP) spielend und hat während der Fahrt erst noch das Gefühl, schon heute die emissionsfreie Mobilität der Zukunft zu geniessen.

Thomas Borowski



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Erstellt: 19.10.2019, 16:43 Uhr

Technische Daten

Modell: Viertüriger Kleinwagen

Masse: Länge 4055 mm, Breite 1745 mm, Höhe 1430 mm, Radstand 2540 mm

Kofferraum: 311 bis 406 Liter
Motoren: Drei Benziner mit 75, 100 und 130 PS, ein Diesel mit 100 PS und ein Elektro-Antrieb mit 136 PS (50 kWh)

Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in 8,7 bis 13,2 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit von 174 bis 208 km/h

Verbrauch (NEFZ): 3,2 bis 4,5 Liter auf 100 Kilometer (Werksangabe)

Reichweite E-Modell (WLTP): 340 Kilometer

CO?-Aus­stoss: 85 bis 103 g/km

Markteinführung: ab sofort

Preis: ab 18'300 Franken

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