Autofahrer ignorieren Warnsensoren beim Parkieren

Fahrerassistenzsysteme verhindern kaum Parkierunfälle. Versicherungen sprechen von einer «grossen Enttäuschung».

Beim Manövrieren reissen die Fahrer aber in der Regel die Seiten auf. Foto: Keystone

Beim Manövrieren reissen die Fahrer aber in der Regel die Seiten auf. Foto: Keystone

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Auf Schweizer Strassen wird es immer sicherer. Das zumindest zeigen die neuen Zahlen des Bundesamts für Strassen (Astra), die diese Woche publiziert wurden. Der langfristige Trend ist eindeutig: Es gibt weniger Todesopfer und weniger Schwerverletzte.

Die Strassen werden vor allem auch sicherer wegen der Sensoren und Kameras, die heute in fast jedem Auto verbaut sind. Sogenannte Fahrerassistenzsysteme bremsen autonom, wenn ein Auto zu nahe an das vordere Fahrzeug auffährt. Oder sie blockieren automatisch ein Rad, um die Spur zu halten – zum Beispiel, wenn das Auto aus einer Kurve zu schlittern droht. Eine Studie des Versicherungskonzerns Axa zeigte, dass es bei Volvos XC60 mit serienmässigem Notbremse-Assistenten im Vergleich zu ähnlichen Modellen ohne dieses Hilfsmittel ein Drittel weniger Auffahrunfälle gibt.

Doch ausgerechnet beim Parkieren bringen die technischen Hilfsmittel nichts. «Wir konnten bisher nicht nachweisen, dass dank Parksensoren weniger Unfälle beim Parkieren und Manövrieren verursacht werden», sagt Bettina Zahnd, Leiterin der Axa-Unfallforschung. «Einparkhilfen funktionieren per se nicht – sie sind eine grosse Enttäuschung.»

Beim Manövrieren werden oft die Seiten aufgerissen

Wie viele Parkierunfälle es in der Schweiz tatsächlich gibt, wird nicht erfasst. Das Astra registriert nur Unfälle, die auch der Polizei gemeldet wurden. 2018 waren das rund 6500. Hinzu kommen aber Zehntausende Bagatellunfälle, die zu Kratzern und Dellen führen. Allein beim Versicherungskonzern Allianz Suisse sind diese Fälle geradezu explodiert: Von 2009 bis 2016 haben sich die Kollisionen beim Ein- oder Ausparkieren auf fast 27'000 verdreifacht.

Die Unfallforscher der Allianz machen für die Zunahme bei den Parkierunfällen vor allem die immer breiter werdenden Autos verantwortlich. Auch die schmalen Seitenfenster bei den SUV spielten eine Rolle – dadurch werde die Sicht beim Ein- und Ausparkieren schlechter.

Lieber auf die eigenen Sinne verlassen

Unfallforscherin Zahnd sieht noch einen weiteren Grund: Viele Parkierunfälle passierten ausserhalb des Sensorbereichs, sagt sie. Das bedeutet: Es gibt zwar Sen­soren hinten und vorne an den Autos – beim Manövrieren reissen die Fahrer aber in der Regel die Seiten auf. Kommt hinzu, dass sich die Fahrer oft gar nicht auf die Technik verlassen. So gibt es laut Zahnd immer wieder Lenker, die in den Unfallprotokollen angeben, sie hätten den Warnton schon gehört – sie hätten sich beim Parken aber doch lieber auf ihre vermeintlich besseren Sinne verlassen.

Die Unfallforscherin hofft nun, dass bald noch mehr Technik in den Autos verbaut wird. Das könnte zu einem Rückgang der Unfälle führen. Mögliche Lösungen sind laut Zahnd Sensoren, die den Raum rund um das Fahrzeug abdecken. Oder «Einparkhilfen, die eingreifen und das Fahrzeug abbremsen».

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 06.04.2019, 22:50 Uhr

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