«Blick» wehrt sich gegen Vorwürfe von Alice Weidel

Die AfD-Chefin erhielt Drohungen, nachdem die Zeitung ihren Wohnort publik gemacht hatte.

Neuer Wohnort, gleiche Probleme: Alice Weidel. Foto: Keystone

Neuer Wohnort, gleiche Probleme: Alice Weidel. Foto: Keystone

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Der «Blick» sieht in der Sache kein Problem: «Wieso soll es ein Geheimnis sein, in welcher Schweizer Gemeinde eine deutsche Spitzenpolitikerin wohnt und was der Gemeindepräsident dazu sagt?», heisst es bei der Zeitung auf Anfrage. Man kenne ja auch von allen Schweizer Politikern den Wohnort.

Anderer Meinung ist Alice Weidel, Fraktionschefin der Alternative für Deutschland (AfD): «Wie kommen Journalisten dazu, ein Foto meines Hauses zu zeigen und zu schreiben: ‹Hier wohnt Alice Weidel›?», sagte sie in einem Interview in der aktuellen «Weltwoche». Nach der «Blick»-Enthüllung habe sie Drohbriefe erhalten, die Polizei habe ein Dispositiv aufstellen müssen. «Hallo, hier gehen meine Frau und meine Kinder ein und aus! Ich bin die meiste Zeit gar nicht hier. Da stellt man sich dann schon Fragen», sagte Weidel.

Es ist nicht das erste Mal, dass die AfD-Frau Probleme in der Schweiz bekommt. Bis November 2018 wohnte sie mit ihrer Partnerin und den zwei Kindern in Biel. Dort war die umstrittene Politikerin aus dem rechten Lager von linksalternativen Kreisen schikaniert, angefeindet und bedroht worden. Als Zeitungen über ihre Anwesenheit berichteten, lauerten Journalisten mit Kameras beim Kindergarten darauf, die Söhne ihrer Partnerin zu filmen.

Hauptwohn- und Steuersitz in Baden-Württemberg

Im Interview mit der «Weltwoche» erzählt Weidel, was sie damals erlebte, als sie mit dem Kinderwagen spazieren war: Bieler Eltern hätten ihr ihren Nachwuchs mit dem Velo hinterhergeschickt. «Die zirkelten um mich herum und riefen: ‹Scheiss-Weidel›, ‹Scheiss-AfD›, ‹Scheiss-Nazi›. Das waren Kinder, kaum zehn Jahre alt, angestachelt von ihren Eltern!» Nach diesem Vorfall habe sie mit ihrer Partnerin, die in Biel aufgewachsen war, den Wegzug beschlossen, da ihr Sohn in der Schule sonst zu «Freiwild» würde.

Weidel zog nach Baden-Württemberg, wo sie bis heute ihren Hauptwohn- und Steuersitz hat. Mitte August berichteten die Zeitungen von CH Media, dass ihre Familie zurück in die Schweiz gezügelt sei. Obwohl der Journalist den genauen Wohnort kannte, schrieben die Zeitungen sehr allgemein und zurückhaltend, dass Weidel jetzt in der «Zentralschweiz mit Blick auf die Alpen» lebe. Andere Medien, die Weidels neue Adresse danach ebenfalls erfuhren, verzichteten auf eine Berichterstattung – aufgrund des fehlenden öffentlichen Interesses und der Vorfälle in Biel.

Der «Blick» schickte eine Journalistin und eine Fotografin an Weidels neuen Wohnort. Sie recherchierten im Dorf­lädeli («Frau Weidel ist immer freundlich»), beim Gemeindepräsidenten («Ich freue mich über jeden, der kommt») sowie am Stammtisch («Hier können Paris Hilton oder Roger Federer wohnen. Was interessiert uns das?»). Verpackt in eine Dorfreportage, erschien die brisante Enthüllung mitsamt eines Fotos des neuen Daheims der Familie Weidel, einer «Viereinhalb-Zimmer-Attikawohnung mit Seesicht», die aufgrund ihrer modernen Architektur in der Gemeinde unschwer zu erkennen ist.

«Kein Zusammenhang zwischen Berichterstattung und Drohungen»

Weidels Kritik geht allerdings noch weiter: «Als wir vom ‹Blick› belagert wurden, hat uns eine Bäuerin angerufen und gewarnt, dass ein Fotograf auf den Schulbus wartet, wo unser Sohn drin ist. Das ist doch verrückt!», sagte sie der «Weltwoche». «Diese Behauptung ist frei erfunden», heisst es beim «Blick». Die Zeitung habe weder Bilder vom Schulbus, der Schule oder dem Sohn von Frau Weidel gemacht noch die Absicht dazu gehabt.

Auf die schweren Vorwürfe der deutschen Spitzenpolitikerin nimmt nicht der Chefredaktor der «Blick»-Gruppe, Christian Dorer, Stellung, sondern ein Konzernsprecher: «Wir verurteilen jegliche Art von Drohungen. Allerdings sehen wir keinen Zusammenhang zwischen unserer Berichterstattung und den Drohungen.» Der Artikel sei «nüchtern, sachlich und in keiner Weise hetzerisch» gewesen.



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Erstellt: 14.09.2019, 21:15 Uhr

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