Das schönste Mädchen der Welt

Die junge Schweizer Schauspielerin Luna Wedler gehört an der Berlinale zu den «Shooting Stars».

«Meine Eltern sagen mir, ich hätte mich manchmal wie eine kleine Diva benommen»: Luna Wedler in Berlin.

«Meine Eltern sagen mir, ich hätte mich manchmal wie eine kleine Diva benommen»: Luna Wedler in Berlin.

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«Mit Berlin verbindet mich eine Hassliebe», sagt Luna Wedler. In diesen Tagen dürfte es aber mehr Liebe als Hass sein. Denn mit neun anderen Schauspielerinnen und Schauspielern präsentiert sie sich an der Berlinale: hier ein Treffen mit Produzenten, dort ein Fotoshooting und morgen Abend ein grosser Auftritt auf der Galabühne im Festivalpalast, roter Teppich inklusive. «Diese jungen Leute werden Europa im Sturm erobern», sagte der Präsentator gestern beim ersten Vorstellen der Talente.

Offizieller Trailer zu «Blue My Mind». Video: Youtube/tellfilm

Die «Shooting Stars» an der Berlinale, sorgfältig ausgewählt von einer Jury, gibt es seit 1998. Der aktuelle James Bond Daniel Craig war dabei, die Oscar-Preisträgerin Rachel Weisz ebenfalls und auch die neue Lara Croft, Alicia Vikander. Sie alle haben ihre Bekanntheit auch dieser Initiative zu verdanken. Nervös, Luna Wedler? «Nein. Aber ich weiss, es ist eine Riesenchance. Ich hoffe, dass ich alles richtig mache.» Gibt es denn ein Richtig-oder-falsch? Die 18-Jährige überlegt kurz. Lacht. Und sagt: «Eigentlich nicht.»

Sie ist keine, die schon mit drei Jahren Werbespots drehte

So ist sie. Locker, aber doch selbstbewusst. Da hat sie allen Grund dazu. Sie ist Hauptdarstellerin des Filmes «Blue My Mind» von Lisa Brühlmann, der soeben beim Schweizer Filmpreis – den einheimischen Oscars – so viele Nominierungen erhalten hat wie kein Film zuvor, natürlich auch den für die beste Darstellerin. Darin spielt sie eine Meerjungfrau. Aber Vorsicht, das ist kein Märchengeschöpf wie in Disney-Filmen oder anderen Fabeln. Es ist ein Mädchen in der Pubertät. «Da verändern sich alle körperlich und begeben sich auf eine emotionale Reise. Mir wächst eben eine Flosse», sagt sie.

Die «Shooting Star»-Jury lobt die Jüngste des diesjährigen Jahrgangs ausdrücklich für ihren Mut in dieser Rolle. Und wirklich, sie zeigt das Wechselbad der Gefühle einer Heranwachsenden in allen Facetten. Sie schmeichelt, sie tobt, sie verletzt sich und andere, dass es einem angst und bange wird. Dazu trägt sie diesen immer grösser werden Anhang mit Schuppen, isst heisshungrig lebende Fische aus dem Aquarium («sie waren aus Gelatine ohne Zucker»). Das fügt sich zusammen zu einem wunderbaren Film, der sie an viele Festivals der Welt gebracht hat. Und jetzt eben nach Berlin.

Shooting Star: Schauspielerin Luna Wedler. Video: Youtube

Wo kommt in diesem Fall der Hass her? «Ich finde, es ist eine krasse Stadt» sagt sie, «gross und anonym.» Kürzlich hat Luna Wedler für ein paar Wochen da gewohnt. Sie war buchstäblich «Das schönste Mädchen der Welt», spielte die Hauptrolle in einer deutschen Komödie mit diesem Titel. Es ist eine moderne Version der französischen Cyrano-de-Bergerac-Geschichte, die sie nach dem grossen Kinostart im August auch in Deutschland bekannt machen wird.

«Mir hat gefallen, für einmal etwas Komödiantisches zu drehen. Aber das Dramatische liegt mir eigentlich näher.» Wenn sie so spricht, hat man das Gefühl, sie sei schon lange im Geschäft. Aber sie ist keine, die schon mit drei Jahren Werbespots drehte. Zwar habe sie als mittlere von drei Geschwistern schon im Kindergarten den Wunsch geäussert, Schauspielerin zu werden, erzählt sie. Und: «Meine Eltern sagen mir, ich hätte mich manchmal wie eine kleine Diva benommen.»

Sie werden behandelt wie die ganz Grossen in Cannes

Letzteres nimmt man ihr allerdings nicht richtig ab. Sie wirkt pragmatisch und bodenverbunden. Weiss, was sie will: «Natürlich möchte ich gerne auch europaweit drehen, französische Filme und britische, diese Kultur liegt mir näher als die amerikanische.»

Begonnen mit der Schauspielerei hat Luna Wedler mit 14 Jahren, als sie sich «einfach mal so» für eine Rolle im Spielfilm «Amateur Teens» bewarb, wo sie dann als männerverschlingendes Klassenflittchen erstmals auffiel. In der Komödie «Flitzer» war sie die rebellierende Tochter von Beat Schlatter. Und in der noch nicht ausgestrahlten zweiten Staffel der Euro-TV-Serie «Das Team» wird Jürgen Vogel als Kommissar ihr Vater sein.

Aber jetzt ist sie an der Berlinale. Die «Shooting Stars» werden behandelt wie die ganz Grossen in Cannes. Ihre Kleider für den roten Teppich musste Luna Wedler zum Beispiel nicht mitschleppen, sie kann aus einer bereitgestellten Kollektion auslesen. Und in der Hassliebe zu dieser Stadt scheint das Pendel definitiv auf eine Seite auszuschlagen. Denn sie sagt: «Eigentlich kann ich mir vorstellen, später einmal nach Berlin zu ziehen.» (SonntagsZeitung)

Erstellt: 17.02.2018, 18:29 Uhr

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