Der Hund kann das Herrchen überführen

Polizisten und Staatsanwälte ermitteln immer öfter mit Tier-DNA.

Mordprozess Rupperswil: Was auf die Schweiz zukommt und welches Urteil man erwarten könnte, erklärt Gerichtsreporter Thomas Hasler. (Video: Lea Koch, Nicolas Fäs)

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Kaltblütig tötet Thomas N. in Rupperswil AG vier Menschen. Nur Chilli, das Haustier der Opfer, lässt er am Leben. Der Täter liebt Hunde, auch seine eigenen Alaskan Malamutes. Auf Facebook zeigt er sich einmal spielend, einmal schmusend mit den Tieren.

Doch genau sie könnten den mutmasslichen Mörder verraten haben. «Das ist theoretisch gut möglich», sagt Nadja Morf, Biologin am Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich. Als einzige Stelle in der Deutschschweiz führt dieses forensische Analysen mit tierischer DNA durch. «Das Interesse von Polizei und Staatsanwälten steigt, wir erhalten regelmässig Anfragen aus den Kantonen», sagt Morf.

Meist geht es um Hundebisse an Menschen oder um Wilderei. Um Besitzer, die bestreiten, dass ihr Hund der Verursacher war. Dank der DNA lässt sich dies schnell überprüfen. Die Polizei nimmt eine Probe am Rand der Wunde und eine weitere direkt beim verdächtigen Hund. Im Labor extrahieren die Wissenschaftler die DNA und vergleichen gewisse Merkmale im Erbgut. «Je nach Rasse lässt sich so mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 99,999 Prozent sagen, ob die ­Wunde von jenem Tier stammt oder nicht», sagt Morf.

Die Biologin musste nach einem Einbruch beweisen, dass eine Blutspur am Tatort nicht von einem Dieb stammte, sondern von der Katze des Opfers. Ein anderes Mal meldeten sich Polizisten, die in einem Waldstück Hirngewebe fanden, das zwischen Kerzen lag und an ein Ritual erinnerte. «Erst die DNA-Analyse zeigte, dass es von einer Kuh und nicht von einem Menschen stammte», sagt Morf.

Katze Snowball entlarvt ihren Besitzer als Mörder

Die Methode entstand durch einen spektakulären Fall in Kanada. Weisse Haare auf der Kleidung eines Mordopfers wurden dank DNA-Analyse der gleichfarbigen Katze Snowball zugeordnet. Ein wichtiger Beweis, der ihren Besitzer am Ende hinter Gitter brachte. In der Schweiz sind Abgleiche bei Katzen noch nicht möglich. Das Zürcher Team arbeitet aber an einer entsprechenden Methode.

Im Vergleich zum Menschen besteht ein wichtiger Unterschied. Die DNA von Verbrechern wird in der Regel gespeichert. «Eine solche Datenbank gibt es für Tiere nicht», sagt Morf. «Findet man eine Spur am Tatort, kann man diese nicht in ein System einspeisen und hoffen, dass es den Namen des Täters angibt. Es braucht immer einen Verdächtigen.»

Hätte die Polizei in Rupperswil etwa Haare der Alaskan Malamutes am Tatort gefunden, wäre sie nicht automatisch auf Thomas N. gekommen. «Wenn man ihn aber bereits im Verdacht hatte, dann hätte man dies mit Hundehaaren vom Tatort gut überprüfen können. Und hätte nun ein gutes Beweismittel in der Hand», sagt Morf. Ihr Team sei von den Aargauer Behörden nicht angefragt worden. Unbekannt ist, ob diese in der Westschweiz oder im Ausland eine tierische DNA-Analyse eingeholt haben. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 10.03.2018, 22:40 Uhr

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