Der Mann hinter dem E-Prix

Der Unternehmer Pascal Derron trägt das finanzielle Risiko des Zürcher Formel-E-Rennens.

«Mit Ticketing macht man kaum Geld», sagt Pascal Derron, Chef von Swiss-E-Prix-Operations.

«Mit Ticketing macht man kaum Geld», sagt Pascal Derron, Chef von Swiss-E-Prix-Operations. Bild: Walter Bieri/Keystone

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Der Stress ist Pascal Derron anzusehen: Ringe unter den Augen, Energydrink in der Hand, so empfängt der Schweizer Unternehmer seine Besucher in den Büros seiner Swiss E-Prix Operations AG am Zürcher Mythenquai. Über diese Strasse am Zürichsee werden in einer Woche die Formel-E-Renner mit rund 200 Kilometer pro Stunde sausen.

Das Unternehmen, das mehrheitlich dem 40-Jährigen gehört, veranstaltet das Autorennen. Seine Firma trägt dabei das wirtschaftliche Risiko, wenn der Grossanlass ein Misserfolg wird. Der Eigentümer der Rennserie, die britische Firma Formula E Operations, ist reiner Lizenzgeber: Sie hat Derrons Firma für neun Jahre die Erlaubnis erteilt, in Zürich das Formel-E-Rennen auszurichten. Was das kostet, will Derron nicht sagen. Doch der Unternehmer ist zuversichtlich, dass er auf seine Kosten kommen wird: «Wir haben das ­alles gut durchgerechnet und sind genau im Plan», sagt Derron. Er denkt langfristig: So hat seine Firma viele Bauteile wie Strecken­absperrungen oder Tribünen nicht gemietet, sondern gekauft. «Dafür haben wir einige Millionen investiert, was wir ungefähr zur Hälfte aus Eigenkapital und über Kredite finanziert haben», sagt er.

Video: Einmal ums Central mit dem E-Boliden

Sébastien Buemi testet Zürichs Formel-E-Belag. Video: Lea Koch

Die Ausrüstung soll bei den kommenden Rennen wiederverwendet werden. Die Ausgaben dazu würden über mehrere Jahre abgeschrieben, sprich, ihr Wert wird in der Bilanz jedes Jahr kleiner. Daher sei es kaum möglich, genau zu beziffern, was die Ausrichtung des erstens Rennens am kommenden Sonntag kostet. Zumindest will Derron dazu keine Zahl nennen.

Mit Grossanlässen wie dem Formel-E-Rennen kennt sich der Absolvent der Universität St. Gallen aus: Bevor er sich selbstständig machte, arbeitete er in der Geschäftsleitung des Thurgauer Messe- und Eventbauers Nüssli. Das Unternehmen ist auf Temporärbauten spezialisiert, wie etwa Tribünen oder Bühnen. Daher hat Derron Erfahrungen mit der Ausstattung von Rennpisten für die Formel 1 gesammelt.

Video: So verläuft die Formel-E-Strecke in Zürich

Schwierig war der Start des Zürcher E-Prix: Denn ohne die Erlaubnis der Stadt, das Rennen zu veranstalten, gab es keine Lizenz für ein Formel-E-Rennen. Umgekehrt wollte die Stadt vor einem politischen Entscheid die Sicherheit haben, dass die Formel E auch wirklich in Zürich stattfinden kann – ein klassisches Problem: Was kommt zuerst, das Huhn oder das Ei? Letztlich nahm Derron beides gleichzeitig in Angriff.

Seine Haupteinnahmequelle beim Zürcher Rennen der Formel E ist der Verkauf von Plätzen in den Hospitality-Logen. Sie kosten pro Platz rund 1000 Franken. Hier ist alles drin: Essen, Trinken und Sitzplätze an bester Lage. «Rund 85 Prozent sind bereits verkauft, bis zum Start des Rennens schaffen wir sicher eine Auslastung von 95 Prozent», sagt Derron. Auch die Grosssponsoren wie ABB müssen die Plätze für ihre Gäste eigens buchen und bezahlen.

Die Stadt Zürich zahlt nichts an das Rennen

Was überraschen mag: Der Billettverkauf für die normalen Zuschauer läuft für den Veranstalter unter ferner liefen. «Mit Ticketing macht man kaum Geld», sagt Derron. Daher hat er sich entschlossen, die Stehplätze der Stadtbevölkerung gratis anzubieten. «Wir belasten die Einwohner natürlich, also wollen wir ihnen etwas zurückgeben.»

Wichtiger sind die Sponsoringeinnahmen. So hat die Bank Julius Bär, die bereits Sponsor der Rennserie ist, zusätzlich das Recht erworben, das Rennen in Zürich «Julius Bär Zürich E-Prix» zu taufen. Das Geld hierfür landet in den Kassen der Swiss E-Prix Operations. Erst am Freitag stieg der Temporärvermittler Adecco in die illustre Runde der Sponsoren des Rennens in Zürich ein. «Für Sponsoren ist die Formel E attraktiv, denn hier wird Nachhaltigkeit nicht als Verzichtsübung, sondern positiv besetzt», sagt Derron.

Doch nicht überall ist die Formel E eine Erfolgsstory. In der kanadischen Metropole Montreal zum Beispiel geriet das Rennen für die Stadt zum finanziellen Fiasko und damit zum Politikum. Der frühere Bürgermeister Denis Coderre hatte es mit Millionen von Steuergeldern gefördert. Seine Amtsnachfolgerin Valérie Plante kündigte kurz nach ihrem Wahlsieg im November den Vertrag mit der Formel E. Nun streiten sich beide Seiten ums Geld, weil die Stadt der Formula E Operations noch umgerechnet fünf Millionen Franken Lizenzgebühren schuldet.

Diese Gefahr gibt es in Zürich nicht: Die Stadt finanziert das Autorennen mit keinem Rappen.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 03.06.2018, 17:32 Uhr

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