«Der Patient kontrolliert, wer Zugriff auf seine Daten hat»

Axsana-Chef Samuel Eglin sagt, wieso das elektronische Patientendossier sicher sei – trotz Datenverlust der Swisscom.

«Im Idealfall ist die medizinische Betreuung auch günstiger»: Samuel Eglin. (Foto: PD)

«Im Idealfall ist die medizinische Betreuung auch günstiger»: Samuel Eglin. (Foto: PD)

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Das elektronische Patientendossier (EPD) startet im April 2020. Kürzlich wurde bekannt, dass IT-Partner Swisscom private Nutzerdaten gelöscht hat. Wie sehr können wir der Technik trauen?
Natürlich ist diese Panne nicht hilfreich. Auf den Swisscom-Servern werden schlussendlich die Gesundheitsdaten der meisten Schweizerinnen und Schweizer lagern. Aber wir sind mit dem EPD in einem ganz anderen Bereich unterwegs. Wir arbeiten dafür mit einer anderen organisatorischen Einheit der Swisscom zusammen.

Mit der Swisscom Health AG, einer Tochtergesellschaft der Swisscom.
Korrekt. Darum sind wir von anderen Konzernbereichen nicht ­direkt betroffen. Das wäre so, als hätte zum Beispiel die Lastwagensparte von Mercedes ein Problem, ich selber aber wollte einen Personenwagen kaufen. Natürlich ist es letztendlich derselbe Konzern, das Problem würde mich aber nicht betreffen. Ich könnte bedenkenlos mein Auto kaufen.

Was heisst das genau, wenn jemand seine Daten – etwa ein Röntgenbild – dem EPD anvertraut?
Das EPD ist ein sogenanntes Sekundärsystem. Das heisst, es legt nur Kopien von Originaldaten in einem separaten Speicher ab. Vielleicht hat Ihr Hausarzt Angaben dazu, welche Medikamente Sie bereits genommen haben; beim Spital sind zum Beispiel Scan-Bilder eines Knochenbruchs abgelegt. Diese Informationen bündelt das EPD, damit der Patient oder die Patientin alles beieinander hat.

Und wie sicher sind diese Kopien?
Es ist heute nicht klar geregelt, wie Patienten Gesundheitsdaten mit Ärzten austauschen. Manche benutzen dafür E-Mail, andere Whatsapp. Oft geschieht der Austausch unverschlüsselt, das heisst, die Daten sind bei einem Transfer für Dritte theoretisch einsehbar. Das ist beim EPD anders. Hier sind der Datentransfer und die Speicherung verschlüsselt. Und der Patient kontrolliert, wer genau Zugriff auf seine Daten hat oder nicht. Das EPD macht das möglich. Die Sicherheit des EPD ist wesentlich höher als die Systeme, in denen die Originaldokumente verwaltet werden. Es besteht die Hoffnung, dass nun auch die Primärsysteme der Ärzte oder Spitäler modernisiert und ihrerseits sicherer werden.

Was ist ein Primärsystem?
Damit sind die Informationssysteme in den Gesundheitseinrichtungen gemeint. Dort, wo in Arztpraxen oder Spitälern heute Daten der Patienten eingegeben und aufbewahrt werden.

Die Axsana verwaltet die XAD-Stammgemeinschaft. Sie ist mit Mitgliedern aus dreizehn Kantonen die grösste der Schweiz. Warum braucht es unterschiedliche Anbieter?
Das hat mit der föderalistischen Schweiz zu tun. Die Kantone entscheiden, welche Stammgemeinschaft sie unterstützen wollen. Denn sie finanzieren zu grossen Teilen das EPD. Ich schliesse aber nicht aus, dass es bis April 2020 noch zu weiteren Fusionen kommen wird. Derzeit gibt es noch acht Anbieter.

Womit verdient die Firma Axsana am Ende eigentlich Geld?
Das EPD per se ist kein Geschäft. Es ist ein gesetzlich verordnetes System. Die Vorteile davon liegen erst einmal bei den Patienten. Wenn man alle wesentlichen medizinischen Informationen an einem Ort hat, sollte man eine bessere medizinische Betreuung erhalten. Im Idealfall ist sie auch günstiger. Unser Business Case besteht darin, für alle Beteiligten die Kosten beim Aufbau und Betrieb dieses Systems so tief wie möglich zu halten. Die Axsana gehört zur Hälfte den beteiligten Kantonen und zur anderen Hälfte den Verbänden. Wenn am Ende der Entwicklung die schwarze Null steht, waren wir erfolgreich.

Viele Ärzte befürchten, dass sie noch weniger Zeit mit den Patienten verbringen können, weil sie stattdessen Zeit in das EPD investieren müssen.
Im Idealfall entsteht überhaupt kein Zusatzaufwand. Der Arzt gibt seine Patientendaten in sein System ein, wie er das immer tut, und im Hintergrund werden sie ins EPD übermittelt. Tatsächlich gibt es aber noch viele Ärzte, die ihre Patientendossiers auf Papier führen. Diese für das EPD zu begeistern, wird schwierig. Am Ende wird der Druck aber von den Patienten kommen. Sie werden verlangen, ihre Gesundheitsdaten elektronisch ablegen zu können.

Sind Sie auf Kurs? Kann ab April 2020 jede Schweizerin und jeder Schweizer ein elektronisches Patientendossier eröffnen?
Am 15. April 2020 muss das System stehen. Aber es gibt noch offene Punkte: Wie funktioniert etwa das Zusammenspiel mit den anderen Stammgemeinschaften? Das können wir erst richtig testen, wenn alle Systeme auch tatsächlich im Einsatz sind. Damit uns das gelingt, gibt es noch viel zu tun.



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Erstellt: 21.07.2019, 18:46 Uhr

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