Der grosse Bluff des Ramon Vega

Der Schweizer Ex-Fussballer behauptet, er habe in London Karriere in der Finanzwelt gemacht – belegbar ist das nicht.

«Intellektueller Geschäftsmann»: Ramon Vega tritt stets in bestem Tuch auf. Foto: David Harrison

«Intellektueller Geschäftsmann»: Ramon Vega tritt stets in bestem Tuch auf. Foto: David Harrison

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Es gibt ein Leben nach dem Sport. Ein gutes sogar. Ramon Vega zitiert als Beweis dafür gerne sich selbst: Einst war der in London lebende gebürtige Oltner mit spanischen Wurzeln ein gefeierter Fussballer: Verteidiger bei den Grasshoppers, bei Tottenham Hotspurs und Celtic Glasgow. 23-mal spielte er in der Schweizer Nationalmannschaft, bevor der gelernte Bankkaufmann das Trikot an den Nagel hängte und in die Finanzwirtschaft wechselte.

Die zahlreichen Berichte und Interviews in Schweizer und britischen Medien der vergangenen Jahre lassen nur einen Schluss zu: Vega hatte auch hier Erfolg, wurde sogar zu einer wichtigen Persönlichkeit in der Branche.

Als «Schlüsselfigur in Londons Finanzwelt» und Warner vor dem Brexit beschrieb ihn die «Schweizer Illustrierte». In seiner 2008 gegründeten Vermögensverwaltung Vega Swiss Asset Management (VSAM) beschäftige der Schweizer 15 Angestellte und verwalte Vermögen im Wert von 1 Milliarde Dollar, schrieb der «Blick» vor eineinhalb Jahren. 2012 berichtete der «Tages-Anzeiger» von vier, die «Neue Zürcher Zeitung» von sechs Angestellten in Vegas Firma. Schon damals verwaltete diese angeblich 1 Milliarde Dollar.

Vegas Firma ist von der Zwangsauflösung bedroht

Die britischen Firmenunterlagen widersprechen diesen Angaben: Laut diesen Dokumenten hatte Vegas Firma keine Angestellten und ist seit 2017 von der Zwangsauflösung bedroht – vermutlich weil Bilanzen nicht fristgerecht eingereicht wurden. Wie hoch das verwaltete Vermögen wirklich ist, geht aus den Unterlagen nicht hervor. Die Umsätze sind eher bescheiden. Auf keinen Fall unterstützen sie ein 2015 erschienenes Porträt von Vega in der britischen «Daily Mail», das nach einem ausführlichen Gespräch mit dem Schweizer Ex-Fussballer entstand. Darin wurde Vegas Einkommen aus den Finanzgeschäften mit 15 Millionen Pfund angegeben.

Vegas Firma existiert noch, ihre Website www.vsam.co.uk ist im Internet jedoch nicht mehr aufrufbar. Der SonntagsZeitung liegen Bildschirmfotos der Website aus den vergangenen Jahren vor, mit Vegas Lebenslauf: 2002 sei er Gründungsmitglied des Hedgefonds Duet Asset Management gewesen, der 2,5 Milliarden Dollar verwalte. Auch in mehreren Zeitungsartikeln wird Vega als Partner beschrieben. Jedoch kommt der Name Ramon Vega in den Firmendokumenten nicht vor. Und ein damals Beteiligter, der nicht namentlich genannt werden will, sagt, Vega sei niemals ein Partner der Firma gewesen sei. Vega habe einzig geholfen, die Aktivitäten im Sportgeschäft zu fördern. Als dieser Zweig aufgegeben wurde, sei man getrennte Wege gegangen: «Er war sehr nett, keine bösen Gefühle.» Warum aber bezeichnete sich Vega als Gründungsmitglied und Partner? Er antwortet auf die Frage nicht.

Kandidatur für Fifa-Präsidium von vornherein gescheitert

In britischen Medien wurde Vega häufig als Vorbild präsentiert, wie hoch bezahlte Spitzensportler nach dem Ende ihrer Laufbahn den Umstieg in die Wirtschaft schaffen könnten. Vega, dieser «intellektuelle Geschäftsmann», sei das beste Beispiel dafür, «dass da draussen Millionen verdient werden können», schrieb 2017 eine britische Fanzeitung: «Es ist nicht alles schlecht, Jungs!»

Der heute 47-Jährige förderte dieses Image, in Bildern und mit Worten. Er tritt stets in bestem Tuch auf, hält Hof in den teuersten Hotels. Er sucht die Öffentlichkeit, zuletzt mit seiner Ankündigung, er werde als einziger Herausforderer von Gianni Infantino für den Posten des Fifa-Präsidenten kandidieren. Das brachte ihm Schlagzeilen in Sportgazetten weltweit. Dummerweise stellte sich bald heraus, dass er nicht einmal die notwendige Unterstützung von fünf Fifa-Verbänden für die Kandidatur hatte.

Auch die Adresse seiner Vega Swiss Asset Management im Londoner Nobelquartier Mayfair deutete auf grossen Wohlstand und Erfolg hin. «Mir ist es wichtig, dass die Kunden wissen, was mit ihrem Geld passiert», sagte Vega dem «Tages-Anzeiger» im Jahr 2012: «Transparenz wird wieder geschätzt.» Heute ist der weltgewandte Oltner, der fünf Sprachen fliessend spricht, hingegen wortkarg. Alle Fragen zu seinen Firmen blieben unbeantwortet. Am Telefon meldet sich Vega nicht mehr.

Ramon Vega lässt sich in den Medien gerne als erfolgreichen ­Geschäftsmann darstellen. Ausriss: «Schweizer Illustrierte»

Deshalb bleibt auch die Frage nach den 500 Millionen Pfund ­ unbeantwortet: Vega hatte im November 2015 in London die Firma Vega Suisse Finance gegründet. Schon zwei Monate später gab sie eine Anleihe über 500 Millionen Britische Pfund heraus, damals waren das 720 Millionen Franken. Gezeichnet wurde die Anleihe treuhänderisch von einer irisch-amerikanischen Bank, das geht aus einem Vertrag hervor. Wer Vegas Firma tatsächlich so viel Geld gab, bleibt unklar. Vega schweigt.

Kenner der britischen Finanzwelt finden es höchst ungewöhnlich, dass eine neu gegründete Firma so viel Geld auf dem Finanzmarkt aufnehmen kann. Ein Jahr nach der Ausgabe der Millionenanleihe, im Dezember 2017, wurde Vega Suisse Finance schon wieder aufgelöst. Was mit der Anleihe geschah, ist unklar.

Ehemalige Geschäftspartnerin taucht in Panama Papers auf

Neben diesem kurzlebigen Unternehmen gründete Vega im November 2015 drei weitere Firmen in London. Auch sie wurden im Winter 2017 und im Frühjahr 2018 wieder liquidiert. Auch ihr Zweck bleibt unklar. Vega schweigt.

Aufgelöst wurde 2018 auch Vegas Schweizer Firma Matterhorn Capital Rosalp. Mit der hatte er vor einigen Jahren das Hotel Rosalp im Walliser Ferienort Verbier gekauft. Doch den Ausflug in die Hotellerie hat er mittlerweile beendet. Seine Geschäftspartnerin in der Matterhorn Capital war die Tessinerin Judith Hamburger-Ornstein, deren Name im Zusammenhang mit Offshore-Firmen in den Panama Papers auftaucht. Ihre Schweizer Firma Salix wird jetzt laut Berichten von US-Medien von US-Sonderermittler Robert Mueller untersucht. Sie soll hinter der israelischen Firma Psy stehen, die im US-Präsidentschaftswahlkampf soziale Medien manipuliert hatte.

Als Vega noch mit der SonntagsZeitung sprach, lobte er Hamburger-Ornstein als «professionell und sehr seriös». Den Grund, warum er seine Schweizer Firma auflöste, sagte er schon damals nicht.

Zuletzt äusserte Vega in anderen Medien immer öfter und immer lauter seinen Wunsch, in den Fussball zurückzukehren. Vielleicht als Spielervermittler, vielleicht als Clubmanager. Er habe schon einige Anfragen erhalten, verriet er im vergangenen Sommer der britischen «Sun». Er sei flexibel, beherrsche sowohl die wirtschaftliche als auch die sportliche Seite: «Wenn so viel Geld im Spiel ist, muss man das Business genauso wie den Fussball beherrschen», zitiert ihn die «Sun»: «Das ist eine Verschmelzung des Wissens.»

Erstellt: 24.02.2019, 08:03 Uhr

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