Die Schweiz ist billiger als Österreich

Ein Vergleich der Ski-Ticketpreise zeigt: Die Schweiz ist als Schneesport-Destination wieder im Rennen. Die Buchungszahlen für diesen Winter steigen.

Schweizer Skitickets: Billiger in der Nebensaison dank dynamischen Preisen. Foto: swiss-image.ch

Schweizer Skitickets: Billiger in der Nebensaison dank dynamischen Preisen. Foto: swiss-image.ch

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Sie sind günstig, gut und auch noch herzliche Gastgeber – so weit das Klischee der österreichischen Ferien­hotellerie. Tatsächlich hat das Nachbarland in den letzten Jahren vom tiefen Euro deutlich profitiert und konnte auch mehr Schweizer zu sich locken. 2015 stiegen die Logiernächte von Schweizern und Liechtensteinern um knapp 6 Prozent, 2016 um 3,4 Prozent an, wie die Statistiken zeigen. Doch nun wendet sich das Blatt. «Diesen Winter können wir preislich mit den Österreichern mithalten», sagt Hotelleriesuisse-Präsident Andreas Züllig.

Mehrere Faktoren spielen zusammen: Der stärkere Euro, der die Kaufkraft der Schweizer in der Eurozone schwächt – er allein verteuert die Ferien im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 6 Prozent. Hinzu kommt, dass die Österreicher – weitgehend unbemerkt – über die letzten Jahre die Preise erhöht haben.

Die Lohnkosten im Nachbarland stiegen deutlich – unter anderem weil in der Beherbergungsindustrie akuter Fachkräftemangel herrscht. Im Bundesland Tirol fehlen für diese Wintersaison 850 Köche, wie das österreichische Fernsehen jüngst berichtete. Einheimisches Personal zog es zuletzt oft ins Ausland, unter anderem in die Schweiz, wo sich dank teurem Franken gut Geld verdienen liess.

Infografik: Skitickets im Vergleich Grafik vergrössern

Die Aufschläge für den Gast zeigen sich in der Statistik: Die Hotel- und Restaurantpreise stiegen zwischen 2010 und 2016 um 20 Prozent, wie der Verbraucherpreisindex zeigt. Anders verlief die Preisentwicklung in der Schweiz: In der Beherbergung stagnierten die Preise weitgehend, in den vergangenen zwei Jahren gingen sie laut Bundesamt für Statistik gar um 1,9 beziehungsweise 2,3 Prozent zurück. Im Index schlagen sich günstige Paketangebote und Preissenkungen nieder, mit denen die Hotellerie die Rückgänge bei den Buchungen aus dem Euroraum zu kompensieren versuchte. «Viele Hoteliers gingen angesichts ohnehin geringer Margen über die Schmerzgrenze hinaus», sagt Züllig.

Um das Preisniveau zu analysieren, hat er vergleichbare 4-Stern-Häuser diesseits und jenseits der Grenze angeschaut. Bei einer Buchung für zwei Personen inklusive Frühstück vom 20. bis 24. Dezember fielen im eigenen Hotel, dem Schweizerhof auf der Lenzerheide, 1782 Franken an, im Vorarlberger Löwen in Montafon 1896 Franken. In der Post in Ischgl müsste der Gast 1912 Franken berappen, in den Davoser Hotels Ameron und Grischa 969 respektive 1636 Franken. Züllig ist froh über die wiedergewonnene Konkurrenzfähigkeit der Branche, sagt aber auch, die Preisspirale müsse nun ein Ende finden, da zu viele Investitionen aufgeschoben wurden. «Mittelfristig brauchen wir wieder mehr Mut, die Preise müssen wieder steigen.»

Infografik: Preisentwicklung Beherbergungen Grafik vergrössern

Auch die Schweizer Bergbahnen können bei den Skiticketpreisen mithalten. Die auf Bergbahnberatung im In- und Ausland spezialisierte Firma Grischconsulta hat die Preispolitik von vier grossen Skigebieten in der Schweiz mit vergleichbaren in Österreich analysiert. Das Ergebnis: Zwar liegen die regulären Tagesskipässe für die Hochsaison in den Schweizer Gebieten Arosa/Lenzerheide, Engadin St. Moritz, Verbier und Davos/Klosters im Schnitt noch rund 10 Franken über den Tagestickets für Sölden, Ischgl, Lech und Kitzbühel. Für die 6-Tages-Pässe in der Hochsaison liegt der Unterschied im Schnitt noch bei 18 Franken. In der Nebensaison fährt es sich in der Schweiz um bis zu 17 Prozent günstiger, sowohl mit Tages- als auch mit 6-Tages-Pass – und zwar mit online buchbaren Best-Price-Angeboten. Was die Saisonkarten angeht, bieten hierzulande verschiedene Skigebiete Schnäppchen an, die jenseits der Grenze ihresgleichen suchen. Etwa der Top4-Skipass für 666 Franken im Berner Oberland.

«Die Schweizer mussten derartige Systeme aufgrund des Gästeschwunds entwickeln, in Österreich gibt es sie noch gar nicht.»Roland Zegg, Grischconsulta

Ursache für den Preisrutsch ist die Einführung von dynamischen Preisen – Preise, die sich nach Auslastung und Buchungszeitraum richten. Die Tickets kauft der Gast online. «Die Schweizer mussten derartige Systeme aufgrund des Gästeschwunds entwickeln, in Österreich gibt es sie noch gar nicht», sagt Roland Zegg von Grischconsulta. Für ihn steht fest: «Der Preisvorteil der Österreicher ist weggeschmolzen.»

Einzig in der Gastronomie bleiben Unterschiede bestehen, der Kaffee für 5 Franken auf der Schweizer Skihütte, der günstige Kaiserschmarrn im Vorarlberg, sie bleiben den Gästen in Erinnerung. So zeigt auch der Index für Konsumentenpreise für Gaststätten in der Schweiz über die Jahre leicht nach oben. Insofern will man sich auch bei Schweiz Tourismus noch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Sprecher Markus Berger spricht von insgesamt erfreulichen Fakten und bezeichnet den Preisunterschied zwischen Österreich und der Schweiz als «nicht mehr dramatisch».

Mehr Eurogäste und abtrünnige Schweizer kommen

Die allgemein günstigere Ausgangslage, gepaart mit dem frühen Schnee, dürfte diesen Winter mehr Eurogäste in die Schweiz locken – oder abtrünnige Schweizer zu Ferien in der Heimat verleiten. Schweiz Tourismus erwartet basierend auf Prognosen der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich ein Logiernächteplus von 3,7 Prozent für diesen Winter. Bei den Schweizern erhofft sich die Marketingorganisation ein Plus von 2,8 Prozent. Den grössten Zuwachs bei ausländischen Gästen erwartet sie aus Deutschland mit knapp 5 Prozent.

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Hoffnungsvolle Anzeichen kommen von der Migros-Tochter Hotelplan, die mit den Marken Hotelplan und Migros Ferien Pakete inklusive Skipauschalen anbietet. Gegenüber dem Vorjahr liegen die Buchungen für Skiferien in der Schweiz rund 20 Prozent im Plus. Die Buchungen für Österreich hingegen sind knapp zweistellig unter Vorjahr. Sprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir geht davon aus, dass nicht nur eine Verschiebung von Österreich in die Schweiz stattfindet. «Wir gewinnen auch zusätzliche Kunden für Skiferien in der Schweiz.» Die Schweiz ist diesen Winter wieder im Rennen.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 25.11.2017, 20:42 Uhr

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