Die Vielflieger der Nation

Einige Bundesräte nutzen lieber Linienjets als die Bundesmaschinen. Und nur einer fliegt konsequent nie in der First Class.

Regierungsvertreter können bei der Wahl der Maschine mitreden. Bild: Keystone

Regierungsvertreter können bei der Wahl der Maschine mitreden. Bild: Keystone

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Auch wenn Doris Leuthard und Johann Schneider-Ammann in vieler Hinsicht nicht unterschiedlicher sein könnten, haben die scheidenden Bundesräte etwas gemeinsam: Sie waren die Vielflieger der Regierung. Und sie liessen sich ihre Reisen etwas kosten. Das zeigt eine Aufstellung, die die SonntagsZeitung gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz bei den Departementen verlangt hat.

Daraus wird ersichtlich, dass die ehemalige Umweltministerin von Anfang 2015 bis Ende November 2018 beruflich häufiger in eine Linienmaschine stieg als jedes andere Regierungsmitglied: Ihre vierzehn Flüge kosteten 146'833 Franken. Der Betrag übersteigt die entsprechenden Budgetposten der anderen Bundesräte deutlich. An zweiter Stelle erscheint Wirtschaftsminister Schneider-Ammann mit dem Betrag von 130'714 Franken, den er auf neun Reisen «verflog».

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Fast so viele Linienflüge nahm Bundesrat Ueli Maurer in Anspruch. Anders als Schneider-Ammann wirkte er in der Zeitspanne von 2015 bis 2018 aber nie als Bundespräsident – ein Amt, das in der Regel eine höhere Reisetätigkeit verlangt. Beim Eidgenössischen Finanzdepartement (EFD) erklärt man die zahlreichen Flüge des Vorstehers unter anderem mit den jährlichen Treffen der G-20-Staaten, die zuletzt in China, Deutschland und Argentinien stattfanden.

Zwar gehört die Schweiz nicht zur Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. Der zuständige Bundesrat vertritt sie aber an den Versammlungen der Finanzminister, die jeweils im Rahmen dieser Gipfel abgehalten werden. «Zudem reist der Finanzminister an die Tagung des Internationalen Währungsfonds», sagt Peter Minder, Leiter der Kommunikationsstelle des EFD. Diesen Herbst fand diese in Bali statt.

«Unser Departementschef reist nie in der First Class, sondern immer in der Businessklasse – und zwar aus Kostengründen.»Peter Minder, Leiter der Kommunikationsstelle des EFD

Maurer gab aber für seine zehn Langstreckenflüge gerade mal halb so viel Geld aus wie Schneider-Ammann für seine neun Reisen. Das hat mit einem Prinzip Maurers zu tun. Denn anders als seine Ratskollegen hat er – ganz Hüter der Bundesfinanzen – bezüglich der Klassenwahl eine klare Linie: «Unser Departementschef reist nie in der First Class, sondern immer in der Businessklasse – und zwar aus Kostengründen», sagt Minder.

Auch deshalb gibt der Finanzminister dem Linienverkehr gegenüber dem Transportdienst des Bundes (LTDB) üblicherweise den Vorrang. Wie ein Vergleich der Jahre 2015 bis 2017 zeigt, hat er von allen Magistraten dessen Dienste bei weitem am wenigsten genutzt: Knapp über 100 Stunden hat er in den Jets, rund 7 Stunden in den Helikoptern des Bundes verbracht.

Drei Wochen in den Flugzeugen des Bundes verbracht

Mehr als fünfmal so lange sass Wirtschaftsminister Schneider-Ammann in diesen drei Jahren in den Maschinen des Bundes: Mit rund 560 Stunden hat er umgerechnet mehr als drei Wochen darin verbracht. Er überflügelt damit sämtliche Ratskollegen deutlich. Erik Reumann, Sprecher des Wirtschaftsdepartements, begründet das so: «Bundesrat Schneider-Ammann setzt prioritär auf Direktkontakte.» Und mit Rücksicht auf die stets volle Agenda müsse die vorhandene Zeit so effizient wie möglich genutzt werden.

Schneider-Ammann hält aber noch einen anderen Rekord: Kein anderer Magistrat bestieg so oft einen Helikopter wie er. Mehr als die Hälfte seiner Flugstunden mit den Bundesmaschinen entfallen auf die Heli-Flotte (rund 202 Stunden). Dabei scheint der Ex-Wirtschaftsminister für den kleinsten Heli der LTDB-Flotte eine Schwäche zu haben.

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Tatsächlich entscheiden die Regierungsvertreter nicht nur, ob sie mit einem Linienjet oder einem Flieger des LTDB reisen, sie reden auch bei der Auswahl der Maschinen ein Wörtchen mit. Wählt ein Magistrat die Flieger der Eidgenossenschaft, unterbreitet ihm der Lufttransportdienst eine Offerte. Darin ist auch ein Fluggerät vorgeschlagen, was allerdings nicht in Stein gemeisselt ist. «Selbstverständlich werden die Wünsche der Bundesräte nach Möglichkeit berücksichtigt», sagt VBS-Sprecherin Valentine Zubler.

«Die Linienflüge sind billiger als der Lufttransportdienst des Bundes.»Dominique Bugnon, Uvek-Sprecher

Zwar erscheint Doris Leuthard in der bundesrätlichen Kundenliste des LTDB direkt nach Schneider-Ammann. Sie nahm dessen Dienste aber deutlich seltener in Anspruch als er. «Die Linienflüge sind billiger als der Lufttransportdienst des Bundes», sagt Dominique Bugnon, Sprecher des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation. Um das Budget zu schonen, wählte die abgetretene Bundesrätin wenn immer möglich den Linienflug.

Die Landesregierung hat erkannt, dass der bundeseigene Transportdienst oft der Kosten wegen das Nachsehen hat. Er hat deshalb eine Vorschrift aufgehoben, wonach der LTDB die Flüge der Bundesräte in Rechnung stellen muss. Diese neue Regelung tritt 2019 in Kraft.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 22.12.2018, 22:05 Uhr

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