Die letzte Chance von Globus

Der Warenhauskonzern schreibt rote Zahlen. Nun setzt die Migros-Tochter alles auf eine Karte.

Wird bald verschwinden: Schild- und Herren-Globus-Läden werden demnächst unter der Marke Globus auftreten.

Wird bald verschwinden: Schild- und Herren-Globus-Läden werden demnächst unter der Marke Globus auftreten. Bild: Walter Bieri/Keystone

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Am Eröffnungsabend des neuen Globus Flagship-Stores für Damenmode an der Zürcher Bahnhofstrasse traten sich die Gäste diese Woche gegenseitig auf die Füsse. Der ehemalige Kleiderladen Schild, der seit 2014 zu Globus gehört, war proppenvoll. Fashion-Journalistinnen, Modefachleute, Klatschtanten und It-Girls waren vor Ort.

«Kostet diese Tasche von Simon Miller, die aussieht wie ein Papiersack, wirklich 699 Franken?», fragt eine reifere Dame ungläubig. Ja, das sei der grosse Renner in Übersee, klärt sie eine Freundin auf. «Ob die ehemaligen Schild-Kundinnen sich solche Globus-Taschen leisten wollen?», fragt sich ein Detailhändler. Einen Tag später ist der Laden zur selben Zeit fast leer.

Die Wiedereröffnung steht für den vermutlich letzten Versuch, die Warenhaus-Gruppe Globus in eine Zeit hinüberzuretten, in der dank des Internets die ganze Welt zum Warenhaus geworden ist. Das Unternehmen hat in seiner Geschichte, die 1907 begann, schon viele Rezepte ausprobiert. Hat zum Beispiel unrentablere Unternehmensteile in den Mutterkonzern Migros abgeschoben, wie das Möbelgeschäft Interio oder den Bürobedarf-Anbieter Officeworld, der später verkauft wurde. Hat einst das Kleinwarenhaus ABM, das zu Globus gehörte, geschlossen, oder die Schild-Modehäuser gekauft.

Doch bisher blieb der Durchbruch aus. Der Umsatz der Globus-Warenhäuser sinkt, seit 2010 ging er von 735 auf 640 Millionen Franken zurück. Nun versucht das Unternehmen, mit einer sogenannten One-Brand-Strategie, einer höheren Positionierung im Premium- und Luxusbereich und einer Schliessung von Läden den Turnaround zu schaffen. Die Marken Schild und Herren Globus müssen weichen. Künftig treten auch diese Läden unter der Marke Globus auf.

Globus hat das Onlinebusiness verschlafen

«Globus ist die vermutlich grösste Baustelle der Migros», sagt Globus-Chef Thomas Herbert. Vor fünf Jahren hat er zusammen mit einem Partner die Modekette Schild an Globus verkauft. Ein guter Zug für Herbert. Er erhielt schätzungsweise 12 bis 15 Millionen Franken. Und der 48-Jährige ist immer noch mit knapp fünf Prozent an Globus beteiligt.

Doch was hat der Kauf von Schild der Migros-Tochter Globus gebracht? Er geschah just zu dem Zeitpunkt, als es in der Modebranche so richtig zu kriseln begann. «Schild hat Globus gute Standorte für ein Damenmodeformat sowie viel Know-how im E-Commerce-Bereich gebracht. Dort war Globus noch schwach», sagt Herbert. Zudem sei Schild bereits 2009 im E-Commerce eingestiegen – Globus erst 2013.

Herbert gibt zu: «In der Schweiz wurde das Onlinegeschäft verschlafen, auch bei Globus.» Nun will er dort Gas geben. Dieses Jahr habe sich der Umsatzanteil im E-Commerce von 20 auf 40 Millionen Franken oder ­fünf Prozent des Umsatzanteils gesteigert. Nächstes Jahr will er mit dem Onlineshop bereits 100 Millionen Franken Umsatz erreichen. Dann soll das ganze Globus-Angebot ins Internet gestellt werden.

«2018 ist das Jahr der Transformation, ein schwieriges Jahr.»Thomas Herbert, Globus-Chef

Die Ambitionen von Herbert sind hoch, nicht nur im Onlinegeschäft. Bis 2020/21 will er für Globus eine Umsatzrendite von vier bis fünf Prozent erreichen. Dieses Jahr schreibt Globus erneut rote Zahlen. Wie rot, mag Herbert nicht verraten. Das Migros-Handelsdepartement, zu dem auch Globus gehört, wies 2017 einen Betriebsverlust von 83 Millionen Franken aus – ein grosser Teil davon dürfte auf das Konto von Globus gehen.

Jetzt wagt man auf Geheiss des Beratungsriesen McKinsey die Flucht nach vorn: Bereits wurden 27 Schild- oder Herren-Globus-Filialen in Globus-Fachgeschäfte umgewandelt. Insgesamt elf Filialen werden bis Ende Februar 2019 geschlossen. An drei Standorten wurden je zwei Filialen zusammengelegt. Im Zuge der neuen Strategie werden 300 Stellen abgebaut. Die Investitionskosten für die Neupositionierung der Globus-Gruppe sind happig. Auch da geizt Herbert mit Zahlen. «2018 ist das Jahr der Transformation, ein schwieriges Jahr», erklärt Herbert.

2019 soll es 50 bis 55 Globus-Läden geben, davon 12 Warenhäuser. 2017 waren es noch 73, davon 14 Warenhäuser. Sogar das Warenhaus Globus im Centre Balexert in Genf wird Ende Jahr geschlossen. «Das Warenhaus wird künftig nur in grossen Städten überleben können», ist Herbert überzeugt. «Diese müssen exklusive Erlebnisse und Marken anbieten und Begegnungsort sein.»

Das Kerngeschäft ist unter Druck

Trotz Umbau kauft Globus auch noch zu. Vor kurzem hat die Migros-Tochter die Marke Navyboot erworben. Dieses Schuhgeschäft leidet unter Umsatzschwund und hat in den vergangenen Jahren noch selten Gewinn erzielt.

«Globus übernimmt nur fünf Schuhgeschäfte und drei Outlets», betont Herbert. Er war vor allem an der Marke Navyboot interessiert. Schliesslich erzielt Globus mit den Kleidern und Schuhen der Marke Navyboot 30 Millionen Franken Umsatz pro Jahr. In Zukunft will das Unternehmen die ganze Wertschöpfungskette selbst organisieren, von der Produktion bis zum Verkauf. Und die rund fünf bis sieben Prozent Lizenzgebühr, die es bislang an den ehemaligen Navyboot-Besitzer Philipp Gaydoul bezahlen musste, fallen weg. So will Herbert die Marge bei Navyboot steigern.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 23.09.2018, 13:23 Uhr

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