Drogen im Dienst: Soldaten vom Steuer verbannt

187 Fahrberechtigungen entzog die Armee im letzten Jahr. Fast in jedem dritten Fall ging es um Betäubungsmittel.

54-mal musste das Amt 2017 wegen Drogen durchgreifen, also fast in jedem dritten Fall. Bild: Keystone

54-mal musste das Amt 2017 wegen Drogen durchgreifen, also fast in jedem dritten Fall. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Frau Korporal ist im Dienst, als sie durch die kleine Gemeinde in der Westschweiz fährt. 40 km/h beträgt die Tempolimite, denn in der Nähe steht eine Schule. Trotzdem drückt sie aufs Gaspedal. Und wird, Abzüge inklusive, mit 73 km/h erwischt. Nur Minuten später passiert sie die gleiche Stelle erneut, jetzt mit 72 km/h.

Die Militärjustiz spricht im Strafbefehl von einem «Geschwindigkeits-Exzess». Damit kennt sich die Behörde aus. Sie sprach diesen Sommer auch eine Frau im Rang eines Oberstleutnants schuldig, die im Militärfahrzeug 29 km/h zu schnell fuhr. Und einen jungen Soldaten, der innerorts 21 km/h zu viel auf dem Tacho hatte.

Wie viele Verkehrsdelikte während des Militärdiensts erfolgen, ist statistisch nicht erfasst. Einen Einblick geben aber Daten, welche das Strassenverkehrsamt der Armee führt. Dieses entzieht bei diversen Verstössen die militärische Fahrberechtigung, sodass Verkehrssünder nicht mehr im Dienst fahren können. 187 solche Massnahmen erfolgten 2017, was ungefähr im Rahmen der Vorjahre liegt.

«Die Entzugsgründe der militärischen Fahrberechtigung können nicht eins zu eins mit dem zivilen Bereich verglichen werden.Delphine Allemand, Armeesprecherin 

Der Alkohol spielte eine untergeordnete Rolle, nur acht Fälle waren auf «Fahren in angetrunkenem Zustand» zurückzuführen. Zehn Entzüge erfolgten nach einem Sekundenschlaf am Steuer. Der Grossteil jedoch erfolgte wegen Betäubungsmitteln. 54-mal musste das Amt 2017 wegen Drogen durchgreifen, also fast in jedem dritten Fall.

«Die Entzugsgründe der militärischen Fahrberechtigung können nicht eins zu eins mit dem zivilen Bereich verglichen werden, da die Armee als Dienstherr und Fuhrparkhalter zum Teil strengere Regeln anwendet», sagt Armeesprecherin Delphine Allemand. So etwa bei den Drogen. «Da wird die Fahrberechtigung bereits entzogen, wenn im Militärdienst Betäubungs­mittel konsumiert wurden – auch wenn die entsprechende Person zu jener Zeit nicht im Fahrdienst stand.»

14 «grobe Verletzungender Verkehrsregeln»

High oder nicht: Immer wieder kommt es im Militärdienst auch zu schweren Verkehrsdelikten. Zusammengefasst sind diese im Strassenverkehrsgesetz, Artikel 92, Absatz 2. Laut diesem wird bestraft, «wer durch grobe Verletzung der Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt». Letztes Jahr wurde 14 Personen deswegen die militärische Fahrberechtigung entzogen.

Darunter auch Frau Korporal, welche die Tempolimite um 33 Stundenkilometer überzog. Die Militärjustiz verhängte eine Busse und eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen à 150 Franken. Und war damit noch gnädig. Die Schweizerische Staatsanwälte-Konferenz empfiehlt für vergleichbare Delikte eine fast dreimal höhere Strafe. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 08.09.2018, 22:30 Uhr

Armee vermisst fast 5000 Waffen

Vor zwei Jahren stellte die Armee fest, dass im Munitionsmagazin der Infanterie-RS in Aarau mehrere Kilo Sprengstoff fehlten. Sofort wurden Ermittlungen aufgenommen. Sie dauern bis heute an: «Die Militärjustiz nimmt die Sache immer noch sehr ernst und untersucht mit erheblichem Aufwand», sagt Sprecher Mario Camelin. Viele Szenarien seien möglich. «Zum jetzigen Zeitpunkt kann auch ein Buchhaltungsfehler nicht ausgeschlossen werden.» Der Bund überprüfte nach dem Vorfall sämtliche Prozesse, damit künftig weniger Material verschwindet. Trotzdem sind letztes Jahr 85 Dienstwaffen verschwunden (2016: 69). Die Armee nennt verschiedene Gründe: Diebstahl am Wohnort oder während des Transports, Liegenlassen im Zug, Hausbrände, Umzug oder Verlust während des Diensts. Nur die wenigsten Exemplare tauchen je wieder auf. So sind aktuell fast 5000 Waffen unauffindbar, die seit 1969 abhanden kamen. (gpr)

Artikel zum Thema

Nationalrat stellt sich gegen präventive Drogentests in der Armee

Armeeangehörige sollen nicht präventiv auf Drogen getestet werden dürfen. Die grosse Kammer lehnt eine Motion aus dem Ständerat ab. Mehr...

Kokain am WEF – fünf Wachleute nach Hause geschickt

Zwölf in Davos stationierte Soldaten haben Drogen konsumiert. Zumindest einer muss mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Mehr...

Armee verbietet Konsum legaler Hanfzigaretten

Die Armee reagiert auf den Boom von CBD-Hanf und verbietet das legale Gras – nur während Ausgang und Urlaub bleibt es erlaubt. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

SonntagsZeit. Im Digital-Abo.

Die SonntagsZeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 10.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Nur die Wendeltreppe ist übrig geblieben: Die anhaltenden Flächenbrände in Kalifornien haben auch zahlreiche Häuser in der Villen-Ortschaft Malibu zerstört. (10. November 2018)
(Bild: Ringo H.W. Chiu/AP) Mehr...