Duro-Debakel: Jetzt fällt auch noch der Motor aus

Die Sanierung der Armeefahrzeuge kostet eine halbe Milliarde Franken. Doch bisher ging fast alles schief – und die Probleme werden immer grösser.

Die Sanierung der Duro ist bis heute blockiert: Eine Werkstatt der Schweizer Armee.

Die Sanierung der Duro ist bis heute blockiert: Eine Werkstatt der Schweizer Armee.

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Die Totalsanierung des 25-jährigen Armeefahrzeugs Duro stand von Anfang an unter einem schlechten Stern: 2016 hat die Armeebeschaffungsstelle Armasuisse durchgesetzt, dass 2220 Duro für 212'000 Franken pro Stück von Grund auf erneuert werden, obwohl sie bei der Beschaffung zum Neupreis bloss 170'000 Franken gekostet hatten. Der Sanierungsauftrag von gut einer halben Milliarde Franken ging an die Thurgauer Waffenschmiede Mowag. Eine Ausschreibung hat nie stattgefunden. Das Vorhaben war hoch umstritten. Vereinbart war, dass die Mowag monatlich 48 Duro saniert.

Nun zeigen Nachforschungen: Die Mowag hat bis heute nur gerade mal ein Zehntel der 2220 Fahrzeuge erneuert. Und: Seit zehn Monaten hat sie kein einziges Fahrzeug mehr ausgeliefert. Der Grund des Stillstands: Armasuisse und Mowag hatten für den revidierten Duro einen neuen speziellen Motor des kleinen österreichischen Motorenbauers Steyr Motors gewählt. Die Firma im Besitz chinesischer Investoren musste aber Ende letzten Jahres Insolvenz anmelden. Die Duro-Sanierung musste gestoppt werden.

Armasuisse informierte erst unter dem Druck der Medien

Statt bereits damals nach einem neuen Motor Ausschau zu halten, frohlockte Armasuisse-Chef Martin Sonderegger im Februar voreilig, die Sanierung könne fortgesetzt werden, die Motoren würden wieder geliefert. Das Problem sei gelöst. Der Grund für den Optimismus: Der österreichische Konkursverwalter hatte Hoffnungen geschürt, dass es Interessenten gebe, die den konkursiten Motorenbauer eventuell bald kaufen wollen. Nur: Die Jubelmeldung erwies sich als naive Fehleinschätzung. Die Suche nach einem Käufer für Steyr Motors dauert bis heute an. So ist die Duro-Sanierung bis heute blockiert.

In den vergangenen Wochen kamen die Verantwortlichen nun doch zur Einsicht, dass es einen neuen Motorenlieferanten braucht. Gemäss Recherchen dieser Zeitung hat die Mowag bei mehreren Motorenherstellern Offerten eingeholt und einen Fiat-Motor auserkoren. Armasuisse und Mowag wollten dies unter dem Deckel halten. Auf Anfrage teilten sie diese Woche vorerst mit, man werde in zwei Wochen informieren. Als die SonntagsZeitung klarmachte, dass sie die Recherchen publizieren werde, ging die Armasuisse in die Offensive und informierte am Freitagabend per Medienmitteilung über den Lieferstopp und die Motorprobleme.

Noch mehr Verspätung, noch teurer

Doch mit dem Wechsel des Lieferanten schaffen sich Armasuisse und Mowag nur neue Probleme. Denn mit dem Einbau eines anderen Motors muss nun das Antriebskonzept überarbeitet werden, wie involvierte Techniker erklären. Zudem sind zeitaufwendige Fahrtests notwendig. Das wird Geld und noch mehr Zeit verschlingen. Insider rechnen erneut mit einer Verzögerung von mindestens einem halben Jahr. Armasuisse räumt schon jetzt ein, dass es weitere Lieferrückstände geben werde. Ob sich der neue Motor überhaupt bewährt, ist ungewiss. Ausführliche Tests stehen aus. Ein weiteres Problem: Bei den 215 vor einem Jahr totalsanierten Fahrzeugen muss sie den vor einem Jahr neu eingebauten Steyr-Motor durch den jetzt neu evaluierten Motor ersetzen, damit die Armee nicht zwei Ersatzteillager führen muss.

Pro Fahrzeug entstehen allein wegen des Motors Mehrkosten von 3500 Franken pro Fahrzeug, total 7,7 Millionen Franken. Dieser Mehraufwand wird mit Steuergeldern finanziert. Die Armasuisse schreibt, man werde den bewilligten Maximalkredit von 558 Millionen Franken nicht überschreiten. Und die Mowag müsse eine Konventionalstrafe zahlen. Deren Höhe wird nicht genannt.



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Erstellt: 14.07.2019, 07:04 Uhr

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