Ein unschlagbarer Bund

Die Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle war ein Festtag für Englands Monarchie. Die US-Amerikanerin Markle eroberte die Herzen der Briten im Sturm.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Am Samstag wurde in einem Festakt an der Themse die perfekte Ehe geschlossen. Hollywood und die «Firma» der Windsors reichten einander die Hand zu einem unschlagbaren Bund.

Wie viel Hundert Millionen Menschen diese Fusion zweier Welten nun wirklich am Bildschirm verfolgten, ist zwar schwer zu sagen. Aber die Sonne gab ihren Segen: So viel war klar.

Ein blauer Bilderbuchhimmel spannte sich über Schloss Windsor. Über 100'000 Menschen jubelten dem Brautpaar zu, das gut gelaunt und in einem beispiellosen Medienspektakel diese grandiose Verbindung zwischen der Traumfabrik von L. A. und dem britischen Königshaus vollzog.

Das Ja-Wort, der Kuss, das Kleid: Das waren die emotionalsten Momente der Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle. (Quelle: Tamedia/SDA/AFP/AP)

Prinz Harrys und Meghan Markles Hochzeit erfüllte alle Erwartungen, die Grossbritanniens Royalisten in sie gesetzt hatten. Bei der lang und sorgsam geplanten Zeremonie lief alles wie am Schnürchen. Niemand trat der Braut auf die Schleppe. Sogar die sechs Blumenmädchen und vier Pagen, die hinter dem fünf Meter langen Brautschleier hertapsten, auf dem Weg durch Windsors St George’s Chapel, entledigten sich bravourös ihrer Aufgabe. Bei der Probe lief noch alles schief.

Auch die feierliche Willensbekundung Harrys und Meghans ging mit beeindruckender Leichtigkeit über die Bühne. Niemand brachte Namen durcheinander (wie es noch Harrys Mutter Diana bei ihrer Aufnahme in die Royal Family getan hatte).

Der in Uniform erschienene Bräutigam schien etwas nervös. Oder er hatte vor dem grossen Ereignis schlecht geschlafen. Er wäre ja «eigentlich am liebsten im Pub» gewesen, hatte er bei einem Rundgang durch Windsor am Vorabend Gratulanten anvertraut.

Die Braut machte keinen unbedachten Schritt

Meghan Markle aber, die sich nun «Ihre Königliche Hoheit» nennen darf, spielte an diesem Tag die Rolle ihres Lebens. Sie zögerte in nichts, machte keinen unbedachten Schritt, strahlte ebenso selbstgewiss wie gewinnend ins Rund.

Sie half dem kurz ratlosen Harry mit grösster Selbstverständlichkeit, ihr den Ring über den Finger zu stülpen. Als der Erzbischof von Canterbury davon sprach, dass «Gott alle Geheimnisse unserer Herzen kennt», zog ein schelmisches Lächeln über ihr Gesicht.

Dass der Bräutigam erstmals in der Geschichte der Windsors das Tragen eines Eherings akzeptierte, gehörte zu den Neuerungen, mit denen diese Hochzeit aufwartete. Auch wurde der Braut kein «Gehorsam» (gegenüber der Familie des Bräutigams) abverlangt.

Die Rede des afroamerikanischen Pastors Michael Bruce Curry aus Chicago hat in Grossbritannien Eindruck hinterlassen. (Video: AP)

Andere Neuerungen, die Traditionalisten bei der Trauung zu verwirren schienen, waren die Beteiligung einer Gospel-Gruppe, des Kingdom Choir, am Gottesdienst und die Übertragung der Predigt an das – schwarze – Oberhaupt der Episkopalischen Kirche der USA, Michael Curry.

Tatsächlich gelang es Bischof Curry aus Chicago, Themen wie Sklaverei, Massenmigration, Armut und Bürgerrechte und sogar Martin Luther King in seine 14-minütige Ansprache zur «Macht der Liebe» einzuarbeiten. Nicht gerade Inhalte, denen man sonst bei königlichen Hochzeiten viel Beachtung schenkt. Stoff und Stil seiner Predigt lösten spürbare Betroffenheit und teils gereiztes Gekicher aus bei einigen der 600 Gäste. Erst beim «Ave Maria» fing sich Englands High Society wieder. Kritisches und allzu Emotionales ist man bei Hofe nicht gewohnt.

Doria Ragland, die afroamerikanische Mutter Meghans, sass unterdessen etwas verloren vis-à-vis der Queen und deren halbem Hofstaat im Kapellengestühl. Die frühere Sozialarbeiterin war am Ende die einzige Familienangehörige der Braut im Schloss.

Mit 97 Jahren und frischer Hüftoperation an der Trauuung

Vater Thomas Markle, der eigentlich die Tochter zum Altar hatte führen sollen, hatte ja in letzter Minute abgesagt beziehungsweise absagen müssen. Sein Rückzug kam allerdings so spät, dass sich sein Name nicht mehr aus dem offiziellen Programm löschen liess.

Die Königin selbst fand es während der Trauungsfeierlichkeiten schwer, sich überhaupt ein Lächeln abzuringen. Möglicherweise sorgte sie sich ja auch nur um den Gesundheitszustand ihres fast 97-jährigen Gatten Philip, der immerhin, sechs Wochen nach einer Hüftoperation, an der Trauung teilnahm.

Das Brautkleid sorgte für wochenlange Diskussionen

Als spezielle Gäste der Braut waren Serena Williams, Oprah Winfrey und Schauspielkollegen aus der Soap-Serie «Suits» erschienen. David und Victoria Beckham und Sir Elton John, ohne die nichts läuft bei Hofe, hatten sich wohl wieder selbst auf die Gästeliste gesetzt.

Nach gegebenem Jawort und zweimal gespielter Nationalhymne durften tausend zum Jubeln in den Schlosshof geladene Fans der Monarchie das verheiratete Paar endlich näher in Augenschein nehmen. Viel Entzücken löste das Brautkleid aus, um das es in den Modezeitschriften und bei nahezu hysterischen TV-Moderatorinnen in den letzten Wochen schon hektisches Rätselraten gab.

Wie sich herausstellte, hatte eine britische Givenchy-Designerin – Clare Waight Keller – das Kleid entworfen. In die Schleppe waren individuelle Blumenmotive sämtlicher Commonwealth-Staaten eingearbeitet. Die diamantene Tiara, die die Braut trug, hatte Königin Elizabeth aus einer alten Schatztruhe herausgekramt, um sie Meghan auszuleihen. Sie stammte noch von Queen Mary. Und passte perfekt.

Anschliessend an die Trauung liessen sich Harry und Meghan, nunmehr Herzog und Herzogin von Sussex, im offenen Landauer durch Windsor und über den «Long Walk» des Windsor-Parks wieder zurück zum Schloss kutschieren.

Auch hier erwies sich Meghan als schnell lernende und brillante Akteurin: Ihrem königlichen Winken, aus dem Handgelenk heraus, fehlt es schon jetzt an nichts. Prinz Harry, nach Absolvierung des formellen Teils, begann sich sichtlich zu entspannen. Aus Zehntausenden von Kehlen wurde dem Paar «das Allerbeste» gewünscht.

Ein Wunder war es nicht, dass die Stimmung so gut war in Windsor. Mit Sekt, Sonne und Selfies wurde der Samstag zum Fest. Tausende von Union-Jack-Fähnchen wurden geschwenkt. Die Feier­lustigen kamen in bunten Kostümen, mit beblümten Strohhüten, in ­Tiaras und Turnschuhen. Alle Welt schleppte schwere Picknickkörbe herbei.

Fans reisten von überall an – nur Corbyn stänkerte

Viele der Neugierigen waren bereits im Morgengrauen angereist, und die ganz Fanatischen hatten sich im Laufe der Woche in Schlafsäcken an die Absperrungsgeländer gelegt, um zur rechten Zeit «alles bestens sehen zu können». In den frühen Stunden des Samstags bibberten eine Menge Leute im feuchten Gras des Windsor Great Park vor sich hin.

Erst als es wärmer wurde, wurden mitgebrachte Klappstühle aufgeschlagen. Dann begannen die ersten Korken zu knallen und kleine Partygruppen sich zu bilden. Kinder rannten wild herum und hatten sich Harry- und Meghan-Masken aufgesetzt.

Einige junge Frauen trugen Brautkleider, die nicht unbedingt von Givenchy stammten. Amerikanische, kanadische und australische Touristen hatten ihre eigenen Flaggen mitgebracht und erklärten auf Befragen, sie hätten sich seit Jahren auf diesen «Trip ihres Lebens» gefreut und seit langem für den Flug gespart.

Nicht alle stimmten ein

«Ich hab Harry immer gemocht», war eine typische Auskunft. «Aber für Meghan kann ich mich echt begeistern.» Deutlich mehr dunkelhäutige Gesichter als zum Beispiel bei der Hochzeit Williams und Catherines vor sieben Jahren waren im Pulk der Feierlustigen zu sehen. Noch bis zum Mittag ergossen sich aus den zwei kleinen Bahnhöfen der Stadt Feierlustige in die Strassen Windsors. Den alten königlichen Bahnhof hatte man zur Feier des Tages in «Harry and Meghan Central» umbenannt.

Nicht alle Landsleute Harrys mochten allerdings in die frohen Gesänge einstimmen, die bis in den Abend hinein in Windsor zu hören waren. Während Premierministerin Theresa May ihre «herzlichsten Glückwünsche» schickte und die gesamte Feier daheim am Bildschirm verfolgte, erklärte Oppositionsführer Jeremy Corbyn, er sei «zu beschäftigt», um sich «so etwas» anzusehen.

Linkssozialist Corbyn, der zeitlebens für die Abschaffung der Monarchie war, hat zwar versichert, er würde bei Übernahme der Regierung die Royals tolerieren. Er ist aber nicht der Einzige, den die Windsor-Aufregung kaltlässt.

Das Meinungsinstitut YouGov will ermittelt haben, dass zwei Drittel der Briten für die Harry-und-Meghan-Hochzeit «kein ­Interesse» aufgebracht haben. ­Andererseits plädieren offenbar noch immer 80 Prozent der Bevölkerung im Lande für den Erhalt der Monarchie.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 20.05.2018, 07:30 Uhr

Artikel zum Thema

Erstaunliche Zeremonie mit Youtube-Potenzial

Die royale Hochzeit produzierte emotionale Momente. Mit Erinnerungen an Diana – und einer Braut, die ihrem Prinzen vor Begeisterung auf die Brust haut. Mehr...

Feurige Predigt irritiert die Royals

US-Pastor Michael Curry stahl dem Brautpaar mit einer lebhaften Rede beinahe die Schau – und sorgte für unterschiedliche Reaktionen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

SonntagsZeit. Im Digital-Abo.

Die SonntagsZeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 10.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Nur die Wendeltreppe ist übrig geblieben: Die anhaltenden Flächenbrände in Kalifornien haben auch zahlreiche Häuser in der Villen-Ortschaft Malibu zerstört. (10. November 2018)
(Bild: Ringo H.W. Chiu/AP) Mehr...