Ex-Postauto-Chef drohen 5 Jahre Gefängnis

Die Bundespolizei eröffnet ein Strafverfahren gegen Daniel Landolf und den früheren Finanzchef. Sie sollen Leistungen erschlichen haben.

Es läuft nicht immer wie geschmiert: Unterhaltsarbeiten im Depot in Aeugstertal. Foto: Reto Oeschger

Es läuft nicht immer wie geschmiert: Unterhaltsarbeiten im Depot in Aeugstertal. Foto: Reto Oeschger

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Daniel Landolf wollte sich vor dem Auffliegen der Postauto-Affäre in den vorzeitigen Ruhestand retten. Vor gut einem Jahr hat sich der damalige Postauto-Chef entschieden, in Pension zu gehen, und glaubte wohl, so ungeschoren davonzukommen. In Münsingen bei Bern hat er das Restaurant Traube gekauft. Es hiess im Dorf, der Landolf wolle in den Räumlichkeiten der Beiz vor allem seinem Hobby frönen, der Musik. Landolf spielt in einer Rock- und Blues-Coverband.

Doch es kommt alles anders. Statt Rock ’n’ Roll in einer Altherrenband drohen ihm nun fünf Jahre Haft. Denn die Ermittler der Bundespolizei Fedpol beschuldigen ihn inzwischen persönlich und werfen ihm und seinem damaligen Finanzchef im Zusammenhang mit dem Postauto-Skandal Leistungsbetrug vor, wie Fedpol-Sprecherin Catherine Maret bestätigt. Die Ermittler haben laut Maret deshalb gegen die beiden jetzt ein Verwaltungsstrafverfahren eröffnet. Bislang haben die Strafbehörden in der Postauto-Affäre gegen unbekannt ermittelt, weil unklar war, wer verantwortlich war.

Die Bundes-Strafermittler werfen den beiden gemäss Wortlaut des Gesetzes vor, in ihrer Funktion als Postauto-Verantwortliche «arglistig Leistungen des Gemeindewesens erschlichen» zu haben. Bei gewerbemässigem Leistungsbetrug drohen Bussen bis 30 000 Franken und Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren.

Im Fokus der Ermittler: Daniel Landolf, Ex-Postauto-Chef.

Offen ist, ob die Behörde davon ausgeht, dass sich Landolf und sein Finanzchef durch die illegalen Umbuchungen bei Postauto auch direkt persönlich bereichert haben. Fedpol-Sprecherin Maret will oder kann die Frage nicht beantworten, weil es sich um ein laufendes Verfahren handle. Fest steht indessen, dass die Postauto-Kader gemäss Reglement einen Bonus von 5,25 Prozent ihres Grundlohnes erhielten, wenn sie die vom Postkonzern vorgegebenen Gewinnziele erreichten. Und fest steht auch, dass Postauto dank unrechtmässigen Buchungen viel höhere Gewinne erwirtschaftet hat, als erlaubt gewesen wären. Für Landolf und dessen Finanzchef gilt von Gesetzes wegen bis zu einer Verurteilung die Unschuldsvermutung.

Der Postauto-Skandal ist vor einem Jahr aufgeflogen. Das Bundesamt für Verkehr hatte im Februar 2018 festgestellt, dass die Postauto AG mit buchhalterischen Tricks vom Bund und von den Kantonen während mehr als zehn Jahren Subventionen von mindestens 78 Millionen Franken erschwindelt hatte. Später wurde klar, dass Postauto in dieser Zeit von der öffentlichen Hand insgesamt sogar 205 Millionen Franken unrechtmässig eingesackt hatte. Nach Auffliegen des Skandals mussten alle Geschäftsleitungsmitglieder der Postauto AG abtreten. Die neue Geschäftsführung von Postauto muss nun den gesamten unrechtmässig eingenommenen Betrag an die geprellten Gemeinden, die Kantone und den Bund zurückzahlen.

Ex-Postchefin Ruoff ist auch nicht aus dem Schneider

In den Tagen nach dem Auffliegen des Skandals sind auch die Geschäftsleitungsmitglieder des Postkonzerns wegen der Postauto-Affäre unter Druck geraten. Denn die Postauto AG ist eine Tochtergesellschaft der Post. Es gab Hinweise darauf, dass die damalige Post-CEO Susanne Ruoff und andere Geschäftsleitungsmitglieder des Postkonzerns von den Machenschaften bei der Postauto AG gewusst haben – oder zumindest hätten wissen müssen. Schliesslich musste auch Ruoff unter Druck zurücktreten.

Gut möglich, dass auch für Ruoff und weitere Postkader die Affäre mit dem Rücktritt nicht abgeschlossen ist. In Postkreisen rechnet man damit, dass das Fedpol auch gegen Ruoff und den ehemaligen Postfinanzchef Pascal Koradi noch ein Verfahren eröffnen wird. Fedpol-Sprecherin Maret bestätigt: Es sei nicht ausgeschlossen, dass sich das Verfahren künftig gegen weitere Personen richten könne. Wer dabei noch auf der Liste der Ermittler steht, lässt die Sprecherin indessen offen.

Erstellt: 17.02.2019, 07:47 Uhr

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