Fünf Lektionen zum erfolgreichen Netzwerken

Männer zeigen, wie sich das hemmungslose Ausnutzen von Beziehungen auszahlen kann. Frauen können davon lernen.

Hilft bei der Beförderung genauso wie bei der Stellensuche: Zusammenstehen bei Cüpli und Häppchen oder auch einfach in einer Arbeitspause. Foto: Getty Images/iStockphoto

Hilft bei der Beförderung genauso wie bei der Stellensuche: Zusammenstehen bei Cüpli und Häppchen oder auch einfach in einer Arbeitspause. Foto: Getty Images/iStockphoto

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Am 14. Juni ist Protest angesagt: Am Nationalen Frauenstreiktag werden die Frauen für Ziele wie Lohn­gleichheit und bessere Arbeitsbedingungen auf die Strasse gehen. Der Unmut über die nach wie vor nicht konsequent ­gelebte Gleichstellung ist gross. Nur gerade 9 Prozent der Geschäftsleitungsmitglieder in Schweizer Firmen sind ­gemäss jüngstem Schillingreport ­weiblich.

International fällt die Schweiz in der Gender-Frage ab. Warum schaffen es Frauen trotz an sich klarer Gesetzesgrundlage und Dutzenden von Frauenförderungsprogrammen in den Konzernen einfach nicht häufiger nach oben?

Die Gründe sind vielschichtig. Über einen wird indes selten gesprochen: das gut geölte Beziehungsnetz der Männer. Ihre Netzwerke funktionieren äusserst effizient und natürlich – und sind ein entscheidender Karrieredünger. Was zeichnet sie aus?

Unverkrampfter Zugang: Für Männer sind Kontakte wie Wasserspender: Wo sie schon mal da sind, soll man sie auch nutzen. Im Unterschied zu den Frauen ist bei ihnen das berufliche und private Netzwerk oft deckungsgleich. Das macht die Sache einfacher. Geschäftspartner sind somit häufig auch Kumpels, mit denen man Squash spielt oder ein Bier trinken geht. «Die Netzwerke der Männer leisten mehr informelle Hilfe als die der Frauen. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit grösser, dass ihnen Mentoren bei der Beförderung helfen», schreibt der «Harvard Business Manager».

Exzessives Empfehlungsmarketing: Personen aus dem eigenen Bekanntenkreis für Stellen oder Projekte ins Spiel bringen? Nichts, das Männern allzu grosse Bauchschmerzen bereitet. «Sie machen sich nicht immer so viele Gedanken darüber, ob sie politisch korrekt handeln, und empfehlen darum auch, ohne zu zögern, Leute aus dem eigenen Umfeld für bestimmte Aufgaben», beobachtet eine Multi-Verwaltungsrätin. Frauen hingegen seien deutlich risikoscheuer und fürchteten eher, sich mit der Einbringung persönlicher Interessen Probleme einzuhandeln. Also lassen sie es im Zweifelsfall bleiben – und verwehren damit unter Umständen anderen Frauen Chancen.

Freunde fürs Leben: Männer versuchen, ihre Kumpels in erster Linie zu schützen, wenn sie sich gut mit ihnen verstehen. Gibt es im Geschäft Probleme, versuchen sie sie, wenn möglich, so zu lösen, dass keiner der Beteiligten das Gesicht verliert. Es gibt eine Art unausgesprochene Geschlechtersolidarität. «Frauen sind deutlich kritischer miteinander. Das hat mit ihrer Minderheitenposition zu tun. Weil sie so exponiert sind, sind sie auch strenger gegenüber ihrem Umfeld und adressieren Probleme eher direkt», sagt Gudrun Sander, Professorin mit Spezialgebiet Diversity an der Universität St. Gallen (HSG).

Netzwerken ist mehr als Zeitvertreib: Im «Women back to Business»-Programm, einem Kurs für Wieder­einsteigerinnen der HSG, ist Netzwerken ein fester Bestandteil der Agenda. Doch das Thema stösst bei den Teilnehmerinnen immer wieder auf Skepsis. «Frauen haben leider noch immer die Illusion, dass sie nur an ihrer Leistung gemessen werden. Darum räumen sie dem Netzwerken oft nicht dieselbe Priorität ein, wie Männer das tun», erklärt Gudrun Sander.

Dabei ist das Beziehungsnetz gerade für Wiedereinsteigerinnen unabdingbar: 70 bis 80 Prozent der Jobs werden über den sogenannt verdeckten Stellenmarkt vergeben, also gar nie ausgeschrieben. Männer wissen das – und lassen sich deshalb häufiger bei Cüpli und Häppchen blicken. Frauen kommt auch noch die Doppelbelastung mit der Familie in die Quere.

Kontakte anzapfen bis zur Anbiederung: Headhunter können ein Lied davon singen, aber auch Wirtschaftsleute mit einem hochkarätigen Bekanntenkreis: Männer sind sich nicht zu schade, sich anderen anzudienen. Getreu dem Motto: Im schlimmsten Fall gibts halt ne Absage, aber probieren kann man es ja.

«Männer biedern sich zuweilen regelrecht an, fragen mich direkt, ob ich ihnen einen Kaffee mit einer prominenten Person oder eine bestimmte Handynummer vermitteln kann», sagt der Chef eines mittelständigen Unternehmens, selbst ein intensiver Netzwerker. So etwas erlebe er bei Frauen kaum. Im Gegenteil: «Wenn ich ihnen jemanden vorstellen will, zögern sie sogar teilweise. Das ist schade.»



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Erstellt: 01.06.2019, 19:17 Uhr

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