Fünf mögliche Nachfolger für Urs Rohner

Der Credit-Suisse-Präsident muss spätestens in einem Jahr abtreten. Ein Aussenstehender soll den Job übernehmen.

Mario Greco ist im Moment der Chef der Zurich-Versicherung. Er könnte Urs Rohner im Verwaltungsrat der Credit Suisse ablösen. Foto: Walter Bieri (Keystone)

Mario Greco ist im Moment der Chef der Zurich-Versicherung. Er könnte Urs Rohner im Verwaltungsrat der Credit Suisse ablösen. Foto: Walter Bieri (Keystone)

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Mit dem Rauswurf von Tidjane Thiam nimmt der Druck auf Urs Rohner zu, ebenfalls so schnell wie möglich von der Bühne abzutreten. Wie er diese Woche in Interviews verlauten liess, will er sich an der kommenden Generalversammlung für ein letztes Jahr wählen lassen, um dann 2021 nach zwölf Jahren an der Spitze der ­Credit Suisse abzutreten.

Das Rennen um die Nachfolge des glücklosen Rohner ist bereits am Laufen. Klar ist, dass ein Aussenstehender zum Zug kommen soll. Idealerweise würde der oder die Neue schon in diesem Jahr ins Spitzengremium einziehen, um die Bank bereits kennen zu lernen. Gute Kenner der Bankenszene nennen fünf Kandidaten, die das Zeug mitbringen würden, die Credit Suisse nach zwölf sehr schwierigen Jahren in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.

1. Mario Greco, 60

Der Italiener ist seit 2016 Chef der Zurich-Versicherung. Er brachte in aufgewühlten Zeiten wieder Ruhe in das Unternehmen. An der Börse legte die Versicherung unter seiner Führung um über 50 Prozent zu. Die Zurich ist inzwischen doppelt so viel Wert wie die Credit Suisse. Greco ist brillant, skandalfrei und hat international einen exzellenten Ruf. Er ist einer der ganz wenigen Chefs eines Schweizer Grosskonzerns, die jederzeit den Chefposten eines weltweiten Konzerns übernehmen könnten.


2. Thomas Jordan, 57

Der aktuelle Präsident der Schweizerischen Nationalbank. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Der Präsident der Nationalbank würde das nötige Rüstzeug auf fachlicher und menschlicher Ebene mitbringen, die zweitgrösste Bank der Schweiz in die Zukunft zu führen. Seit acht Jahren steht Jordan nun schon an der Spitze der Notenbank und wäre mit 57 Jahren nicht zu alt, nochmals eine neue grosse Herausforderung anzunehmen. Als Intellektueller – er verfasste seine Habilitationsschrift an der Harvard-Universität – wirkt der Bieler nahbar und bodenständig, selten professoral-trocken. Trotz heftiger Gegenwehr nach Aufhebung des Euro-Mindestkurses hat Jordan seine eigene Geldpolitik stets eisern verteidigt. Dass der Schritt von Notenbanker zum Grossbank-Präsidenten möglich ist, hat Axel Weber bei der UBS bewiesen.


3. Axel Lehmann, 60

Axel Lehmann hat bereits viel Verwaltungsratserfahrung. Foto: Urs Jaudas

Der heutige Chef des Schweiz-Geschäfts der UBS kann auf eine kurvenreiche Karriere in der Schweizer Finanzbranche zurückblicken. Ursprünglich ist er ein Versicherungsmann, der bei Swiss Life und dann vor allem bei der Zurich Karriere machte. Als oberster Risikochef der Zurich sass Lehmann zwischen 2009 und 2015 im Verwaltungsrat der UBS. Er kennt also das Innenleben eines Verwaltungsrats einer Grossbank bereits bestens. Manche Beobachter sehen seine Stärken eher in der strategischen Führung und weniger im operationellen Klein-Klein.


4. Ulrich Körner, 57

Ulrich Koerner bei einer Pressekonferenz. Foto: Salvatore di Nolfi (Keystone)

Ebenfalls in den Diensten der UBS ist Ulrich Körner, wo er das Asset Management leitet. Doch die meiste Zeit verbrachte er bei der Credit Suisse, wo er 1998 anheuerte und unter Oswald Grübel die bisher letzte Blütezeit des Schweizer Bankings erlebte. Als Grübel 2009 zur UBS wechselte, folgte ihm Körner nach. Obwohl er immer wieder als Kandidat gehandelt wurde, hat er es nie ganz nach oben geschafft. Einmal unterlag er Brady Dougan bei der Credit Suisse, dann schnappte ihm Sergio Ermotti den Chefposten bei der UBS vor der Nase weg. Körner, der Vollblutbanker, der Ende März die UBS verlassen wird, wäre zudem verfügbar.


Philipp Hildebrand, 56

Der ehemalige Präsident der Schweizerischen Nationalbank, Philipp Hildebrand. Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Der ehemalige Nationalbank-Chef hat nach seinem unrühmlichen Abgang Unterschlupf bei Blackrock gefunden, dem grössten Vermögensverwalter der Welt. Als sogenannter Vice Chairman ist er Mitglied des weltweiten ­Führungsgremiums. Hildebrand ist ein begnadeter Netzwerker und polyglotter Smalltalker. Es ist diese Eigenschaft, die ihm massgeblich dabei geholfen hat, seinen Weg vom Assistenten des Weltwirtschaftsforums über kleinere Privatbanken bis in die Chefetage der Nationalbank zu gehen. Um Präsident der Credit Suisse zu werden, müsste er ein kleineres Problem aus dem Weg räumen. Seine Frau, die Rohstoffunternehmerin Margarita Louis-Dreyfus, hat einen Milliardenkredit bei der Grossbank ausstehend. Solange das so ist, dürfte Hildebrand der Eintritt ins Spitzengremium verschlossen bleiben.



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Erstellt: 08.02.2020, 20:13 Uhr

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