Für 23 Franken von Zürich nach Bern

Nach dem Scheitern von Eurobus will das österreichische Busunternehmen Dr. Richard rasch vier Schweizer Fernbuslinien betreiben.

Start im Frühling realistisch: Dr. Richard möchte auch auf Schweizer Strassen doppelstöckige Busse (hier ein Hochdecker) einsetzen. Foto: PD

Start im Frühling realistisch: Dr. Richard möchte auch auf Schweizer Strassen doppelstöckige Busse (hier ein Hochdecker) einsetzen. Foto: PD

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Am 15. November stellt Eurobus den Betrieb seiner drei Fernbuslinien innerhalb der Schweiz ein. Das gab das grösste private Busunternehmen der Schweiz am Mittwoch bekannt. Das Aus kommt nicht sonderlich überraschend. Die Busse fuhren praktisch leer durchs Land. Da konnten auch Tiefstpreise von zuletzt 5 Franken pro Fahrt nicht mehr helfen.

Nun will der österreichische Konkurrent Dr. Richard in die Bresche springen. Der SonntagsZeitung liegen die detaillierten Pläne vor. Das grösste private Busunternehmen Österreichs beschränkt sich auf vier Linien, die es für lukrativ erachtet: Siebenmal täglich pro Richtung will es die Strecke Zürich Flughafen–Zürich–Bern im Taktfahrplan befahren, je viermal täglich pro Richtung im Taktfahrplan die Strecken Bern–Basel–Zürich und Bern–Luzern–Zürich, zweimal täglich pro Richtung die Strecke Zürich–Sargans–Landquart–Chur–Domat-Ems.

Weitere Strecken oder Haltepunkte seien zurzeit «kein Thema», sagt Patrick Angehrn, Leiter Linienbusverkehr bei Dr. Richard. Selbst auf die viel befahrene Strecke Genf–Lausanne wagt er sich nicht. «Wir haben im Moment nicht den Mut, in die Westschweiz zu gehen. Wir sind ein deutschsprachiges Unternehmen.»

Das Halbtax-Abonnement gilt auch im Fernbus

Für die Fahrt von Zürich nach Bern will Angehrn 22.80 Franken verlangen, für jene von Zürich nach Basel 12 Franken. Basel–Bern kostet 18.60 Franken, Zürich–Luzern 11.20 Franken und Luzern–Bern 21 Franken. Besitzer von Halbtax-Abos fahren wie schon bei Eurobus zum halben Preis. Das ist eine Vorgabe des Bundesamts für Verkehr. Angehrn akzeptiert diese, denn Dr. Richard verstehe sich als Teil des öffentlichen Verkehrs der Schweiz.

Eurobus, die über kein eigenes Buchungssystem verfügt, nutzte die Plattform des deutschen Marktführers Flixbus. Wer zum Beispiel von München via Zürich nach Genf reiste, konnte alle Tickets über die Smartphone-App von Flixbus buchen. Eine solche Zusammenarbeit hält Angehrn ebenfalls für denkbar. Dr. Richard arbeitet bereits jetzt mit Flixbus zusammen. In Österreich sind alle nationalen Fernbuslinien ins Flixbus-Buchungssystem eingebunden. Zudem fährt Dr. Richard im Auftrag von Flixbus etliche Strecken, darunter Zürich–München.

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Was Dr. Richard zum Start in der Schweiz noch fehlt, ist eine Konzession. Das Gesuch dafür hatten die Österreicher bereits vor einem Jahr eingereicht. Doch das Bundesamt für Verkehr zögerte, es zu bewilligen. Denn in seinen Augen hätte Dr. Richard den Betrieb von Eurobus als Erstkonzessionär gefährdet, und das ist gemäss Gesetz nicht erlaubt. Im August verlangte das Amt darum von Dr. Richard, den Fahrplan so anzupassen, dass bei den Abfahrtszeiten ein zeitlicher Abstand von mindestens einer Stunde zu jenen von Eurobus entstehe. Dieser Forderung kam Dr. Richard Ende September nach.

Doch mit dem Aus von Eurobus ist die Stundenregel hinfällig. Angehrn will «in den nächsten Tagen mit dem Bundesamt für Verkehr zusammensitzen, um den optimalen Fahrplan auszuarbeiten». Sein Ziel ist es, auf den Fahrplanwechsel im Dezember starten zu können. Womöglich brauche das Amt jedoch mehr Zeit. Realistisch sei darum eher ein Start im Frühling.

Damit Leute umsteigen, braucht es einen «Zusatznutzen»

Beim Gespräch mit dem Bundesamt wird Angehrn eine neue Studie des Kompetenzzentrums Mobilität der Hochschule Luzern zücken. Sie kommt zum Schluss, es bestehe in der Schweiz eine Nachfrage nach Fernbussen, und sie könnten erfolgreich betrieben werden, wenn ein gutes Angebot bestehe. Jenes von Eurobus sei jedoch bezüglich Netz, Takt und Betriebszeiten «nicht bedürfnisgerecht» gewesen. Wichtigen Zielgruppen wie Studenten oder Ausflüglern sei darum gar nicht in den Sinn gekommen, den Bus statt den Zug zu nehmen. Da Dr. Richard im Vergleich zu Eurobus das Netz erweitere und Lücken im Fahrplan fülle, würden die Österreicher «für Passagiere einen Zusatznutzen schaffen», heisst es in der Studie.



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Erstellt: 02.11.2019, 19:34 Uhr

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