Generationenwechsel an der SVP-Spitze

Christoph Blocher erwägt, sein Amt in der Partei abzugeben – am liebsten wohl an seine Tochter.

Christoph Blocher, Magdalena Martullo-Blocher: SVP-Parlamentarier sind überzeugt, dass die Tochter in den innersten Machtzirkel drängt

Christoph Blocher, Magdalena Martullo-Blocher: SVP-Parlamentarier sind überzeugt, dass die Tochter in den innersten Machtzirkel drängt

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Bern Vieles weist darauf hin, dass Christoph Blocher seiner Tochter Magdalena Martullo-Blocher im März im innersten Führungszirkel der SVP Platz macht. Derzeit sitzt der 77-jährige SVP-Über­vater noch im achtköpfigen Parteileitungsausschuss. Doch im März stehen in der SVP Neuwahlen an. Blocher liess auf Anfrage offen, ob er sich nochmals in den Parteileitungsausschuss wählen lässt. Es komme darauf an, wer sich neu zur Verfügung stelle.

Damit dürfte Blocher auf seine Tochter angespielt haben. Zwei Mitglieder einer Familie im obersten Führungsgremium würde in der Partei nicht goutiert, auch wenn es sich um Blochers handelt. Deshalb wird sich der langjährige Patron wohl zurückziehen, wenn seine Tochter sich für einen der acht ­Sitze im Parteileitungsausschuss ­bewirbt.

Bilder: Magdalena Martullo-Blocher erwägt Bundesratskandidatur

Blochers Tochter hat zwar gestern eine entsprechende Frage nicht beantwortet. Doch SVP-Parlamentarier sind überzeugt, dass sie, die auch schon als künftige Bundesrätin gehandelt wurde, die Nachfolge ihres Vaters im in­nersten Machtzirkel der SVP übernehmen wird – früher oder später. Bis jetzt ist Martullo-Blocher in der Parteihierarchie nur auf der zweithöchsten Stufe. Sie sitzt als Fachverantwortliche für den Bereich Wirtschaft in der aus 27 Mitgliedern bestehenden Parteileitung.

Es gibt einen zweiten Grund, warum man in der SVP davon ausgeht, dass Blocher sich aus der obersten Führungsriege zurückzieht. Er möchte seine Kräfte künftig ganz auf die anstehende grosse Europadebatte konzentrieren, sagen Politiker aus seinem Umfeld. Die Schweiz wird in den nächsten zwei Jahren in mehreren wichtigen Punkten ihr Verhältnis zur EU klären müssen. Blocher wolle nach der EWR-Abstimmung von 1992 das Land noch ein zweites Mal «retten», heisst es. Damit wolle Blocher seinen letzten grossen Coup landen.

Freysinger gibt nicht auf, Köppel zögert noch

Vieles spricht dafür, dass es im März an der Parteispitze zu einem Generationenwechsel kommt. Weitere Abgänge sind wahrscheinlich: Derzeit sitzt im Parteileitungsausschuss neben Präsident Albert Rösti auch Oskar Freysinger als einer von drei Vizepräsidenten. Freysinger besetzt seit seiner Abwahl als Walliser Regierungsrat im letzten Jahr kein politisches Amt mehr. Deshalb ist seine Rolle als Parteivize umstritten. Freysinger sagte gestern auf Anfrage, es sei nicht sicher, dass er zurücktrete.

Naheliegender Nachfolger für Freysinger ist «Weltwoche»-Chefredaktor Roger Köppel. Der Journalist ist heute als Verantwort­licher für Europapolitik im äusseren Kreis des SVP-Kaders auf gleicher Stufe wie Martullo-Blocher. Wird er Vizepräsident, kann Blocher von Köppel wie gewünscht das Europadossier übernehmen. Köppel sagt auf Anfrage, für ihn stehe die «Weltwoche» im Vordergrund. Zeitlich liege ein Amt als SVP-Vizepräsident eigentlich nicht drin. Im Notfall, wenn man ihn unbedingt dort brauche, überlege er es sich aber. Mischa Aebi

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 17.02.2018, 23:26 Uhr

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