Hausfrauen und Studenten bringen kofferweise Zigaretten

Organisierte Banden schmuggeln Tausende Stangen Zigaretten in die Schweiz. Jetzt schlägt der Zoll zurück.

Gewaltige Preis-unterschiede innerhalb Europas befeuern den Schmuggel: Koffer mit Zigaretten, der am Schweizer Zoll hängen geblieben ist. Foto: Eidgenössische Zollverwaltung

Gewaltige Preis-unterschiede innerhalb Europas befeuern den Schmuggel: Koffer mit Zigaretten, der am Schweizer Zoll hängen geblieben ist. Foto: Eidgenössische Zollverwaltung

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Sie heissen Elena, Boris oder Pavlo und kommen aus Weissrussland, der Ukraine oder Litauen. Bei der Eidgenössischen Zollverwaltung in Bern stapeln sich die Strafbescheide gegen Schmuggler wie sie, die an den Flughäfen Zürich, Genf oder Basel-Mulhouse mit Zigaretten erwischt werden.

Bis zu 250 Stangen packen die Schwarzhändler in ihre Koffer, und manchmal sitzen mehrere von ihnen in einem ankommenden Flugzeug. Laut Schweizer Zollfahndern sind organisierte Banden am Werk. Für ein Entgelt von 200 bis 300 Euro machen sich alleinerziehende Mütter, Bauern, Arbeitslose oder Studenten mit der Schmuggelware auf die Reise in die Schweiz. Für den Job angeworben wurden sie über Inserate.

6500 Franken bringt eine einzelne Fuhre der kriminellen Organisation ein. In den letzten Monaten haben die Tabakschmuggler allerdings zunehmend Mühe, ihren Gewinn ins Trockene zu bringen, denn der Zoll hat eine Offensive gegen die Schmuggler gestartet. Im letzten Jahr beschlagnahmte er 4852 Stangen Zigaretten, allein bis August dieses Jahres waren es schon 9633 Stangen.

Stoppen lässt sich dieser Ameisenschmuggel allerdings nicht. «Die Hinterleute ändern den Modus operandi und die Routen ständig, schicken mal gut gekleidete Geschäftsleute und dann wieder Touristen», sagt ein Zollfahnder.

Erwischte Kuriere bezahlen die hohen Bussen nicht

Um an die Drahtzieher des Schmuggels zu kommen, tauschen sich die Zollfahnder auch mit Europol aus, der Polizeibehörde der Europäischen Union in Den Haag. Denn auch andere Länder Europas sind vom Schwarzhandel betroffen. Auslöser dafür sind die teilweise riesigen Preisunterschiede für Zigaretten in Europa: Kostet in der Schweiz ein Zigarettenpäckchen 8.50 Franken und in Grossbritannien sogar 12 Franken, ist es in der Ukraine für 1 Franken zu kaufen.

Deshalb kommt die billige Raucherware in rauen Mengen nach Zentraleuropa, auch über die Strasse und per Bahn. Geschmuggelt werden auch lokale Marken, die hierzulande nicht bekannt sind, «Garni Blue» aus Armenien, «Prestige» aus Bulgarien oder die Marke «Kiss» aus Russland.

Dabei wird nur ein kleiner Teil der Schmuggelware in der Schweiz verkauft. Manchmal geht sie vom Flughafen mit Taxis direkt weiter nach Frankreich oder Spanien. Hier unterhalten die Banden eine Vetriebslogistik. In der Schweiz landen die Schmuggelzigaretten im Rotlichtmilieu, bei Privatkiosken und bei Wirten.

Für die Zollfahnder ist der Kampf gegen die Ameisenschmuggler eine Sisyphusarbeit. Zwar wird ein ertappter Schmuggler direkt am Flughafen mit einer hohen Bussen belegt; bei grösseren Fällen kommen die Kuriere auch in Untersuchungshaft. Bezahlt werden die Geldstrafen in der Höhe von mehreren Tausend Franken aber praktisch nie, und die darauf verhängte Ersatzfreiheitsstrafe wird kaum je vollzogen: Einmal erwischt, machen die Zigarettenkuriere einen Bogen um die Schweiz – doch in Warschau, Kiew oder St. Petersburg warten schon die nächsten auf den Abflug.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 27.10.2018, 23:32 Uhr

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