Hoher Gewinn für Nationalbank in Sicht

Starke Kursgewinne und ein relativ stabiler Franken lassen einen Geldsegen für Bund und Kantone erwarten.

Hier dürften bald hohe Beträge für die Kantone und den Bund gesprochen werden. Sitz der Nationalbank in Zürich. Foto: Archiv

Hier dürften bald hohe Beträge für die Kantone und den Bund gesprochen werden. Sitz der Nationalbank in Zürich. Foto: Archiv

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2018 musste die Schweizerische Nationalbank einen Verlust von fast 15 Milliarden Franken ausweisen. Dieses Jahr sieht es sehr viel besser aus. Der Gewinn dürfte gegen 50 Milliarden betragen und damit in die Nähe des Rekordjahrs 2017 kommen, als über 54 Milliarden resultierten. Bund und Kantone können erneut mit einer Gewinnausschüttung von 2 Milliarden rechnen.

Das Jahresergebnis der Nationalbank reagiert stark auf kleinste Veränderungen der Wechselkurse. Und es hängt ab vom Goldpreis, von Aktienkursen und den Zinsen. Für die ersten drei Quartale wies die Nationalbank einen Gewinn von 51,5 Milliarden Franken aus. Dazu trugen vor allem Wertsteigerungen auf den Anlagen als Folge sinkender Zinsen und steigender Aktienkurse bei, welche die Währungsverluste deutlich überkompensierten.

Im vierten Quartal dürften die Anleihenkurse nachgegeben haben, weil die Zinsen wieder leicht anzogen. Anleihen machen rund drei Viertel der Aktiven in der Bilanz aus. Es sind noch immer zum grössten Teil Staatsanleihen, aber der Anteil der Anleihen mit dem besten Bonitätsrating AAA sank in den letzten zehn Jahren von 82 auf 57 Prozent.

Der Bewertungsgewinn auf dem Goldbestand von 7,3 Milliarden Franken dürfte sich bis Ende Jahr kaum verändern, da der Goldpreis stabil blieb. Weiter gestiegen sind dagegen die Aktienkurse. Aktien machen mittlerweile 19 Prozent der Aktiven aus – eine Verdoppelung in zehn Jahren. Bis im dritten Quartal resultierte darauf ein Gewinn von 22,4 Milliarden, der sich bis Ende Jahr weiter erhöht haben dürfte.

Rund 100 Milliarden Dollarin US-Aktien

Die Nationalbank hatte Ende September gemäss US-Börsenaufsicht SEC über 94 Milliarden Dollar in US-Firmen investiert: ein Zuwachs um 20 Prozent seit Anfang Jahr. Die grössten Positionen waren Apple und Microsoft mit je über 3 Milliarden, gefolgt von Google-Mutter Alphabet und Amazon mit je über 2 Milliarden Dollar.

Der Zuwachs ging vor allem auf Kurssteigerungen zurück. Am stärksten zugekauft hat die Nationalbank bei Alibaba (+81%) und Disney (+23%). Im vierten Quartal sind die Aktienkurse um über 6 Prozent gestiegen. Bis Ende Jahr dürfte das Engagement der Nationalbank im US-Aktienmarkt somit die 100-Milliarden-Grenze überschritten haben.

Der schwächere Dollar führt zu einer Korrektur auf den Anlagen im Dollarraum, sie machen immerhin 39 Prozent der Devisenanlagen aus. Der Euro – er macht 35?Prozent aus – blieb recht stabil.

Die Rendite der Anlagen – Anleihen, Aktien und Gold – betrug im Schnitt der letzten 15 Jahre 3,3 Prozent. Ökonomen der Credit Suisse erwarten für die nächsten fünf Jahre eine etwas tiefere Rendite von 2,5 Prozent pro Jahr. Das wären beim heutigen Umfang der Fremdwährungsreserven von 800 Milliarden Franken rund 20 Milliarden pro Jahr.

Das Verlustrisiko schätzt die Credit Suisse im schlimmsten Fall auf 75 Milliarden Franken. Ende des dritten Quartals betrug das Eigenkapital der Nationalbank 170 Milliarden. Davon dürften etwa 90 Milliarden zur Ausschüttung an Bund und Kantone zur Verfügung stehen, schätzt die Credit Suisse.

Gemäss Vereinbarung zwischen der Nationalbank und dem Eidgenössischen Finanzdepartement ist die Ausschüttung derzeit auf 2 Milliarden pro Jahr begrenzt. Im nächsten Jahr muss sie neu ausgehandelt werden. Angesichts der Gewinnaussichten besteht bei der Ausschüttungspolitik dann wohl Luft nach oben.



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Erstellt: 28.12.2019, 21:25 Uhr

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