Jetzt kommt die Designer-E-Zigarette

Ihre Produkte strahlen Coolness aus. Nun sucht die US-Firma Juul auch in der Schweiz nach Mitarbeitern. In den USA hat sie Klagen am Hals.

Kommt daher, wie ein USB-Stick: Ein Mann «juult». Foto: Instagram / juulvapor

Kommt daher, wie ein USB-Stick: Ein Mann «juult». Foto: Instagram / juulvapor

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ein Start-up ist gerade dabei, das Milliardengeschäft mit Rauchern auf den Kopf zu stellen. Die Firma Juul aus San Francisco wächst mit ihren elektronischen Zigaretten rasant: Innerhalb von acht Monaten stieg ihr Marktanteil bei E-Produkten in den USA von 30 auf fast 70 Prozent. Der Umsatz hat sich in einem Jahr verachtfacht. Damit lehrt das Jungunternehmen die etablierten Tabakkonzerne das Fürchten. Bald kommt Juul in die Schweiz.

Das zeigt ein Stelleninserat. Auf dem Internetportal Angel List, das auf Jobs für Start-ups spezialisiert ist, sucht Juul einen Kommunikations- und PR-Manager für die Schweiz. Der soll die Marke Juul in «Schlüssel-Publikationen und einflussreichen Blogs» bekannt machen und PR-Kampagnen entwickeln. Offiziell will Juul den Schweizer Markteintritt nicht bestätigen, doch ein Sprecher sagt: «Nach dem Start in Grossbritannien evaluieren wir weitere Märkte in ganz Europa, inklusive der Schweiz.»

Investoren bewerten Juulmit 15 Milliarden Dollar

Das Unternehmen, das laut der Agentur Bloomberg von Investoren mit 15 Milliarden Dollar bewertet wird, hat es im Heimmarkt geschafft, dem Rauchen von E-Zigaretten ein cooles Image zu verpassen. Statt mit einem klobigen Flüssigkeitstank kommt das Juul-Gerät daher wie ein elektronisches Gadget. Es erinnert an einen USB-Stick, lässt sich am Notebook aufladen und liegt angenehm in der Hand. Das ist kein Zufall. Juul-Mitgründer Adam Bowen arbeitete einst als Design-Ingenieur bei Apple. Juul ist in sozialen Netzwerken omnipräsent. Unter Hashtags wie #juulgang oder #juullife paffen Nutzer und schwärmen vom Gerät. «Ich gehe nie aus dem Haus ohne Juul», schreibt ein Jugendlicher auf Twitter. Fans des Produkts rauchen nicht, sondern sie sprechen von «juuling».

Genau dieser coole Anstrich bereitet Suchtexperten Sorgen. Das Design und Beiträge von Nutzern im Internet sprächen Junge an, sagt Thomas Beutler von der Tabakprävention Schweiz. «Juul dürfte auch hier wie in den USA schnell populär bei einem jungen Publikum werden. Die Gefahr, dass jugendliche Nichtraucher zu Juul greifen, ist gross.» Die Nikotin-Pads von Juul, die ins Gerät gesteckt werden, gibt es in Geschmacksrichtungen wie Gurke, Crème brulée und Mango.

In den USA hat die Firma, die seit 2015 auf dem Markt ist, bereits Rechtsfälle am Hals. Nutzer und besorgte Eltern haben geklagt. Juul sei auf der Schule ihres Kindes allgegenwärtig gewesen, sogar im Schulbus, und habe ihr Kind nikotinsüchtig gemacht, steht laut US-Medienberichten in einer Anklageschrift. Auch eine US-Generalstaatsanwältin hat ein Verfahren gegen die Firma eingeleitet, weil das Marketing von Juul auf minderjährige Konsumenten zielen könnte. Juul betont dagegen, man wolle erwachsenen Zigarettenrauchern eine Alternative bieten. Nichtraucher und Jugendliche gehörten nicht zur Zielgruppe.

Auswirkungen noch nicht genügend erforscht

Laut Reto Auer, Professor für Hausarztmedizin an der Uni Bern, könnte Juul Zigarettensüchtigen helfen, auf das potenziell weniger schädliche Dampfen umzustellen. «Mit Juul kriegen Raucher einen Nikotinkick ähnlich wie bei einer normalen Zigarette. Das ist genau das, was sehr hilft, um auf Alternativen zum Rauchen umzusteigen.» Allerdings sind laut Auer die negativen Auswirkungen auf die Gesundheit noch nicht genügend erforscht.

Anders als in den meisten herkömmlichen E-Zigaretten steckt in Juul Nikotinsalz und nicht Nikotinflüssigkeit. Eine Juul-Patrone enthält in den USA gleich viel Nikotin wie ein ganzes Pack Zigaretten, aber keinen Tabak. In der Schweiz wird eine schwächere Variante in den Handel kommen. In Grossbritannien, wo Juul seit einigen Wochen auf dem Markt ist, gelten die strengeren EU-Regeln bezüglich Nikotingehalt. Erlaubt sind 20 Milligramm Nikotin je Milliliter, die US-Variante von Juul ist mehr als doppelt so stark. Weil Juul in Grossbritannien bereits im Verkehr ist, könne das Produkt auch in der Schweiz verkauft werden, sagt Judith Deflorin, Leiterin Marktzutritt des Bundesamts für Lebensmittel und Veterinärwesen. «Es gilt das Cassis-de-Dijon-Prinzip. Eine zusätzliche Bewilligung für die Schweiz ist nicht nötig.»

* Dieser Artikel erschien erstmals am 19. August 2018 in der SonntagsZeitung.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 20.08.2018, 20:00 Uhr

Artikel zum Thema

Detailhändler wittern Geschäft mit E-Zigaretten

SonntagsZeitung Coop und Valora nehmen elektronische Zigaretten ins Sortiment auf – eine Gesetzeslücke lässt Handel und Industrie viel Freiheit. Mehr...

Ab sofort ist Nikotin in E-Zigaretten erlaubt

Eine Firma hat erfolgreich Beschwerde gegen das Verbot nikotinhaltiger Liquids eingereicht. Die ersten 10'000 Fläschchen sind bereits abgefüllt. Mehr...

«Dampf ist weniger schädlich als Rauch»

Interview Suchtfachleute wollen Raucher zum Umstieg auf E-Zigaretten bringen. Lungenspezialist Erich Russi hält das für sinnvoll – auch wenn noch keine Langfriststudien existieren. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

SonntagsZeit. Im Digital-Abo.

Die SonntagsZeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 10.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Die Hinterlassenschaft von Mangkhut: Mit Wind-Geschwindigkeiten von über 200 km/h fegte der Supertaifun über die chinesische Küste – und liess die Fenster eines Geschäftsgebäudes in Hongkong zerbersten. (17. September 2018)
(Bild: Lam Yik Fei/Getty Images) Mehr...