«Die ausländischen ­Anbieter sind den Schweizern weit überlegen»

Für hiesige Finanzunternehmen wird es ungemütlich: Neue Angebote wie Revolut und N26 sind günstig, sicher und technologisch weit voraus.

Den Angeboten der etablierten Banken überlegen: App von Revolut fürs Smartphone.

Den Angeboten der etablierten Banken überlegen: App von Revolut fürs Smartphone.

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Schweizer Kunden sind von ihren Banken einiges gewohnt. Steigende Gebühren, Zinsen gegen null und immer weniger Filialen mit kürzeren Öffnungszeiten sind die Regel. Doch günstige ausländische Onlinebanken stehen vor dem Schweizer Markteintritt oder sind bereits da. Für die Schweizer Institute wird es unbequem.

Die deutsche Onlinebank N26 hat ihren Start in der Schweiz für das ­laufende Jahr angekündigt. Sie hat im Ausland den Bankensektor mit preiswerten Dienstleistungen und benutzerfreundlichen digitalen Lösungen aufgemischt. Die etablierten Banken haben Marktanteile verloren.

Die britische Revolut bearbeitet den Schweizer Markt bereits mit ihrer Bezahlkarte, die seit kurzem für Schweizer Kunden gratis aufgeladen werden kann. Doch die Briten haben andere Ambitionen als nur Bezahllösungen. Seit Dezember verfügen sie über eine europäische Bankenlizenz. In ihrer App stellen sie auch die Einführung von Konten und Krediten in Aussicht.

«Die Apps der ausländischen ­Anbieter sind den Schweizer Lösungen weit überlegen.»Ralf ­Beyeler, Moneyland-Experte

Die Schweizer Banken müssen sich auf eine starke Konkurrenz aus dem Ausland gefasst machen. Sie sind laut Olaf Toepfer, Partner und Bankenspezialist beim Beratungsunternehmen EY, verwundbar. «Neue Anbieter wie Revolut sind eine ernst zu nehmende Bedrohung, insbesondere bei jungen, technologieaffinen Bankkunden.»

Dass die neuen Anbieter Potenzial haben, den Etablierten die Stirn zu bieten, zeigt eine Erhebung des Vergleichsdienstes Moneyland für die SonntagsZeitung. Er verglich die Bezahlkarten der ausländischen Anbieter Revolut und Transferwise mit den Angeboten der Supercard von Coop, der Cumulus-Karte der Migros und der Cashback-Karte von Swisscard. Bei deren Smartphone-Apps zieht Moneyland-Experte Ralf ­Beyeler ein klares ­Fazit: «Die Apps der ausländischen ­Anbieter sind den Schweizer Lösungen weit überlegen.» Hinter den Schweizer Gratiskarten stehen UBS, Cembra und Credit Suisse.

Bezahlkarten im Vergleich Grafik vergrössern

Besonders pikant: Bei den Sicherheitseinstellungen hinken die Schweizer Karten der neuen Konkurrenz hinterher. Alle Transaktionen werden in Echtzeit angezeigt, und die Karten können auf Knopfdruck gesperrt werden. Auch die Möglichkeit von Bezügen am Bancomaten und kontaktlosem Bezahlen können Nutzer jederzeit deaktivieren, was die Kontrolle erhöht.

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Beim Einkaufen im Ausland fallen zudem Bearbeitungsgebühren in vielen Fällen weg oder sind tiefer als bei den Schweizer Karten. «Mit Revolut und Transferwise lässt sich im Ausland im Vergleich mit Schweizer Kreditkarten viel Geld sparen», sagt Beyeler. Wenn Schweizer Kunden bei den Bezahllösungen auf den Geschmack der neuen Anbieter kommen, steigen auch die Chancen, dass sie Vertrauen in weitere Services solcher Onlineanbieter fassen.

Die Onlineanbieter betreiben kein teures Filialnetz, sondern investieren stattdessen in kundenfreundliche Lösungen.

Die Schweizer Banken sollten sich jedenfalls nicht auf eine allzu treue Kundschaft verlassen. Laut EY geht die Loyalität gegenüber Banken in der Schweiz zurück. Zudem steht es um den Ruf der hiesigen Institute nicht zum Besten. Weniger als 20 Prozent der Schweizer Bankkunden glauben, dass ihre Hausbank an ihrem finanziellen Wohlergehen interessiert ist.

Das Rezept der Banken, höhere Gebühren von ihren Kunden zu verlangen, so wie es die Postfinance zuletzt gemacht hat, dürfte im Umfeld günstiger Online­konkurrenz nicht mehr funktionieren. «Es wird schwieriger werden, Preise auf dem aktuellen Niveau zu halten oder anzuheben», sagt Toepfer.

Die Onlineanbieter betreiben kein teures Filialnetz, sondern investieren stattdessen in kundenfreundliche Lösungen. Das gab es schon in anderen Branchen. Der Online-Modehändler Zalando hat mit seinen versandkostenfreien Lieferungen in der Schweiz grossen Erfolg. Den Detailhandel hat er damit in die Krise gestürzt. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 19.01.2019, 20:15 Uhr

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