Kritik am «UBS-Stillstand» – und Ermotti tut so, als wäre alles gut

Unzufriedene Aktionäre, fehlende Spitzenleute und stagnierendes Wachstum: Was ist bei der Grossbank los?

Das Führungsduo zeigt sich unbeirrt: Bankchef Sergio Ermotti (l.) und Präsident Axel Weber. Foto: Fabrice Coffrini/AFP

Das Führungsduo zeigt sich unbeirrt: Bankchef Sergio Ermotti (l.) und Präsident Axel Weber. Foto: Fabrice Coffrini/AFP

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War da was? Die Aktio­näre haben der UBS-Führung am Donnerstag deutlich die Entlastung verweigert. Trotz der Ohrfeige zeigt sich das Führungsduo, Präsident Axel Weber und Bankchef Sergio Ermotti, unbeirrt. Schuld am Votum sei die Unsicherheit, die das Strafurteil in Frankreich geschürt habe. «Wir müssen unseren amerikanischen Aktionären noch besser als bisher erklären, dass es zwischen amerikanischem und französischem Recht beträchtliche Unterschiede in der Frage gibt, wie man sich aussergerichtlich einigt», sagte Weber am Freitag in der NZZ.

Ermotti wollte ebenfalls kein Misstrauensvotum erkennen. Den Tamedia-Tageszeitungen sagte er: «Das scheint mir nicht so zu sein, denn alle anderen Traktanden wurden mit deutlicher Mehrheit angenommen.»

Es ist das gewohnte Narrativ: Die UBS-Führung arbeitet gut; sie muss ihren Kurs nur besser ­erklären. So meinte Ermotti mit Blick auf die operative Leistung der Bank vor den Aktionären: «Aus meiner Sicht ist das Glas bei der UBS zu drei Vierteln voll.» Eine sportliche Ansage, bedenkt man, dass die Börse die Bank nur noch mit rund 90 Prozent ihres Buchwerts bewertet. Die meisten europäischen Banken liegen zwar noch tiefer, doch gewährte die Börse der UBS früher einen Aufschlag auf ihren Buchwert.

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Bankinsider bemängeln einen Stillstand, seit die Redimensionierung der Investmentbank abgeschlossen ist. «Von Ermotti gehen strategisch keine Impulse mehr aus», sagen mehrere hochrangige Quellen. Auch in Sachen personeller Erneuerung macht die Bank eher mit Kommunikationspannen als mit namhaften Berufungen von sich reden. Bei den Aktionären schwindet daher die Unterstützung, was sich nicht nur an der verweigerten Decharge zeigt. Die Zustimmung zum Vergütungsbericht ist seit Jahren rückläufig. Am Donnerstag stimmten nicht einmal mehr 80 Prozent dem Lohnpaket zu.

Als das ungleiche Duo Weber und Ermotti vor sieben Jahren antrat, verpasste es der krisengeplagten Bank eine Reformkur: Sie halbierten die Bilanz, schrumpften das Investmentbanking zum Zulieferbetrieb der Vermögensverwaltung. Rechtsfälle ging Chefjurist Markus Diethelm entschlossen an.

Seit Jahren kaum Wachstum bei den Einnahmen

Doch nun lässt es die Bank auf Prozesse ankommen. Die erste Runde im Pariser Strafprozess hat die UBS verloren, das Risiko einer Milliardenbusse wird sie jahrelang begleiten. In den USA steht im Streit um den Verkauf von Ramschhypotheken gleich der nächste teure Prozess ins Haus. «Das Pariser Urteil hat zu Unsicherheit in Bezug auf das Ausschüttungspotenzial geführt», sagt Andreas Venditti, Bankanalyst bei Vontobel.

Unabhängig von den Rechts­risiken ist die UBS nicht in überragender Verfassung: Sie wächst kaum, die Einnahmen pendeln seit Jahren um Werte zwischen 28 und 30 Milliarden Franken. Das Aufwand-Ertrag-Verhältnis verharrt bei fast 80 Prozent. An der Generalversammlung wischte Ermotti das vom Tisch. Entscheidend sei die Rendite auf das Kernkapital. Mit einem Wert von 13,1 Prozent gehöre die UBS «zu den besten Banken weltweit». Auch von einem strategischen Stillstand will die UBS nichts wissen: Sprecher verweisen auf die «Vielzahl von Wachstumsinitiativen», etwa die Expansion in China, den geplanten Ausbau des US-Geschäfts oder die Digitaloffensive. «Mich sorgt weniger die Kostenbasis als die Tatsache, dass die Bank kaum wächst», sagt dagegen Analyst Venditti.

Bank macht mit prominenten Abgängen Schlagzeilen

Kritik gibt es zudem am Spitzenpersonal. Statt mit Zugängen macht die Bank mit Abgängen von sich reden, wie von Investmentbank-Chef Andrea Orcel und Jürg Zeltner, dem Leiter der Vermögensverwaltung. Für die Nachfolge installierte Ermotti jeweils Doppelspitzen mit internen Leuten. Neue Talente von aussen holte er nicht. «Wir setzen primär auf interne Nachfolger», erklärt die UBS.

Die letzte prominente Rekrutierung war 2016 Ex-Commerzbank-Chef Martin Blessing. Er ist wie Ex-Finanzchef Tom Naratil nun Co-Leiter der Vermögens­verwaltung. Die Investmentbank führen Robert Karofsky und Piero Novelli. «Doppelspitzen führen oft dazu, dass sich die Co-Heads gegenseitig ­­bekriegen», meint ein Insider. Die UBS entgegnet: «Im Vermögensverwaltungsgeschäft wurde nicht eine Doppelspitze kreiert. Es wurden zwei Bereiche mit jeweils einem Mitglied der Geschäftsleitung zusammengeführt.»

Beobachter äussern den Eindruck, dass Ermotti keine starken Figuren neben sich aufkommen lassen will. Daher wurde die Debatte um seine Nachfolge, die Weber Anfang Jahr losgetreten hatte, schnell beerdigt. Und deshalb dürfte es auch an der nächsten Generalversammlung heissen: weiter so – aber vielleicht besser erklärt.



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Erstellt: 06.05.2019, 20:55 Uhr

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