Masern-Impfung für alle Babys ab neun Monaten

Seit Anfang Jahr erkrankten 21 Menschen in der Schweiz an Masern – darunter ein einjähriges Kind. Nun werden die Impf-Empfehlungen angepasst.

Krippenkinder sollen im Alter von neun Monaten die Impfstoffe gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) erhalten. Foto: Keystone

Krippenkinder sollen im Alter von neun Monaten die Impfstoffe gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) erhalten. Foto: Keystone

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21 Masern-Erkrankungen hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) seit Anfang Jahr registriert. Das jüngste betroffene Kind war gerade mal ein Jahr alt. Zwar heilen unkomplizierte Masern-Fälle meist rasch und ohne bleibende Folgen ab, doch insbesondere bei Babys verläuft die Krankheit öfter mit schweren Komplikationen wie Lungenentzündung oder Hirnhautentzündung. «Es ist deshalb wichtig, dass bereits die kleinen Kinder frühzeitig geimpft werden», sagt Mark Witschi, Impf-Experte beim BAG.

Bis heute galt: Krippenkinder sollen im Alter von neun Monaten die Impfstoffe gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) erhalten. Kinder, die nicht fremdbetreut werden, erst mit zwölf Monaten. Wie Recherchen zeigen, wird sich das künftig ändern. Per Ende März gilt eine einheitliche Impf-Empfehlung: Alle neunmonatigen Kindern sollen gegen Masern geimpft werden.

«Die meisten wollen ihr Kind schützen, sobald es möglich ist.»Jan Cahlik, Kinder- und Jugendarzt

Jan Cahlik ist seit über 20 Jahren Kinder- und Jugendarzt. Der Vizepräsident des Verbands Kinderärzte Schweiz begrüsst die Anpassung. «Bei Masern handelt es sich um eine potenziell lebensbedrohliche Krankheit», sagt Cahlik. Daher impft er bereits jetzt alle Neunmonatigen gegen MMR. «Die Vorteile überwiegen.»

Cahlik ist überzeugt, dass die frühzeitige Masern-Impfung bei Kita­-Kindern massgeblich dazu beigetragen hat, dass in den letzten Jahren die Erkrankungen zurückgegangen sind. Komplikationen oder schwere Nebenwirkungen gab es bei ihm in der Praxis nie. Und auch auf Gegenwehr der Eltern ist Cahlik nur selten gestossen. «Die meisten wollen ihr Kind schützen, sobald es möglich ist.»

Für ein Impf-Obligatorium, wie es Frankreich oder Italien kennen oder auch gewisse Kitas in Deutschland umsetzen, sind weder die ­Kinderärzte noch das BAG. Der Grund: Die Durchimpfungsraten haben stets zugenommen. Und in den vergangenen zwei Jahren gab es deutlich weniger Masern-Fälle und Ansteckungen. Verläuft dieses Jahr ebenfalls positiv, spricht die Weltgesundheitsorganisation von einer erfolgreichen Eliminierung.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 24.02.2019, 12:08 Uhr

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