Mehr Informatiker – weniger Germanisten

Mint-Fächer gewinnen auf Kosten der Geisteswissenschaften. Doch der Frauenanteil stagniert.

Trotz insgesamt steigender Studentenzahlen treten immer weniger junge Menschen in der Schweiz ein sprach- und literaturwissenschaftliches Studium an. Foto: Keystone

Trotz insgesamt steigender Studentenzahlen treten immer weniger junge Menschen in der Schweiz ein sprach- und literaturwissenschaftliches Studium an. Foto: Keystone

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Wenn eine Statistik den Zeitgeist widerspiegelt, dann jene zur Studienwahl. Über viele Jahre ­wurde beklagt, dass sich eine (zu) grosse Zahl der Studentinnen und Studenten an Universitäten für «brotlose» Fächer aus den Geistes- und Sozialwissenschaften entscheidet und zu wenige für technische und mathematische Studiengänge. Nun ist diesbezüglich aber eine Trendwende festzustellen.

Trotz insgesamt steigender Studentenzahlen treten immer weniger junge Menschen in der Schweiz ein sprach- und literaturwissenschaftliches Studium an. Die Zahl der Einsteiger ist in diesem Bereich in den letzten zehn Jahren um über 20 Prozent gesunken. Ebenfalls rückläufig ist das Interesse an Geschichte.

Eine steigende Tendenz verzeichnet die Philosophie, allerdings auf sehr tiefem Niveau. Knapp 100 junge Leute starteten letztes Jahr an einer Schweizer Universität ein Philosophiestudium, vor zehn Jahren waren es erst etwa 60.

Recht, Psychologie und BWL bleiben einsame Spitze

Tendenziell ist eine Verlagerung festzustellen von den Geisteswissenschaften hin zu den exakten Wissenschaften (Mathematik, Physik, Informatik), die stark zulegen. Die Zahl der Einsteiger bei der ­Informatik hat sich in den vergangenen zehn Jahren zum Beispiel mehr als verdoppelt (auf 774). Der Abstand zu anderen grossen Fächern wie Recht (2050 Einsteiger), Psychologie (1619) und Betriebswirtschaftslehre (1307) ist aber noch immer beträchtlich.

Geschlechtertrennung bei der Studienwahl

Im Steigflug befindet sich auch die Humanmedizin. Allerdings sagen die Zahlen in jenem Bereich nichts über die Beliebtheit aus: Die Zahl der Medizinstudentinnen und -­studenten wird durch die Politik gesteuert, anders als bei den anderen Fächern besteht eine Zugangsbeschränkung.

Bei der Ökonomie verzeichnet die Betriebswirtschaftslehre eine leicht rückläufige Tendenz. Dafür legt die Volkswirtschaftslehre stark zu, wenn auch auf einem viel ­tieferen Niveau. Makroökonomische Themen scheinen bei den jungen Menschen auf zunehmendes Interesse zu stossen, womöglich ist dies eine Auswirkung der ­Finanzkrise.

Trotz grosser Anstrengungen, mehr Frauen für die Mint-Fächer zu begeistern (Mathematik, In­formatik, Naturwissenschaft und Technik), bleibt der Effekt bescheiden. In der Informatik stagniert der Frauenanteil bei niedrigen 15 Prozent, in der Mathematik bei rund einem Drittel.

Einen gewissen Erfolg verzeichnet das Maschinen- und Elektroingenieurswesen, wo der Frauenanteil in den letzten zehn Jahren von 11 auf 16 Prozent gestiegen ist. Auch bei den Naturwissenschaften nahm der Frauenanteil zu, vor allem dank der Biologie, wo die Studentinnen in der Überzahl sind.

Die meisten Frauen entscheiden sich bei der Studienwahl aber noch immer für Sprach- und Literaturwissenschaften (Frauenanteil: 78 Prozent) oder für Psychologie (80 Prozent).

Auch die Humanmedizin entwickelt sich zunehmend zu einem Frauenfach. Dort ist der Frauenanteil in den vergangenen zehn Jahren von 60 auf 67 Prozent gestiegen.



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Erstellt: 13.10.2019, 17:04 Uhr

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