Petrodollars für die Credit Suisse

Grosserfolg für Tidjane Thiam: Seine Bank kann mit dem Saudi-Aramco-Börsengang bis zu 100 Millionen Dollar verdienen.

Saudi-Aramco dürfte bald zum wertvollsten Unternehmen der Welt werden: CEO Amin H. Nasser (l.) und Präsident Yassir al-Rumayyan. Foto: Reuters

Saudi-Aramco dürfte bald zum wertvollsten Unternehmen der Welt werden: CEO Amin H. Nasser (l.) und Präsident Yassir al-Rumayyan. Foto: Reuters

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In wenigen Tagen geht einer der grössten Börsengänge der Geschichte über die Bühne. Die Aktien der staatlichen saudischen Ölfirma Saudi Aramco werden voraussichtlich am 10. Dezember erstmals öffentlich gehandelt. Es wird erwartet, dass der Ölkonzern aus der Wüste durch die Aktienplatzierung auf eine Unternehmensbewertung von 1500 bis 2000 Milliarden Dollar kommen könnte, was das Unternehmen zum wertvollsten der Welt machen würde.

Den Megabörsengang begleitet hat die Credit Suisse (CS). Sie ist die einzige europäische Grossbank, die vom Regime in Riad in den exklusiven Kreis der sogenannten Global Coordinators aufgenommen wurde. Sie ist eine von zehn Banken neben US-Grössen wie J.P. Morgan, Goldman Sachs und Citi, welche die Ölaktien an die Investoren bringen sollen.

Gemäss Informationen der SonntagsZeitung kann die CS auf Einnahmen im Umfang von 100 Millionen Dollar hoffen. Diese Zahl nennen mehrere in den Börsengang involvierte Personen. Bisher sickerte lediglich durch, dass die Saudis rund 500 Millionen Dollar für den Börsengang springen lassen werden. Die Schweizer Bank könnte somit bis zu einem Fünftel der Gebühren für sich beanspruchen. Dass die Bank eine bedeutende Rolle bekommen habe, sei vor allem das Verdienst von Tidjane Thiam. Der Geschäftsführer hat laut Quellen den Deal mit den Arabern eingefädelt.

Die Credit Suisse ist eine grosse Nummer im Ölgeschäft

Für den CS-Chef kommt der Erfolg zum richtigen Zeitpunkt. Durch die Turbulenzen wegen der Beschattung von Iqbal Khan kam er unter Druck. Seine Glaubwürdigkeit ist seither angeschlagen, weil Thiam stets sagte, über die Beschattungsaktion nichts gewusst zu haben.

Die CS-Abteilung, in der die Gelder aus dem Saudi-Börsengang verbucht werden, heisst Investmentbanking & Capital Markets (IBCM). Das ist neben Global Markets, dem Handel, jene Abteilung des Investmentbankings, in der Kapitalmarkttransaktionen wie Börsengänge aufgegleist werden. IBCM erzielte im abgelaufenen Quartal einen Verlust.

Gemäss einer Studie von Umweltorganisationen hat die CS zwischen 2016 und 2018 der fossilen Industrie weltweit 57 Milliarden US-Dollar bereitgestellt.

Die Erträge schrumpften um 20 Prozent auf 425 Millionen Franken. Der Leiter der Sparte, James Amine, wurde von Thiam vor kurzem ins Asset Management versetzt. Mit den Einnahmen aus dem Aramco-Börsengang dürfte die CS-Investmentbanking-Abteilung im vierten Quartal wieder klar positive Zahlen schreiben.

Die CS ist traditionell stark verankert im Öl- und Gasgeschäft. Das kommt daher, dass die frühere CS Group 1990 die Kontrolle an der US-amerikanischen Investmentbank First Boston übernahm. Die Bank unterhält in Houston (Texas) eigens die Abteilung Oil & Gas. In den USA finanziert und berät die CS Unternehmen, die im umstrittenen Schiefergasgeschäft (Fracking) aktiv sind. Laut einer Studie von Umweltorganisationen hat die Bank zwischen 2016 und 2018 der fossilen Industrie weltweit 57 Milliarden US-Dollar bereitgestellt.

Der grosse Fussabdruck der Credit Suisse im Öl- und Gasgeschäft steht ihren Bestrebungen gegenüber, dem Bankgeschäft einen nachhaltigen Dreh zu verleihen. So hat sich die Bank zu den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen bekannt. Als global tätiges Finanzinstitut tragen «wir mit unseren Aktivitäten zur Umsetzung der Ziele bei», heisst es auf der Website. Fast im Wochentakt lanciert die Bank neue Fonds mit einem Nach­haltigkeitsfokus.

Credit Suisse sieht kein Nachhaltigkeitsproblem

«Der Nachhaltigkeitsansatz von Credit Suisse schliesst fossile Energien nicht grundsätzlich aus», sagt eine Sprecherin. Auch im Millionengeschäft mit den Saudis sieht die CS kein Problem: «Im Rahmen der Vision 2030 arbeitet Saudi­arabien seit mehreren Jahren daran, seine Abhängigkeit von Erdöl zu reduzieren, die Wirtschaft zu diversifizieren und den öffentlichen Sektor weiterzuentwickeln. Das IPO ist eine der zahlreichen Massnahmen von Saudiarabien, um diese Vision umzusetzen.»



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Erstellt: 16.11.2019, 18:54 Uhr

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