Schule erhält nach «Fall Glarner» anonyme Drohungen

Betroffene Lehrerin kann nach Shitstorm wieder arbeiten – die Schulbehörde kommt aber nicht zur Ruhe.

Er hat sich zwar entschuldigt, die Schule leidet aber noch immer unter seiner Aktion: SVP-Nationalrat Andreas Glarner während der Sommersession im Bundeshaus. Foto: Keystone / Alessandro della Valle

Er hat sich zwar entschuldigt, die Schule leidet aber noch immer unter seiner Aktion: SVP-Nationalrat Andreas Glarner während der Sommersession im Bundeshaus. Foto: Keystone / Alessandro della Valle

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Sie wählen klare Worte. Aber ohne ihren richtigen Namen zu nennen. «Wir werden gegen die Schule und gegen ihre Behörde vorgehen», wenn man ­Nationalrat Andreas Glarner (SVP) nicht in Ruhe lasse. Das schreiben Unbekannte am Freitag per E-Mail an die Zürcher Kreisschulbehörde Uto. «Wir haben schon mehrere solche Drohungen erhalten», sagt Präsident Roberto Rodriguez (SP). Jede Einzelne sei ernst zu nehmen. «Weil man nicht abschätzen kann, wer und was dahintersteckt.» Rodriguez erwägt eine Anzeige gegen unbekannt.

Die Schule kommt auch nach bald zwei Wochen nicht zur Ruhe. Damals hatte Glarner auf Facebook die Nummer des Schulhandys einer Lehrerin veröffentlicht, weil sie muslimischen Schülern erlaubt hatte, an einem Festtag freizunehmen. Der Politiker rief User auf, der Pädagogin die Meinung zu ­sagen – was diese mit unzähligen wütenden Nachrichten taten.

Anzeige gegen Glarner noch immer möglich

«Für die Betroffene war es extrem schwierig», sagt Rodriguez. Mehrere Tage habe sie nicht unterrichten können. «Nun arbeitet sie ­wieder, wenn auch mit kleineren Unterbrüchen. Insbesondere dann, wenn wieder ein Drohmail eintrifft.» Man prüfe nach wie vor, ob eine Anzeige gegen Glarner Sinn mache. Oder ob dies die ­Betroffene zu sehr belasten würde.

Diese hatte korrekt gehandelt. Die Zürcher Schulverordnung erlaubt es, Schülern aller Religionen an deren Feiertagen freizugeben. Der Nationalrat hatte sich denn auch bei der Frau entschuldigt. «Ich habe einen Fehler gemacht», ­sagte er vor einer Woche auf TeleZüri. Ergänzte dann aber umgehend, dass am Ramadan kaum noch Schule stattfinde – die ­ muslimischen Kinder würden wie tote Fliegen herumliegen.



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Erstellt: 15.06.2019, 18:39 Uhr

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