Schwarze Liste greift nicht bei Kita-Personal

Der Verband Kibesuisse denkt nach der Verhaftung in St. Gallen über eigenes Register nach.

Für Sicherheit im pädagogischen Bereich soll auch die schwarze Liste der Lehrpersonen sorgen. Bild: Keystone

Für Sicherheit im pädagogischen Bereich soll auch die schwarze Liste der Lehrpersonen sorgen. Bild: Keystone

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Er arbeitete in einem Waldkindergarten, in einer Kindertagesstätte und leitete eine Theatergruppe für Kinder. Ständig hatte der 33-jährige Ostschweizer Kontakt zu Minderjährigen. Diese Nähe soll er ausgenutzt haben. Schon im letzten Sommer stiessen Ermittler während einer Hausdurchsuchung auf Zehntausende mutmasslich kinderpornografische Fotos, seither sitzt der Mann in Untersuchungshaft. Diese Woche nun teilte die Staatsanwaltschaft St. Gallen mit: «Ferner besteht der dringende Verdacht, dass der Beschuldigte sexuelle Handlungen an zwei Knaben unter zwei Jahren vornahm und dabei Videos erstellte.» Ein Opfer soll er in der Kita namens Fiorino missbraucht haben, von zwei weiteren während der Arbeit «sexuell motivierte» Fotos gemacht haben.

Über 50'000 Auszüge in einem Jahr bestellt

Bei einer Verurteilung drohen dem Verdächtigen nicht nur strafrechtliche Sanktionen. Seit 2015 können Richter Berufs-, Rayon- oder Kontaktverbote zum Schutz von Kindern verhängen. Diese Sanktionen werden anschliessend im sogenannten Sonderprivatauszug vermerkt. Schulen, aber auch Vereine können das Papier von Bewerbern bestellen. Und so prüfen, ob diese tatsächlich mit Minderjährigen arbeiten dürfen oder nicht. Das Instrument wird sehr häufig genutzt, wie Zahlen des Bundesamts für Justiz (BJ) zeigen. 52'093 Sonderprivatauszüge wurden allein im letzten Jahr bestellt. Das sind so viele wie noch nie und dreimal so viele wie nach der Einführung im Jahr 2015. Wie oft die Bestellung von einer Kita kommt, kann das BJ auf Anfrage nicht angeben.

Für Sicherheit im pädagogischen Bereich soll auch die schwarze Liste der Lehrpersonen sorgen. Auf ihr landen Lehrer, denen die kantonale Erziehungsdirektion die Unterrichtsberechtigung entzogen hat. Das kann wegen Sexualdelikten der Fall sein, aber auch bei Drogenproblemen oder psychischen Krankheiten. Letzten Oktober machte die SonntagsZeitung publik, dass 95 Namen eingetragen sind, vor allem auf Primarstufe. Hingegen finden sich keine Mitarbeiter von Kindertagesstätten. «Die Liste umfasst, entsprechend dem Wortlaut der massgebenden Rechtsgrundlage, ausschliesslich Lehrpersonen, denen die Unterrichtsberechtigung entzogen wurde», teilt die kantonale Konferenz der Erziehungsdirektoren schriftlich mit. Der ausserschulische Bereich, zu welchem die Kindertagesstätten gehören, könne nicht abgedeckt werden.

Braucht es auch für Kita-Angestellte eine schwarze Liste? «Es wurden bereits Überlegungen in diese Richtung angestellt», heisst es beim Verband Kibesuisse auf Anfrage. Dieser rät seinen Mitgliedern auch, bei jeder Neuanstellung standardmässig einen Sonderprivatauszug und allenfalls einen Strafregisterauszug zu verlangen. Diese Massnahme solle zudem alle fünf Jahre wiederholt werden. Aber auch das bringt natürlich nicht absolute Sicherheit. Beim Mitarbeiter der Kita Fiorino zumindest waren die entsprechenden Auszüge laut der Kita-Leitung eingeholt worden.

Erstellt: 10.02.2019, 09:49 Uhr

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