Schweizer Geschäfte mit Raketenwerfern und Kalaschnikows

Kroatische Waffenschmuggler wollten in die Schweiz expandieren – und wurden von Europol gestoppt.

Operation Telum: die beschlagnahmten Waffen.

Operation Telum: die beschlagnahmten Waffen.

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Auf einem Tisch der kroatischen Polizei liegen Patronen, Pistolen, Kalaschnikows und ein Raketenwerfer. Daneben Geldbündel verschiedener Währungen. Neben Zehntausenden Euros und US-Dollar liegen auch Schweizer Geldscheine. Tausender- und Hunderternoten, fein sortiert. Insgesamt 15 100 Schweizer Franken.

Waffen und Geld sind die Beute der Operation Telum, einer ­Aktion von Europol. Die EU-Strafverfolgungsbehörde hob am Montag eine Waffenschmugglerbande aus. Die kroatische Polizei durchsuchte 26 Häuser, identifizierte 19 Tatverdächtige und verhaftete davon 17.

Dass die Fahnder auch Schweizer Geldscheine fanden, ist kein Zufall. Die Waffenschmuggler wollten ihre Aktivitäten auch in die Schweiz ausdehnen, wie Europol bestätigt. Eine Mitteilung des kroatischen Innenministeriums deutet darauf hin, dass die Vorbereitung des Schweizer Geschäfts bereits fortgeschritten war. Demnach fand ein Teil der Operation Telum auf Schweizer Boden statt. Je zwei Häuser und zwei Autos seien durchsucht und eine Person sei festgenommen worden.

Thomas Dayer, Sprecher der Bundespolizei Fedpol, bestätigt, dass die Schweiz in die Operation ­Telum involviert war. Genauere Infos zum Schweizer Geschäft der Waffenschmuggler will das Fedpol nicht preisgeben. Auch zu der Verhaftung in der Schweiz will die Behörde keine Auskunft geben.

Schweiz spielt im Waffenhandel keine unwichtige Rolle

Die Schweiz, Aussenposten und Umschlagplatz für Waffenschieber? «Die Schweiz spielt für den Waffenhandel für Gruppen aus der organisierten Kriminalität eine nicht unwichtige Rolle», sagt ­Dayer. In Verfahren mit Bezug zur italienischen organisierten Kriminalität beispielsweise würden Waffen aus der Schweiz häufig auf­tauchen. Zum Teil würden dabei Waffen auch gegen Drogen getauscht, etwa Kokain aus Italien gegen Waffen aus der Schweiz. Die Lieferungen stammen recht häufig aus dem Balkan und würden dann in Italien für die Bewaffnung der Clans benötigt.

Eine Studie des Flemish Peace Institute in Brüssel zitiert auch mehrere Fälle, in denen Waffen aus der Schweiz nach Frankreich geschmuggelt wurden. Die Schweiz ist für Waffenschieber ­attraktiv, weil die Waffengesetze hierzulande vergleichsweise lasch sind. Davon profitierte etwa ein Franzose, der zwischen 2012 und 2016 400 Pistolen und Revolver von Genf nach Frankreich schmuggelte.

Ein Bericht der NGO Small Arms Survey zeigt zudem auf, dass schwere Waffen, die von Armeen nicht mehr benötigt werden, im Untergrund gehandelt werden. Teilweise wird das Kriegsgerät ­zunächst feueruntüchtig gemacht und legal verkauft – um danach von spezialisierten Banden wieder aufgerüstet zu werden.

Europol mochte sich zu den Schweizer Geschäften der kroatischen Waffenschmuggler nicht äussern. Die EU-Polizei wird jetzt die Funde analysieren.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 23.06.2018, 23:23 Uhr

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