Swiss-Personal kritisiert neuen Flieger

Für die Flugbegleiter wird es im A320 Neo so eng, dass sie sogar bei der Suva interveniert haben.

Beengte Verhältnisse: Der Airbus A320 Neo soll ab 2020 zum Einsatz kommen. Foto: Getty

Beengte Verhältnisse: Der Airbus A320 Neo soll ab 2020 zum Einsatz kommen. Foto: Getty

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Noch ist die Maschine mit der Seriennummer 9246 einer von vielen Flugzeugrümpfen in der Airbus-Werkshalle in Hamburg-Finkenwerder. Keine Lackierung, kein Innenleben, keine Tragflächen. Doch schon im ersten Quartal 2020 soll das Flugzeug mit Schweizer Kreuz auf der Heckflosse durch Europa fliegen.

Es wird der erste Airbus A320 Neo der Swiss. Insgesamt erhält die Fluggesellschaft innerhalb der nächsten vier Jahre 17 A320 Neo und acht etwas grössere A321 Neo. Die Flieger sind eine Weiterentwicklung der Flugzeuge der Airbus-A320-Familie, mit denen Swiss bereits jetzt auf Europastrecken unterwegs ist.

Weniger Raum zum Arbeiten für die Crews

Bis zu 20 Prozent Treibstoff sollen die A320 Neo gegenüber aktuellen Modellen pro Sitzplatz einsparen, kündigt die Swiss an. Dank moderner Sitze soll es möglich sein, mehr Passagiere ins Flugzeug zu packen und ihnen gleichzeitig mehr Platz zu bieten.

Das Gegenteil passiert allerdings anderswo. Denn mehr Raum für Sitze bedeutet weniger für Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter. Und schon jetzt sei der Platz zum Arbeiten «sehr beengt», sagt Sandrine Nikolic-Fuss, Präsidentin der Flugbegleiter-Gewerkschaft Kapers. In den neueren Kabinen der Airbus A320 von Swiss habe man in der Küche nur zwei Quadrat­meter. Mit den A320 Neo verliere man «noch einmal eine zweistellige Prozentzahl an Arbeitsfläche», bemängelt sie. Das heisst: Die Crews müssen Getränke und Snacks auf unter zwei Quadrat­metern vorbereiten.

Die Gewerkschaft habe im Vorfeld interveniert, sagt Nikolic-Fuss. «Wir haben uns so sehr wir konnten auf die Hinterbeine gestellt», sagt sie. Auch mit der Suva habe man Kontakt aufgenommen. «Würde es sich um einen Arbeitsplatz am Boden handeln, wäre das nicht erlaubt.» Doch ein Flugzeug sei eben kein Büro.

«Die Grössenverhältnisse der Bordküche zwischen dem heutigen A320 und dem A320 Neo sind identisch.»Swiss-Sprecherin

Auch wenn der Platzmangel in der Bordküche in erster Linie das Personal betrifft – auch Passagiere bemerken ihn. Das zeigen Erfahrungen von Flugbegleitern in der aktuellen Küche mit zwei Quadratmetern. Um die Vorbereitungen für den Service zu treffen, muss der Trolley – der Wagen, in dem Getränke und Essen verstaut sind – teils in die Passagierkabine geschoben werden. Und das erschwert den Zugang zu den Toiletten. Muss ein Passagier im falschen Moment das WC aufsuchen, kommt es also zu viel Hin- und Hergeschiebe. Auch der Zugang zu den Sitzen des Kabinenpersonals kann unter Umständen durch den Wagen versperrt sein. Das kann zum Problem werden, wenn es Turbulenzen gibt und man sich anschnallen muss.

Laut der Swiss ändert sich gegenüber der bisherigen Bord­küche wenig. «Die Grössenverhältnisse der Bordküche zwischen dem heutigen A320 und dem A320 Neo sind identisch», sagt eine Sprecherin. Aber sie erklärt auch: Die Möblierung ändere sich, sodass auf gleichbleibender Fläche die Anordnung der Konsolen anders sei. Das, so heisst es wiederum von Kapers, führe zu effektiv weniger Arbeitsfläche, weil die Bewegungsfreiheit der Crews eingeschränkt sei. Das betrifft laut der Swiss aber nur die kleineren Airbus A320 Neo. In den etwas grösseren A321 Neo würden die Bordküchen «wesentlich grösser sein».

Vielleicht gibt es bald mehr Platz für Koffer

Während es nicht so aussieht, als würde sich am Arbeitsumfeld in den Bordküchen viel ändern, könnte es sein, dass Swiss in der Passagierkabine noch Anpassungen vornimmt. Kürzlich etwa gab Air France bekannt, grössere Gepäckfächer in ihrer Flotte einzubauen, in denen man zugelassene Koffer auch hochkant verstauen kann. Auch Airbus selbst bietet ähnliche Lösungen an.

Wie Swiss-Kommerzchef Tamur Goudarzi Pour verrät, sei es «eine Überlegung», auch bei der Swiss grössere Gepäckfächer in die A320 Neo zu bauen. «Wir müssen dem gerecht werden, was die Kunden mit an Bord bringen.» Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.



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Erstellt: 07.12.2019, 20:43 Uhr

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