Thiam muss Millionen in CS-Aktien investieren

Nächsten Mittwoch kündigt die Credit Suisse ein Aktien-Rückkaufprogramm in Milliardenhöhe an.

Die Credit Suisse hat offenbar wieder Geld für grosse Geschenke: Chef Tidjane Thiam. Bild: Daniel Winkler/13 Photo

Die Credit Suisse hat offenbar wieder Geld für grosse Geschenke: Chef Tidjane Thiam. Bild: Daniel Winkler/13 Photo

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Am Mittwoch tritt Tidjane Thiam auf die grosse Bühne. Am Londoner Investorentag will er der Welt zeigen, dass seine Credit Suisse (CS) kein Sanierungsfall mehr ist, sondern eine solide, zukunftsgerichtete Bank – wetterfest für alle Krisen, die da kommen mögen. Eine Botschaft, die er schon seit Anfang Jahr verbreitet, die ihm aber bisher offensichtlich kaum einer glaubt. Denn statt dass der Aktienkurs endlich wieder zu steigen beginnt, ist er innert Jahresfrist um mehr als ein Drittel eingebrochen.

Damit hält sich Thiams Bank deutlich schlechter als die UBS, die im gleichen Zeitraum ein Viertel ihres Werts einbüsste. Deren Chef Sergio Ermotti versuchte vor knapp zwei Monaten in London ebenfalls, die Investoren zu beeindrucken. Allein, es misslang. Schon zwei Tage nach dem Werbemarathon waren die anfänglichen Kursgewinne wieder dahin. Den Worten des Managements der Grossbanken trauen Anleger offenbar nicht mehr.

Präsident Urs Rohner wird wohl ebenfalls Aktien kaufen müssen

Doch dann tat Ermotti etwas, womit niemand gerechnet hatte: Er investierte 13 Millionen Franken eigenes Geld in Aktien seiner Bank. Seither läuft es ihm deutlich besser. Und vor allem: Er hat ein Präjudiz geschaffen, das Analysten nun auch vom Lokalrivalen einfordern. So schreibt etwa Vontobel-Analyst Andreas Venditti in seinem Bericht unverhohlen, es wäre ein Zeichen des Managements erwünscht.

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Gemäss Informationen aus dem Umfeld Thiams ist man sich bewusst, dass die Erwartung besteht. Nach dem Investorentag sei die sogenannte Blackout-Periode vorbei, ab dann kann das Management ohne Insidervorwurf wieder eigene Aktien kaufen. Dann ist Zeit für den Tatbeweis, mindestens von Thiam. Interessant wird sein, ob auch Verwaltungsratspräsident Urs Rohner CS-Aktien kauft. Beide werden wohl fast müssen, insbesondere Rohner wird seit langem vorgeworfen, er engagiere sich zu wenig und beziehe seinen Bonus in bar.

Die Aktionäre sollen auch direkt profitieren. So soll die Dividende erhöht und ein Aktien-Rückkaufprogramm verkündet werden. 50 Prozent der Gewinne von 2019 und 2020 sollten ausgeschüttet werden, verkündete Thiam schon vor Jahresfrist. Aber es kamen Zweifel auf, ob die Bank genügend Geld hat für grosse Geschenke. Sie hat offenbar, so zumindest die Einschätzung des Managements. Zusammen rund 9 Milliarden Franken Gewinn erwartet die Bank für die beiden kommenden Jahre. Rund 4,5 Milliarden Franken würden also frei. Die diesjährige Dividende von 25 Rappen pro Aktie summiert sich auf rund 600 Millionen Franken. Über zwei Jahre hinweg macht das 1,2 Milliarden. Die restlichen gut 3 Milliarden ergäben dann die Grössenordnung für den Aktienrückkauf, sagen Quellen, die das Programm kennen.

Gebrochen werden soll auch mit dem, was man die «Abzocke» durch privilegierte Grossaktionäre nennen konnte. Dabei geht es um die sogenannten Cocos, hochverzinsliche Obligationen, die nach der Finanzkrise an Staatsfonds von Katar und die saudische Familie Olayan ausgegeben wurden, statt dass sich die CS wie die UBS vom Schweizer Staat retten liess.

Auch die Mitarbeiter sollen beruhigt werden

Ein Riesenfehler: 15 Milliarden Franken kostete es die zweitgrösste Schweizer Bank. Auch das wird sie am Mittwoch bekannt geben. 700 Millionen Franken Zins pro Jahr wurden so seit 2010 zu viel ausgeschüttet, 5,6 Milliarden im Total, so die heutige Beurteilung. Hinzu kamen knapp 10 Milliarden an Dividenden, die man auszahlte, obwohl eigentlich zu wenig Kapital vorhanden war. Verantwortlich macht man dafür bei der CS heute den ehemaligen CEO Brady Dougan. Auf hochverzinsliche Anleihen kann die Bank aber nicht ganz verzichten. Rund 3,5 Milliarden Dollar beschaffte sie kürzlich in London, verzinst zu stolzen 7,25 Prozent.

Gemäss Insidern sollen am Mittwoch nicht nur die Aktionäre beruhigt werden, sondern auch die Mitarbeiter. «Die Zeiten der Restrukturierung sind vorbei», so eine Kernbotschaft. Zwar gelte nach wie vor, dass die Effizienz jährlich um 2 bis 3 Prozent gesteigert werden soll, allerdings über natürliche Fluktuation und nicht über Entlassungen. Das sagt die Bank sogar «on the record», weil Gerüchte über Tausende von Entlassungen im Umlauf sind.

Ob das reicht, um der Aktie Schwung zu geben, ist trotzdem fraglich. Denn beunruhigen dürfte der Ausblick, den die Bank gibt. Nicht für sich selber, aber für die Konjunktur. Offenbar stellt sie sich auf eine Rezession in den USA ein.

Erstellt: 09.12.2018, 17:50 Uhr

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