«Etikettenschwindel» bei Meyer Burger

Der grösste Aktionär fordert den Rücktritt der langjährigen Verwaltungsräte.

Verwaltungsratspräsident Alexander Vogel: Er ist seit 20 Jahren bei Meyer BurgerFoto: Peter Schneider/Keystone

Verwaltungsratspräsident Alexander Vogel: Er ist seit 20 Jahren bei Meyer BurgerFoto: Peter Schneider/Keystone

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Der grösste Aktionär des Schweizer Solarausrüsters Meyer Burger macht weiter Druck. In einem Brief an den Verwaltungsrat fordert Sentis Capital unverblümt nicht mehr nur den Rücktritt des Verwaltungsratspräsidenten Alexander Vogel, sondern des grössten Teils des Gremiums. Einzig Hans-Michael Hauser und Eric Meurice sind gemäss Sentis-Sprecher Anton Karl unbelastet, alle andern sollen gehen.

Sentis, die dem russischen Investor Pyotr Kondrashev gehört, erhebt schwere Vorwürfe gegen die bisherigen Verwaltungsräte. So sei die Erhöhung der VR-Bezüge verschleiert worden, indem man den Amerikaner Michael R. Splinter zum Delegierten machte und 90 Prozent seines Lohns – 2017 waren es 471'000 Franken – dem Management zurechnete. Das sei «Etikettenschwindel».

745 Millionen Franken sind angeblich vernichtet worden

Splinter ist ein allseits aner­kannter Fachmann und gründete selber ein erfolgreiches Start-up. Aber er sitzt in den USA und hat neben jenem bei Meyer Burger viele andere Ämter in Firmen und Universitäten inne. Ob er viel Zeit für Meyer Burger hat, ist fraglich. Karl: «Die Bezeichnung von Splinter als Delegierter gegenüber der Generalversammlung verfolgte mutmasslich nur einen Zweck, nämlich seine Entschädigung nicht als Verwaltungsratshonorar ausweisen zu müssen, sondern als Geschäftsleitungshonorar.» Die Entschädigung betrug immerhin 50 Prozent des CEO-Salärs. Im Geschäftsbericht erscheint Splinter allerdings nicht im Organigramm der Geschäftsleitung. Beschrieben ist einzig seine Funktion als Mitglied des Executive-Ausschusses des Verwaltungsrats. Dessen Tätigkeit bestand in 28 Sitzungen, davon wurden 26 telefonisch abgewickelt.

Insgesamt stiegen sowohl die Bezüge der Geschäftsleitung wie jene des Verwaltungsrats um über 200'000 Franken – obwohl das Unternehmen 2016 nur knapp dem Konkurs entgangen war und notfallmässig eine Kapitalerhöhung durchführen musste.

Der Brief von Sentis Capital an die Andresse von Meyer Burgers Verwaltungsrat.

An der Börse ist das Thuner Unternehmen noch 445 Millionen wert. Beim Börsengang im November 2006 galt es als Hoffnungsträger für die Schweizer Solarindustrie. Das hat sich stark geändert. 994 Millionen Franken erhielt Meyer Burger bis heute von seinen Aktionären, wie Sentis in ihrem Brief an die Verwaltungsräte schreibt. Davon seien 745 Millionen vernichtet worden, der Grossteil im Zusammenhang mit zwei Grossakquisitionen in den Jahren 2009/2010. Damals kaufte Meyer Burger Diamond Wire und 3S für total 433 Millionen Franken. Der grösste Teil der übernommenen Firmen wurde seither wieder verkauft, im Fall von 3S an den ehemaligen Besitzer.

Dazu Sentis: «Ganz erstaunlich ist die Transaktion mit 3S, da ­diese Gesellschaft am Ende an einen der ursprünglichen Verkäufer zurückverkauft wurde. Dieser durfte das 3S-Geschäft, das Meyer Burger nur acht Jahre vorher für 346,9 Millionen Franken gekauft hatte, für einen Preis von 0,2 Millionen zurückkaufen.» Die Tatsache, dass Teile von 3S bei Meyer Burger verblieben, ändere nichts Wesent­liches am Misserfolg der Trans­aktion, und dieser sei auf das Versagen des Verwaltungsrats und insbesondere seines Übernahmeausschusses bei der Prüfung der Investitionen zurückzuführen. Vogel war immer Mitglied des Ausschusses. Deshalb sei es unzumutbar, dass er weiter im VR verbleibe, meint Karl. Dasselbe gelte für den Rest der langjährigen Verwaltungsräte.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 13.01.2019, 07:31 Uhr

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