Von Bern nach Zürich: SRG soll Zügelpläne auf Eis legen

Parteipräsidenten von links bis rechts fordern, dass der Umzug des Radiostudios nach Zürich gestoppt wird.

Durch die Verlegung der Studios von Bern nach Zürich will die SRG in Bern jährlich 5 Millionen Franken Kosten für Immobilien sparen. <nobr>Foto: Beat Mathys</nobr>

Durch die Verlegung der Studios von Bern nach Zürich will die SRG in Bern jährlich 5 Millionen Franken Kosten für Immobilien sparen. Foto: Beat Mathys

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Die Zügelpläne der SRG haben bereits hohe Wellen geschlagen. Das Unternehmen hatte vergangenes Jahr angekündigt, das Radiostudio von Bern nach Zürich zu verlegen. Schon heute sind Schweizer Radio und Fernsehen stark auf Zürich fokussiert. Bern würde als Medienstandort enorm an Prestige sowie zahlreiche Arbeitsplätze verlieren.

Kaum wurden die Pläne bekannt, reichten Politiker von links bis rechts eine parlamentarische Initiative ein. Sie verlangt, dass die SRG ihre Standorte über die Schweiz verteilen muss. Dessen ungeachtet treibt die SRG ihre Umzugspläne bis heute munter weiter.

Nun fordert eine breite Front von Politikern den SRG-Generaldirektor Gilles Marchand in einem Brief auf, die Umzugspläne sofort zu sistieren, bis die Politik über die Initiative entschieden habe. Die SRG dürfe den politischen Prozess nicht unterlaufen. Die Forderung wurde von den Parteipräsidenten der Grünen, der SP, der CVP, der BDP und der SVP unterzeichnet.

Man sehe «in der Zentralisierung einen Affront gegenüber der föderalen Schweiz, den Gebührenzahlern und den Regionen», heisst es im Schreiben. Trotz der hängigen Initiative investiere die SRG bereits unzählige Arbeitsstunden in die Realisierung der Umzugspläne, kritisieren die Parteipräsidenten. «Die entsprechenden Mittel werden damit dem Programm entzogen. Das befremdet uns», steht im Protestschreiben.

«Ein Affront gegenüber den Gebührenzahlern»: Parteipräsidenten wollen verhindern, dass das Studio Bern verschwindet.

Bei der SRG scheint man indessen nicht sonderlich beeindruckt vom Druck aus der Politik: «Die Umsetzung der Reformprojekte müssen wir – im Unwissen über den Ausgang der politischen Entscheide zu den parlamentarischen Initiativen – professionell vorbereiten und planen», sagt der SRG-Sprecher Edi Estermann. Für die Umsetzung der konkreten ­Projekte werde die SRG aber die ­Entscheide des Parlaments abwarten.

SRG-Spitze durfte an Anhörung der Kommission auftreten

Estermann begründet die Dringlichkeit mit dem Sparprogramm, das der Bund der SRG verordnet hat: Ziel der Reform sei, den Sparplan einzuhalten, ohne dem Programm zu stark zu schaden. Zudem wolle man möglichst wenig Personal abbauen. Durch die Verlegung der Studios nach Zürich will die SRG in Bern jährlich 5 Millionen Franken Kosten für Immobilien sparen. Je schneller die SRG zügeln könne, desto mehr könne sie sparen, argumentiert die SRG.

Die beiden vorberatenden Kommissionen des Parlaments haben sich zwar jüngst gegen die Initiativen ausgesprochen. Dennoch stehen die Chancen gut, dass das Parlament sie annimmt. Sowohl CVP- als auch SP-Parlamentarier haben sich an Fraktionssitzungen mit grossem Mehr für die ­Vorstösse ausgesprochen.

Für Beat Vonlanthen, CVP-Ständerat und Urheber der parlamentarischen Initiative, ist klar, warum sich die Kommissionen gegen das Anliegen ausgesprochen haben: Die SRG habe im Vorfeld aggressiv lobbyiert. So habe die SRG-Spitze samt PR-Chefin praktisch geschlossen an der Anhörung in der Kommission teilgenommen. Sie hatten laut Vonlanthen fast anderthalb Stunden Redezeit. Ihm als Initiant habe man ganz am Schluss zehn Minuten eingeräumt, eine anschliessende Diskussion sei vom Kommissionspräsidenten gleich ganz verhindert worden.



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Erstellt: 18.05.2019, 22:55 Uhr

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