Was sich Buchli, Wille & Co. alles anhören müssen

«Das muss jemand mit Brüsten machen»: Über Sexismus im Job reden Steffi Buchli, Susanne Wille, Tina Huber und Alain Gfeller.

Männerdominierte Sitzungen, herablassende Interviewpartner: Wie verbreitet Sexismus ist, diskutierten Tina Huber, Susanne Wille, Steffi Buchli und Alain Gfeller im Tamedia-Gebäude in Zürich. Foto: Andrea Zahler

Männerdominierte Sitzungen, herablassende Interviewpartner: Wie verbreitet Sexismus ist, diskutierten Tina Huber, Susanne Wille, Steffi Buchli und Alain Gfeller im Tamedia-Gebäude in Zürich. Foto: Andrea Zahler

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Jede zweite Journalistin berichtete in einer im Juni veröffentlichten anonymen Tamedia-Umfrage von sexuellen Übergriffen und Belästigungen bei der Arbeit.

Auch nach Sexismus wurde in der Online-Umfrage gefragt. Vorfälle also, die nicht als Belästigungen einzustufen sind, für die Betroffenen mitunter aber trotzdem mühsam oder unangenehm sind. Diese Ergebnisse liessen der Recherchedesk und das Datenteam der Tamedia aus Platzgründen unveröffentlicht – bis jetzt: 378 Journalistinnen und 254 Journalisten beantworteten die Frage, ob sie bei der Arbeit mit Sexismus konfrontiert seien. 80 Prozent der Teilnehmerinnen sowie 44 Prozent der Teilnehmer sagten Ja.

Am häufigsten werden Vorfälle beschrieben, bei denen Journalistinnen nicht für voll genommen werden – entweder im Vergleich zu männlichen Kollegen oder generell. Oft erwähnt wird auch, dass Journalistinnen besonders an Sitzungen marginalisiert oder übergangen werden, wegen ihres Geschlechts. In dieselbe Kategorie gehören die vielen Vorfälle, in denen ihre Ideen von Männern kopiert und dann plötzlich mit Erfolg an Sitzungen vorgeschlagen werden. Häufige Erwähnung finden zudem Beispiele von Lohnungleichheit.

Warum ist Sexismus im Journalismus ein Problem? Und was kann die Branche dagegen tun? Es diskutieren vier, die es wissen müssen: Steffi Buchli, Programmchefin von My Sports, «10 vor 10»-Moderatorin Susanne Wille, Tamedia-Redaktorin Tina Huber und der freie Journalist Alain Gfeller.

Sie arbeiten seit 16 Jahren in der Männerdomäne Sportjournalismus, Steffi Buchli. Wie fühlte sich das zu Beginn an – mit 25 Jahren?
Steffi Buchli: Ich war extrem angespannt, weil ich wusste, dass es wichtig ist, keinen inhaltlichen Fehler zu machen. Sonst würde man mir das als Nicht-Wissen auslegen. Heute bin ich davon überzeugt, dass ich diese Anspannung vor allem deshalb hatte, weil ich eine Frau in diesem Metier war. Weil man mir das nicht zutraute.

Wie spürten Sie diese Anspannung?
Buchli: Am Anfang sagte ich an Sitzungen kaum je ein Wort. Ich hörte einfach still zu. Es war ein Schön-dass-ich-da-sein-darf-Gefühl.

Geht es Männern nicht genauso, wenn sie jung und unerfahren sind?
Buchli: Ich habe viele Praktikanten und Praktikantinnen erlebt: Der Unterschied ist frappant. Vielleicht hat es mit der machoiden Sportwelt zu tun. Sie zieht noch immer viele an, die sich einfach mal in dicken Hosen hinsetzen. Die Zurückhaltung blieb für mich im Sportumfeld extrem weiblich. Männer strahlten aus: «Wow, endlich habt ihr mich in euren Reihen. Seid froh, dass ich da bin.»

Alain Gfeller: Das deckt sich mit meinen Beobachtungen aus dem Newsbereich. Im Sitzungszimmer steht ein Tisch, es hat nicht genügend Stühle. Da sieht man, wer sich mit welchem Selbstverständnis wo platziert. Die Praktikantinnen stellen sich in die zweiten Reihe, nahe an die Wand. Die Praktikanten setzen sich breitbeinig an den Tisch.

Waren Sie auch so zurückhaltend, Susanne Wille?
Susanne Wille: Der Politjournalismus ist auch eine Männerdomäne. Und wie Steffi war ich sehr jung, 26, als ich mit «10 vor 10» eine Primetime-Sendung moderierte und als Reporterin anfing. Ich erinnere mich an das Gefühl, mir keine Fehler leisten zu können. Natürlich registrierte ich Dinge, die wohl mit meinem Frausein zu tun hatten – aber ich fokussierte darauf, meinen Job zu machen und dem Druck standzuhalten. Auch dem öffentlichen Druck. Das trieb mich an.

Bekamen Sie Unterstützung?
Wille: Die Medienbranche ist eine Branche, in der man sich per se durchsetzen muss. Aber ich komme aus einer grossen Familie, in der immer sehr viel diskutiert wurde. Meine Meinung zählt etwas – das gaben mir meine Eltern mit. Und dieses Rüstzeug half mir am Anfang.

Sie hatten das Gefühl, dass man Sie mit 26 ernst nimmt?
Wille: Ja. Aber ich musste es mir verdienen. Mit Argumenten. Mit Reportagen. Gfeller: Wenn eine Journalistin etwas sagt, ist sie auf auf dem Prüfstand. Von einem Journalisten heisst es: «Cooler Input.»

In welchen Arbeitssituationen sind Sie mit Sexismus konfrontiert, Tina Huber?
Tina Huber: In den männerdominierten Ressorts spürte ich manchmal, dass ich nicht wirklich ernst genommen werde. Ich kann es aber nicht mit Sicherheit auf mein Geschlecht zurückführen. Ich war ja noch jung und unerfahren, und ich komme aus dem Online. Alles Faktoren, die einen in der Hierarchiestufe tief halten. Im Gesellschaftsressort arbeite ich nun in einem reinen Frauenteam – da stellt sich das Problem weniger. Eine Teamkollegin erlebt allerdings regelmässig, dass Leser sie über ihr Äusseres angreifen. Und intern sind wir oft auf stereotype Themen gebucht – Flipflops im Büro, zum Beispiel. Als wäre ich darin Expertin.

Buchli: Beim Lesen der Tamedia-Umfrage habe ich gemerkt, wie abgehärtet ich gegenüber Aussagen bin, die klar sexistisch sind. Frauenverachtend. Ich werde nicht mal mehr wütend – weil ich schon so viel Mist gehört habe. Das finde ich ziemlich krass.

Wie reagieren Sie auf sexistisches Verhalten? Die vier Medienschaffenden antworten im Video. (Video: Anthony Ackermann, Jasmine Brönnimann, Sacha Schwarz)

Können Sie einen bestimmten Spruch nennen?
Buchli: Eine Journalistin erzählte, bei der Zuteilung der Themen heisse es jeweils, das müsse jemand mit Brüsten machen. Ich dachte: Wie ätzend ist denn das? Dann wurde mir bewusst, wie oft ich selbst solche Sprüche habe anhören müssen. Ob ich Kaffee holen könne, zum Beispiel.

Wie reagieren Sie darauf?
Buchli: Ich habe eine burschikose Art, fahre mal einen Konter. Meist lache ich solche Sprüche weg. Eigentlich wäre es besser, die Person wissen zu lassen, sie solle so etwas nie mehr sagen…

Wille: Ich mache das. Nulltoleranz! Es ist ganz wichtig, für sich selber oder für Kolleginnen einzustehen. Ich würde lügen, wenn ich sagte, ich hätte in 20 Jahren Politjournalismus nie eine Bemerkung gehört, die mich auf mein Geschlecht reduziert. Aber ich wählte für mich früh einen anderen Weg als du, Steffi. Ich wehrte mich. Und begann, darüber zu schreiben: etwa Kolumnen über die Darstellung der Frauen in den Medien. Wir haben, das zeigt die #MediaToo-Recherche, grossen Handlungsbedarf. Das Thema Sexismus im Journalismus beinhaltet auch die Frage, wie man mit Frauen am Arbeitsplatz grundsätzlich umgeht.

Was ist für Sie tolerierbar? Wo ziehen Sie Grenzen?
Wille: Natürlich müssen wir aufpassen, dass wir nicht ein Klima schaffen, in dem gar nichts mehr erlaubt ist. Man spürt aber sehr gut selbst, was akzeptabel ist. Wenn etwas nicht akzeptabel ist, kann man sich gegenseitig korrigieren.

Buchli: Alles, was abwertend ist, nur auf die Beurteilung des Äusseren hinausläuft, geht gar nicht. Hat eine junge Frau im Sommer enge Hosen an, kannst du dir ja vor einem Spruch überlegen: Würde ich das je zu einem jungen, knackigen Mann sagen? Never ever!

Huber: Wenn meine Kolleginnen oder ich jemanden zur Rede stellen, hören wir oft: «Es war nicht so gemeint.» Da müssen wir sagen: «Aber ich habe es so empfunden!»

Wille: Deshalb ist eure #MediaToo-Recherche so wichtig: Sie gibt dem Thema eine ganz andere Schubkraft. Wir reden darüber – das ist ein ganz wichtiger Schritt. Egal, ob bewusster oder unbewusster Sexismus: Man muss als Unternehmen und als Team irgendwie sagen: Hey, wir billigen das nicht.

Buchli: Seit ich in leitender Position tätig bin, kann ich mehr Einfluss nehmen. Kürzlich wollte unsere Redaktion ein Voting der hübschesten Spieler machen. Frauen beurteilen bei Sportlern nicht das Können, sondern nur das Äussere. Das war mir zu klischiert. Ich entschied: Nein, so berichten wir nicht.

Alain Gfeller, Sie haben eine Diplomarbeit zu Sexismus in den Medien geschrieben. Was läuft Ihres Erachtens schief?
Gfeller: Es ist dieses Männergetue: Er hat mich unterstützt, also unterstütze ich ihn ebenfalls. Da entstehen Netzwerke, Seilschaften. Wie Männer über Frauen berichten! Nur schon die Sprache! Immer nur die männliche Form! Das macht mich enorm wütend!

Was empfehlen Sie jungen Leuten in solchen Situationen? Buchli, Wille, Huber und Gfeller geben Tipps. Video: Anthony Ackermann, Jasmine Brönnimann, Sacha Schwarz

Buchli: Es ist schön, wie empört du bist. (alle lachen) Ich versuche, mich auf die Dinge zu konzentrieren, die ich verändern kann. Unsere Grundhaltung zum Beispiel. Ich bewundere die Französinnen: Das Selbstverständnis, das sie in ihrem Auftritt haben – das haben wir noch nicht. Aber wir können junge Journalistinnen lehren, dass sie laut und bestimmt sein und ihr Wissen mit einer Selbstverständlichkeit auf den Tisch legen können, wie es jeder Mann auch kann.

Wille: Oder wir schaffen eine Kultur, in der man sich durchsetzen kann, ohne laut zu sein.

Gfeller: Frankreich ist auch sehr patriarchal geprägt. Dennoch haben gerade bei den Medien die Frauen im Vergleich zur Schweiz einen jahrelangen Vorsprung. Vor der bekannten Journalistin Anne Sinclair etwa haben alle Politiker Angst. Immer wieder sah ich am Fernsehen Moderatorinnen, Journalistinnen, Korrespondentinnen in kugelsicheren Westen und Helmen in Kriegsgebieten…

Wille: Aber Alain, wir haben mittlerweile auch Topkorrespondentinnen in aller Welt, wir haben starke Frauen in der Bundeshaus-Redaktion. Was mich viel mehr umtreibt: Die Medien sind diejenigen, die sich als vierte Gewalt das Recht herausnehmen, die Macht zu hinterfragen und kritisch hinzuschauen. Deshalb finde ich schon, dass sie auch in Fragen der Gleichstellung und des Sexismus Vorbildfunktion einnehmen müssen. Sie müssen Leuchttürme sein. Sonst setzen wir uns dem Vorwurf aus, scheinheilig zu sein: Wir decken anderswo Missstände und sind selbst nicht besser.

Hat die #MeToo-Bewegung für eine junge Journalistin etwas verändert, Tina Huber?
Huber: Es macht einen grossen Unterschied, in welchem Umfeld man sich bewegt. Von Kolleginnen weiss ich, dass sie als Frauen in mehrheitlich männerdominierten Ressort nach wie vor exponierter sind und sich stärker beweisen müssen.

Wille: Entscheidend ist, Beleidigungen nicht einfach stehen zu lassen. Ein Interviewpartner war nach einem kritischen Interview sehr wütend. Er deckte mich mit äusserst diskriminierenden und frauenfeindlichen Sprüchen ein. Unterste Schublade. Da verlangte ich eine schriftliche Entschuldigung. Und ich bekam sie.

Gfeller: Es gibt viele Männer, die vehement abstreiten würden, Sexisten zu sein – und doch verhalten sie sich sexistisch. Mehr als einmal bin ich auf einen von ihnen zugegangen und habe ihm unter vier Augen gesagt: «Weisst du, dass du dich Frauen gegenüber anders verhältst?» Meistens reagieren sie total erstaunt – aber passen ihr Verhalten an. Da tut sich was.

Wille: Es hat sich schon viel verändert. In unserem Newsroom arbeiten zur Hälfte Frauen…

Buchli: … aber es gibt immer noch bei jeder Wahl einer Bundesrätin die Diskussion über ihre Kleider. Das Bild der Frau in den Medien ist nach wie vor drastisch falsch.

Wille: Wenn man über Sexismus in den Medien spricht, muss man auch darüber sprechen: Exponierte Frauen werden immer noch gern reduziert, verniedlicht, sexualisiert oder auf die Mutterrolle reduziert. Zum Beispiel Ursula von der Leyen: Sie kandidierte für das EU-Kommissionspräsidium – und die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» karikiert sie als Playboyhäschen in einer aufreizenden Pose. So etwas geht nicht.

Was braucht es, damit sich wirklich etwas ändert? Die Journalistinnen und Journalisten suchen Lösungen. Video: Anthony Ackermann, Jasmine Brönnimann, Sacha Schwarz

Was wollen Sie dagegen tun?
Wille: Bei der SRG passiert derzeit enorm viel. Eine Umfrage zeigte, dass es vor allem bei Laufbahnförderung und Chancengleichheit Aufholbedarf gibt. Deshalb haben wir definiert, was passieren muss, damit das System fairer wird: Zum Beispiel, dass Stellen nicht mehr nur für 100 Prozent ausgeschrieben werden sollen.

Und das wird auch umgesetzt?
Wille: Was vor allem die Spielregeln verändert: Die SRG-Geschäftsleitung hat Ende August beschlossen, Gleichstellung und Diversity in der Unternehmensstrategie zu verankern. Die Themen werden also nicht einfach in einer Charta oder in einer Grundsatzerklärung festgehalten, sondern sollen fester Teil unseres Selbstverständnisses werden. Wir können uns bei kleinen Änderungen auf diese Strategie berufen. Flexible Arbeitszeitmodelle, Jobsharing, Homeoffice. Dass Sitzungen nicht mehr zu Zeiten stattfinden, zu denen man Kinder in die Betreuung bringen oder sie abholen muss.

Huber: Wir müssen auch bei uns selber anfangen. Ich merke, dass ich Themen präsentiere und sie beim kleinsten «Aber» zurückziehe. Andere boxen ihre Ideen durch. Oder ich hinterfrage mich stundenlang, wenn der Ton im Redaktionsalltag ruppig und laut wird, genauso meine Kolleginnen. Männer vergessen das nach fünf Minuten. Wir sind vielleicht zu sensibel. Und könnten auch auf unserer Ebene viel ändern: Indem wir Verbündete suchen…

Buchli: ... und indem wir taktieren, uns Ziele setzen, Strategien entwerfen. Leider trauen wir uns das zu selten. Wenn wir so vorgehen, fühlen wir uns ja selbst fast wie Verbrecherinnen.

Gfeller: Wir brauchen einen Kulturwandel. Es kann nicht sein, dass die Frauen die männliche Kultur übernehmen. Das kann schon damit beginnen, dass ein Vorgesetzter in einer Sitzung die Frauen um ihre Meinung fragt.

Wille: Ich glaube an die Kraft von Frauen, die sich selber organisieren. Zum Beispiel am Frauenstreiktag: Ich habe als Leiterin des Steuerungs- und Qualitätsboards im Newsroom einen «Femmes-Tisch» ins Leben gerufen, in Anlehnung an den «Stammtisch». Es war ein Versuch. Nun sehe ich, welche Kreativität von dieser Runde ausgeht. Das ist kein Gejammer, das sind konstruktive Arbeitstreffen. Wir haben schon viel bewegen können.

Gibt es die berühmte gläserne Decke noch?
Buchli: Ich habe meine ganze Schwangerschaft damit verbracht, meinen Chefs zu versichern, dass ich nach der Geburt wieder arbeiten werde. Die wollten mich gleich aus allen Projekten rausnehmen, weil sie daran zweifelten. Das ist eigentlich auch eine gläserne Decke, oder? Frauen werden eingeschränkt, die sich selbst gar nicht eingeschränkt fühlen.

Wille: Genau deshalb ist es so wichtig, dass wir uns vernetzen und selber an Lösungen arbeiten.

Buchli: Unlängst erzählte mir eine Frau, dass sie beim Jahresgespräch vom Chef gefragt wurde, wie es mit der Familienplanung aussehe. Zeigt mir einen Mann im Universum, der sich so eine dumme Frage anhören muss.

Herr Gfeller, in Ihrer Arbeit schreiben Sie, dass Frauen auch in Bewerbungsgesprächen dazu befragt werden.
Buchli: Das ist doch offiziell ein No-go!

Gfeller: Das erzählten die Frauen aber immer wieder. Männer hingegen werden nie zur familiären Situation befragt. Das weiss ich aus eigener Erfahrung: Als meine Partnerin und ich ein Kind erwarteten, war die Mutter meines ersten Kindes todkrank. Im Job hat mich niemand gefragt: Wie bekommst du das auf die Reihe?

Buchli: Wenn in Vorstellungsgesprächen Fragen zur familiären Situation gestellt werden, müssen wir aufstehen und sagen: «So geht das nicht!». Klar, das braucht Mut.

Huber: Wir sind als junge Frauen exponiert, das ist streng und unangenehm, aber es bietet auch Vorteile. Steffi, du hast doch von der Rolle als einzige Frau in der Sportberichterstattung auch profitiert?

Buchli: Natürlich, immer wieder. Und ich kann heute sagen: «Halt. Das geht zu weit!» Ich habe eine Position im Unternehmen und in der Branche, wie Susanne auch. Aber mit dem im Journalismus grassierenden Praktikantentum gibt es immer mehr Leute, die sich niemals trauen würden, aufzustehen und sich zu wehren. Weil sie von einer Festanstellung träumen. Dort ist die Gefahr von Übergriffen am grössten. Da deckt sich #MediaToo mit #MeToo. Prominente Frauen können leichter von Übergriffen berichten, die sie vor langer Zeit erlebten. Aber besonderen Schutz brauchen jene, die in der Hierarchie ganz unten stehen.

Recherchehinweise an simone.rau@tamedia.ch simone.rau@tamedia.ch

Verantwortlich Umsetzung Online: Hannes von Wyl


Dieses Gespräch ist Teil einer Recherche des Recherchedesks und des Datenteams der Tamedia zu sexuellen Belästigungen und Sexismus in der Medienbranche. Sie basiert auf einer anonymen Online-Umfrage, die per E-Mail an 3429 Medienschaffende aus Print, Fernsehen, Radio und Online ging, die etwa in einem Impressum oder Organigramm verzeichnet waren. Sie ist nicht repräsentativ, doch der grosse Umfang der Rückmeldungen verleiht den Ergebnissen Gewicht.

Hier lesen Sie alle Artikel sowie den Podcast zur Recherche:



Dieser Text stammt aus der aktuellen Ausgabe. Jetzt alle Artikel im E-Paper der SonntagsZeitung lesen: App für iOSApp für AndroidWeb-App

Erstellt: 15.09.2019, 07:58 Uhr

Steffi Buchli, 40, ist seit 2017 Programmchefin und Moderatorin von My Sports. Zuvor moderierte sie über 10 Jahre lang diverse Sportsendungen beim Schweizer Radio und Fernsehen SRF. (Bild: Andrea Zahler)

Susanne Wille, 45, ist Politjournalistin und Moderatorin beim Schweizer Radio und Fernsehen SRF. Sie moderiert «10 vor 10»und leitet das Qualitäts- und Steuerungsboard des Newsrooms. (Bild: Andrea Zahler)

Tina Huber, 32, schreibt seit 2017 für das Gesellschaftsressort der Redaktion Tamedia. Davor war sie drei Jahre lang Nachrichtenredaktorin und Blattmacherin Online bei tagesanzeiger.ch/newsnet. (Bild: Andrea Zahler)

Alain Gfeller, 42, ist hauptberuflich Hausmann. Der selbstständige Journalist hat nach 20 Jahren in den Medien kürzlich die Schweizer Journalistenschule MAZ mit einer Arbeit zum Thema Sexismus in den Medien abgeschlossen. (Bild: Andrea Zahler)

Artikel zum Thema

Was sexuelle Belästigung ist, sagen die Betroffenen

Kommentar Die Grenzen sind nicht bei allen Menschen gleich definiert. Also müssen Unternehmen ihre Angestellten schützen. Mehr...

«Ein Politiker stöhnte mir auf die Combox»

Meist werden Journalisten in der #MediaToo-Umfrage als Beschuldigte genannt. Doch in 34 Fällen berichten Männer selbst von Belästigungen. Mehr...

«Ich würde dich gerne von oben bis unten abschlecken»

Wie vier Journalistinnen sexuelle Belästigung erlebt haben. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

SonntagsZeit. Im Digital-Abo.

Die SonntagsZeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 10.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Geldblog Warum sich teure Fonds oft nicht auszahlen
Mamablog Mama, bleib doch mal stehen!

Die Welt in Bildern

Bitte lächeln: Frankie die Bordeauxdogge stellt sein Löwenkostüm zur Schau. Er nimmt mit seinem Herrchen an der Tompkins Square Halloween Hundeparade in Manhattan teil (20. Oktober 2019).
(Bild: Andrew Kelly) Mehr...