Wer Frauen und Schwule schlägt, gehört nicht zur Schweiz

Jeder fünfte junge Muslim findet es okay, seine Frau zu verprügeln. Das darf ein aufgeklärter Staat nicht akzeptieren.

Illustration: Kornel Stadler

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Wie modern eine Gesellschaft ist, lässt sich nicht zuletzt an zwei Dingen ablesen: an ihrer Religiosität und an ihrem Umgang mit den Frauen. Stufe null auf der Skala ist das Mittelalter, als die Kirche den Alltag dominierte, die Frauen ausschloss, sie gar als Hexen verbrannte. Stufe zehn ist ein gleichberechtigtes Miteinander der Geschlechter – bei dem Wissenschaft und Vernunft jegliche Form von Glauben dominierten.

Emanzipation, Bildung und Religion korrelieren zwar nicht zwingend – allzu oft allerdings schon, leider. Das zeigte sich auch diese Woche, als die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ihre Studie über «Toxische Männlichkeit» publizierte. Die Forscher hatten in zehn Kantonen 8300 Jugendliche im Alter von 17 und 18 Jahren nach ihrer Einstellung zur männlichen Gewalt gegen Frauen befragt – und die Ergebnisse sind beachtlich.

Nicht weniger als 19,4 Prozent der jungen Muslime in der Schweiz finden es okay, wenn ein Mann seine Frau schlägt, um sich als Oberhaupt der Familie durchzusetzen. Jeder fünfte junge Muslim – befragt wurden junge Männer mit Migrationshintergrund aus dem Kosovo, aus Mazedonien und Sri Lanka – hat in seinem Elternhaus also Normen und Werte vermittelt bekommen, die eher in Richtung Mittelalter tendieren und mit einer aufgeklärten Gesellschaft, wie sie die Schweiz sein will, nichts zu tun haben.

Eine Überraschung sind die Resultate leider nicht.

Bei den Jugendlichen mit katholischem Hintergrund stimmten noch 7,1 Prozent mit diesem urpatriarchalischen Rollenbild überein, bei den Protestanten waren es 4,5 Prozent und bei den Konfessionslosen 4,8 Prozent. Damit sind sie rund viermal weniger gewaltaffin gegenüber Frauen als junge Muslime.

Eine Überraschung sind die ­Resultate leider nicht. Wer die ­Geschichten von Frauen aus dem Ausgang und der Schule kennt, wer die aktuellen Studien liest, laut denen Migrantinnen häufiger und gravierender von häuslicher Gewalt betroffen sind – wer aber auch Schwulen und Lesben zuhört, die von jungen Muslimen schikaniert und teils gar geschlagen werden –, der weiss, dass ein Teil dieser Zuwanderer ein Verhalten an den Tag legt, das ein moderner, selbstbewusster Staat nicht akzeptieren darf.

Tatsächlich könnte man fast schon erstaunt sein, dass es nur 20 Prozent sind. In den muslimischen Heimatländern ist derlei Rückständigkeit weit verbreiteter. Diesen Sommer zum Beispiel veröffentlichte BBC News Arabic eine gross angelegte Umfrage, die zeigte, dass auch 2019 in praktisch sämtlichen arabischen Ländern Ehrenmorde immer noch akzeptierter sind als Homosexualität.

Es braucht offensichtlich klare Grenzen und Sanktionen.

Die gute Nachricht ist, dass laut BBC der Einfluss der Religion in den arabischen Ländern ebenfalls schwindet – und sich das Frauenbild in gleichem Masse verbessert. Genauso wie in der Schweiz bereits Tausende eingewanderte Muslime ihren veralteten Rollenbildern abgeschworen haben.

Bei anderen braucht es ganz offensichtlich klare Grenzen und Sanktionen, die der Staat etablieren und durchsetzen muss. Wenig hilfreich sind dabei jene Politiker und Frauenrechtlerinnen, die zwar für sprachliche Gleichberechtigung oder Lohngleichheit auf die Strasse gehen – ausländische Gewalt gegen Frauen aus falscher Rücksichtnahme jedoch stillschweigend in Kauf nehmen und eine offene Debatte darüber verhindern.

Genauso wie die islamischen Verbände in der Schweiz, die das Thema stets verharmlosen – und so unter Verdacht geraten, eher religiöse Gegen-Integration zu betreiben als sich einer modernen und gleichberechtigten Welt anpassen zu wollen.

Erstellt: 07.09.2019, 23:00 Uhr

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