Wer in der Schweiz 2019 Jobs schafft – und wer abbaut

Die «SonntagsZeitung» hat bei Personalchefs der Schweizer Firmen nachgefragt. Die Liste.

Im Geschäfts­zentrum «The Circle» beim Flughafen Zürich sollen auf einen Schlag 6500 Arbeitsplätze entstehen. Visualisierung: PD

Im Geschäfts­zentrum «The Circle» beim Flughafen Zürich sollen auf einen Schlag 6500 Arbeitsplätze entstehen. Visualisierung: PD

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Die Migros, die Swatch Group, Google und der Industriekonzern Georg Fischer waren im zu Ende gehenden Jahr die wichtigsten Jobmacher. Das zeigt eine Umfrage unter den grössten Arbeitgebern der Schweiz. Auch bei der Spitalgruppe Hirslanden gab es ein grosses Stellenwachstum; darin enthalten sind allerdings 516 Stellen, die durch die Übernahme der Clinique des Grangettes im September hinzugekommen sind. Auf der anderen Seite stechen die Staatsbetriebe Post, SBB und Swisscom als grösste Jobabbauer hervor. Mehrere Hundert Stellen abgebaut haben auch die Credit Suisse und der Versicherungskonzern Zurich.

Für die Beschäftigten war es unter dem Strich ein ausgezeichnetes Jahr. Die saisonbereinigte Arbeitslosenrate sank auf 2,4 Prozent, die Zahl der Beschäftigten stieg auf den Rekordwert von 5,07 Millionen. Und gemäss dem Jobradar der Firma X28, die alle Stellen erfasst, die auf den Websites der Unternehmen und der Personaldienstleister ausgeschrieben sind, nahm die Zahl der offenen Stellen auf 175404 zu. Besonders gross ist die Zahl der Vakanzen in der Gastronomie und Hotellerie, dem Gesundheitswesen, im Detailhandel, dem Baugewerbe, der Informatik, der Elektro- und Medizinaltechnik und dem Maschinenbau.

Das Jobwunder wird im neuen Jahr weitergehen. 43 von 104 befragten Arbeitgeber geben an, sie planten einen weiteren Aufbau von Arbeitsplätzen. Nur fünf Unternehmen planen einen Stellenabbau: die Schweizerische Post, der Pharmakonzern Novartis, der Gesundheitsriese Johnson & Johnson, die Radio- und Fernsehbetreiberin SRG und das Berner Bahnunternehmen BLS.

Gute Zeiten für Informatikspezialisten

Bemerkenswert ist, dass eine ganze Reihe von Unternehmen die Digitalisierung als Ursache für das Schaffen neuer Jobs angibt. Etwa die Grossbank UBS. Sie schuf in der Schweiz im abgelaufenen Jahr 355 neue Stellen. Das habe «zu einem grossen Teil mit der Digitalisierung zu tun», sagt Sprecherin Eveline Müller Eichenberger. Die UBS rekrutiere hier weitere Fachkräfte, zum Beispiel in den Bereichen Projektmanagement, Data- und Business-Analyse und Engineering. Das werde auch 2019 geschehen: «Der Trend, weitere Fachkräfte im Digitalisierungsbereich zu rekrutieren, wird weitergehen.»

Einer der grössten Versicherer, die Mobiliar, kündigt an, im neuen Jahr 150 neue Vollzeitstellen zu schaffen – ebenfalls wegen der Digitalisierung. Die Agrargenossenschaft Fenaco (Volg, Landi, Ramseier, Agrola) will laut Sprecherin Alice Chalupny «bei der Digitalisierung der Landwirtschaft eine führende Rolle einnehmen» und baut deshalb die Zahl der Informatikspezialisten aus. Der grösste Kabelnetzbetreiber der Schweiz, UPC, der Versicherer Vaudoise und der Sanitäranbieter Geberit planen ebenfalls, im digitalen Bereich Stellen aufzubauen.

Einer der grössten Jobmacher im Digitalbereich wird in den kommenden Jahren Google. Beim Betreiber der meistbesuchten Website der Welt ist der Zürcher Sitz das grösste Entwicklungszentrum ausserhalb der USA. Mittlerweile arbeiten mehr als 2500 Beschäftigte aus 85 Ländern bei Google Schweiz. Vor gut einem Jahr kündigte Google an, dass «über die kommenden Jahre bis zu 5000 Arbeitsplätze in Zürich geschaffen werden könnten» – dies jedoch ohne genaue Jahresangabe.

Ausbau der Langstreckenflotte

Auffällig ist, dass die Versicherungsbranche, die in den vergangenen Jahren bei den Arbeitsplätzen auf die Bremse gestanden ist, wieder auf Wachstumskurs geht. Die Zürich-Versicherung etwa, die im abgelaufenen Jahr 500 Stellen gestrichen hat, wird in den nächsten ein bis zwei Jahren rund 150 zusätzliche Kundenberater einstellen. Auch die grösste Krankenkasse CSS, die Groupe Mutuel, die Mobiliar, die Swica, die Vaudoise und die Visana planen im neuen Jahr einen Ausbau ihres Personalbestands.

Nicht nur das Bedürfnis nach Versicherungslösungen, sondern auch die ungebrochene Reiselust der Schweizerinnen und Schweizer sorgt für ein Jobwachstum. Dies zeigt sich besonders eindrücklich am Flughafen Zürich. Die Swiss, die bereits im abgelaufenen Jahr 113 neue Stellen geschaffen hat, wird zu Beginn des neuen Jahres noch mehr ausbauen.

Grund ist der Ausbau der Langstreckenflotte um zwei neue Boeing 777. Sprecher Florian Flämig sagt: «Anfang 2019 wachsen wir erneut mit zwei Langstreckenflugzeugen und schaffen damit Hunderte von neuen Arbeitsplätzen, am Boden, aber vor allem auch an Bord unserer Flugzeuge.» Aufgrund des starken Wachstums stellt die Swiss im neuen Jahr 650 Flight Attendants und rund 60 bis 80 Piloten ein.

Exportindustrie profitiert von guter Konjunktur im Ausland

Der Ausbau der grössten Schweizer Fluggesellschaft wirkt sich positiv auf den Personalbestand anderer Unternehmen am Flughafen Zürich aus. Der Bodenabfertiger Swissport rechnet für 2019 aufgrund der vorhergesagten Steigerung der Flugbewegungen mit einem Stellenaufbau. Der Flugzeugwarter SR Technics erwartet ein Wachstum des Geschäftsbereichs Turbinenwartung, -reparatur und -überholung am Flughafen Zürich. Auch an den Flughäfen Basel und Genf will er seine Wachstumspläne fortsetzen. Der Flughafen Zürich selber geht wegen der stetig steigenden Passagierzahlen von einem weiteren Ausbau seiner Arbeitsplätze aus.

Nicht zuletzt wird das gigantische Projekt «The Circle» am Flughafen für neue Jobs sorgen. Auf der grössten Baustelle der Schweiz werden derzeit jeden Tag eine Million Franken verbaut. Ende 2019 soll das Dienstleistungszentrum mit Büros, Hotels, Restaurants, Läden und einer Filiale des Universitätsspitals Zürich eröffnet werden. Dann entstehen hier auf einen Schlag 6500 Arbeitsplätze.

Das Wallis wird profitieren

Die Hochkonjunktur in fast allen Weltregionen wirkt sich positiv auf die Schweizer Exportindustrie aus. Die Swatch Group, die grösste industrielle Arbeitgeberin der Schweiz, hat im abgelaufenen Jahr 800 Stellen geschaffen. Konzernchef Nick Hayek zeigt sich auch für 2019 optimistisch.

Das Wallis wird vom kräftigen Wachstum des Chemikalienherstellers und Pharmazulieferers Lonza profitieren. Er baut zurzeit in Visp einen neuen Produktionskomplex für die Pharma- und Biotechindustrie. «Aufgrund der Wachstumsprojekte am Standort in Visp werden in den kommenden Jahren mehrere Hundert neue Stellen aufgebaut», sagt Sprecher Renzo Cicillini.

Weitere Industriefirmen wie Schindler, Bosch, Pilatus, Endress & Hauser, Conzzeta, Mikron oder Victorinox berichten von einer guten Auslastung – und planen entsprechend den Ausbau von Arbeitsplätzen in der Schweiz.

Hier gehts zur Stellenumfrage.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 30.12.2018, 14:53 Uhr

Die Jobmacher-Umfrage

Zum Jahresende befragte die SonntagsZeitung die grössten Arbeitgeber der Schweiz, wie sich die Zahl ihrer Arbeitsplätze 2018 entwickelte und ob sie im neuen Jahr Stellen auf- oder abbauen. Mehr als neun von zehn angefragten Firmen machten mit. Nicht befragt wurden die öffentlichen Verkehrsbetriebe, die kantonalen und städtischen Spitäler sowie die Verwaltungen von Bund, Kantonen und Städten – obwohl auch sie grosse Arbeitgeber sind. Aufgrund des grossen Teilnehmerfelds vermittelt die Umfrage ein gutes Bild, ob im kommenden Jahr die Zahl der Stellen steigt, stabil bleibt oder abnimmt. (pbu)

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