Wie Iqbal Khan zu seinem Grundstück in Herrliberg kam

Warum kaufte der ehemalige CS-Kadermann ausgerechnet das Haus neben seinem damaligen Chef? Eine Spurensuche.

Die Villen von Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam (mit Rundbau) und Iqbal Khan (Backsteinhaus) in Herrliberg ZH. Foto: Niklaus Wächter / Reportair

Die Villen von Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam (mit Rundbau) und Iqbal Khan (Backsteinhaus) in Herrliberg ZH. Foto: Niklaus Wächter / Reportair

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An der Busenhard­strasse in der Goldküstengemeinde Herrliberg leben zwei Bankmanager, die in den vergangenen Wochen weltweit für Schlagzeilen gesorgt haben: Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam und sein früherer Konzernleitungskollege Iqbal Khan, der für das internationale Vermögensverwaltungsgeschäft zuständig war und heute bei der Konkurrentin UBS arbeitet. Am Millionenhang oberhalb des Zürichsees liegt eine der Ursachen des Streits zwischen den beiden Alphatieren begraben.

Nachbarschaftliche Beziehungen können schnell in die Brüche gehen, gerade wenn es um Banalitäten wie Thuja-Bäume geht. Wenn nun ein Mitarbeiter in die unmittelbare Nähe seines Chefs zieht, ist die Sache noch einiges verzwickter. Selbst wenn es keinen Nachbarschaftsstreit gibt, bleibt die Nähe von Chef und Mitarbeiter heikel. Es gibt wohl kaum einen Vorgesetzten, der sich nicht bedrängt fühlte. Er muss immer damit rechnen, dass sein Mitarbeiter jederzeit im Bild ist, wer in seinem Haus ein und aus geht.

Zerstrittene Nachbarn: Iqbal Khan (links) lebt direkt neben seinem früheren Chef Tidjane Thiam.

Thiam jedenfalls wollte die Nähe nicht und soll Khan gebeten haben, das Haus wieder zu verkaufen. Das erzählte Khans früherer Lehrmeister, ein Treuhänder, gegenüber dem «SonntagsBlick».

Als mögliche Erklärung für den Erwerb kam bald auf, Khan habe das Grundstück nur deshalb gekauft, weil es der Familie seiner Frau gehört habe. Diese Version ging um die Welt. Auch die «Financial Times» kolportierte sie. Doch diese Information ist nachweislich falsch.

Gemäss dem Herrliberger Grundbuchamt gab es vor Khan zwei Vorbesitzer. Das Grundstück wurde 1980 bebaut und gehörte bis 2012 dem Anwalt W. K.* beziehungsweise dessen Frau. Dann ging es in den Besitz von R. V.* über, die die Liegenschaft nur zwei Jahre besass. Offenbar wollte sie das Gebäude renovieren, liess dieses Vorhaben dann aber fallen. Weder W. K. noch R. V. sind mit der Familie von Khans Frau verwandt.

Thiam war ein halbes Jahr vor Khan in Herrliberg

Warum kaufte Khan dann? Eine weitere in Medien verbreitete Spekulation geht in die Richtung, er habe nicht gewusst, dass sein direkter Nachbar sein Chef sei. Kann das sein? Rückblende: 2015 wurde Thiam Chef der Credit Suisse. Er trat sein Amt am 1. Juli an. Die Villa des bekannten Unternehmensberaters Martin Wittig stand zum Verkauf, sie war auch auf der Immobilienplattform Homegate ausgeschrieben.

Noch im Juni unterschrieben Thiam und Wittig einen Vorvertrag. Dies machte die «Bilanz» Ende Juni bekannt. Bereits vor Stellenantritt habe sich Thiam bei der Gemeinde Herrliberg angemeldet, schrieben die «Zürichsee-Zeitung» und etliche weitere Medien damals. Die offizielle Überschreibung im Notariat erfolgte am 28. September 2015. Doch seit Ende Juni war öffentlich bekannt, wo Thiam seine Zelte aufgeschlagen hatte.

Khans Termin beim Notar für die Grundbuchüberschreibung fand dagegen erst am 21. Dezember 2015 statt, also rund ein halbes Jahr nachdemThiams Wohnsitznahme in Herrliberg bekannt geworden war. Es ist darum wenig wahrscheinlich, dass Khan zum Zeitpunkt der Überschreibung im Dezember nicht gewusst haben soll, dass sein Chef in unmittelbarer Nachbarschaft lebt.

Auszüge aus dem Grundbuch der Gemeinde Herrliberg: Khan kaufte seine Liegenschaft drei Monate nach Thiam.

Die UBS, bei der Khan jetzt arbeitet, äussert sich nicht zu den Vorgängen. Sie verweist auf Kommunikationsberater Aloys Hirzel, den Khan im Frühling dieses Jahres engagierte. Hirzel richtet aus, er könne nicht sagen, ob Khan zum Zeitpunkt der Überschreibung bewusst war, dass Thiam sein künftiger Nachbar werde.

Der grösste Investor der Credit Suisse wittert eine Verschwörung

Es wäre erstaunlich, wenn er es tatsächlich nicht gewusst hätte. Selbst wenn er Wochen oder Monate zuvor einen Vorvertrag unterschrieben hätte: Bei Grundstückveräusserungen ist nur die Unterschrift im Notariat verbindlich. Khan hätte also genügend Zeit gehabt, vom Geschäft zurückzutreten. Doch Khan kaufte und baute das Haus aufwendig um.

In der Beschattungsaffäre der Credit Suisse bleiben weiterhin viele Details im Dunkeln. Am Freitag meldete sich erneut David Herro von Harris Associates zu Wort. Der grösste Aktionär der Bank, der weiterhin zu Thiam hält, sagte auf Bloomberg TV, dass der Skandal das «Resultat einer gesteckten Story einer PR-Firma» gewesen sei. «Das ist die eigentliche Geschichte», sagte Herro, ohne einen Namen zu nennen.

* Namen der Redaktion bekannt



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Erstellt: 13.10.2019, 17:04 Uhr

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