Streik im Anflug – und der Bund schaut zu

Lotsen von Skyguide fordern mehr Lohn und drohen, die Arbeit niederzulegen.

Bis zur nächsten Aussprache dürfen sich Skyguide und Skycontrol nicht öffentlich äussern: Der Tower des Flughafen Genf. (Symbol) Bild: Keystone

Bis zur nächsten Aussprache dürfen sich Skyguide und Skycontrol nicht öffentlich äussern: Der Tower des Flughafen Genf. (Symbol) Bild: Keystone

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Der Bund bleibt untätig, obwohl für die Ferienreisenden schwerwiegende Probleme in der Luft liegen: Ein Teil der Fluglotsen des Bundesbetriebes Skyguide droht just in der verkehrsreichsten Zeit mit einem mehrtägigen Streik. Sie haben angekündigt, ihre Arbeit vom 23. bis 27. Juli niederzulegen. Besonders betroffen wären der Flughafen Genf und die Flugplätze Sitten, Bern, Lugano, Grenchen und Emmen.

Überall dort sind Mitglieder von Skycontrol tätig. Sie ist eine von vier Lotsen-Gewerkschaften und hat zum Streik aufgerufen. Sollten diese Flugverkehrsleiter ihre Drohung wahrmachen, wären täglich rund 50 Flüge und mehr als 3500 Flugbewegungen über der Schweiz betroffen. Und obschon am grössten Flughafen keine ­Lotsen der Westschweizer Ge­werkschaft arbeiten, könnte der Streik auch in Zürich zu Verspätungen führen. Nach eigenen Angaben vereint Skycontrol mehr als 190 Flugverkehrsleiter – und schert mit ihrer Drohung aus. Denn am Dienstag vermeldete die Flugsicherung, dass sie sich mit drei Gewerkschaften (61 Prozent der Lotsen) nach zwei Verhandlungsjahren auf einen neuen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) geeinigt habe. Dies gelang den beiden Parteien aber nicht aus eigener Kraft: Nachdem der Disput im April eskaliert war, leitete eine vom Kanton Genf betriebene Schlichtungsstelle die Gespräche.

Jahreslohn von rund 200'000 Franken

Trotzdem verweigerte in der Endabstimmung die Mehrheit der Lotsen von Skycontrol ihre Zustimmung. Unverhandelbare Forderungen im «Pseudo-GAV» seien nicht erfüllt, hiess es: etwa eine jährliche Lohnerhöhung von 1,8 Prozent während dreier Jahre, rückwirkend ab 2017.

Heute arbeiten die Lotsen durchschnittlich 35 Stunden ­pro Woche, verdienen rund 200'000 Franken, haben sechs Wochen Ferien, zu denen alle drei bis fünf Jahre ein zweiwöchiger Regenerationsurlaub kommt, der von Skyguide vergütet wird. Das Rentenalter erreichen sie derzeit mit 56 Jahren.

Die Flugsicherung untersteht als Bundesbetrieb der Aufsicht des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek). Trotzdem hielt sich das Departement aus dem Zwist zwischen den Lotsen und ihrem Arbeitgeber heraus. «Der Bund ist nicht legitimiert, sich in die Verhandlungen zwischen Sozialpartnern einzumischen», heisst es immerhin auf Anfrage. Und weiter: «Wir erwarten, dass die Gewerkschaft im Interesse der Passagiere, der Bevölkerung und der Wirtschaft von der angedrohten Massnahme absieht.»

«Bund hätte als Vermittler auftreten müssen»

Für Thomas Hardegger, SP-Nationalrat und Mitglied der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen, ist es unverständlich, weshalb der Bund nicht eingriff, bevor es zu der konkreten Streikdrohung kam. Die Lotsen verübten eine «unglaublich verantwortungsvolle Aufgabe», die angemessen entlöhnt gehöre. «Gleichzeitig nimmt Skyguide eine hoheitliche Aufgabe wahr, bei der Sicherheit an erster Priorität steht – koste es, was es wolle.» Es gehe nicht nur um das Wohlergehen der Passagiere, sondern auch um das Leben der Menschen unter den Flugrouten. «Daher steht der Bund in der Verantwortung. Er hätte zumindest als Vermittler auftreten müssen.»

Diese Aufgabe übernimmt weiterhin die Genfer Schlichtungsstelle. Wie Ende Woche bekannt wurde, treffen sich Skycontrol und Skyguide am Dienstag zu einer weiteren Aussprache. Bis dahin darf sich keine Partei mehr öffentlich äussern. Der Streik ist vorläufig suspendiert – aber noch nicht abgeblasen. Skycontrol erhält von den übrigen Gewerkschaften keine Schützenhilfe. «Mit einer Lohnerhöhung von 0,5 Prozent haben wir einen Kompromiss gefunden, der in Ordnung ist», sagt Stefan Lischka, Sprecher der grössten Lotsengewerkschaft Aerocontrol. Ein Streik und der damit einhergehende Imageschaden für die Lotsen und für Skyguide sei unverhältnismässig. «Es steht zu viel auf dem Spiel.»

Erstellt: 15.07.2018, 10:37 Uhr

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