Swisscom zahlt Aktionären Dividende auf Pump

Mehr als 15 Milliarden Franken hat der Bund bisher eingestrichen. Die Frage ist: Wie lange noch?

Die Ausschüttung von 22 Franken erfolgt, trotz stagnierendem Umsatz, voraussichtlich auch dieses Jahr: Swisscom-Chef Urs Schaeppi. Foto: Keystone

Die Ausschüttung von 22 Franken erfolgt, trotz stagnierendem Umsatz, voraussichtlich auch dieses Jahr: Swisscom-Chef Urs Schaeppi. Foto: Keystone

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Auf diese Zahl ist Mario ­Rossi stolz: Rund 33 Milliarden Franken hat die Swisscom seit dem Börsengang 1998 ihren Aktionären ausge­schüttet. So steht es auf einer ­Folie, die der Finanzchef des Schweizer Telecomunternehmens bei der ­Bekanntgabe der Jahreszahl diese Woche auflegte. Am allermeisten profitiert hat der Bund, der eine Mehrheit am ehemaligen Regiebetrieb hält. Insgesamt flossen mehr als 16 Milliarden Franken in die Taschen des Staates – was Mario Rossi zu einem der besten Freunde von Finanzminister Ueli Maurer machen dürfte.

Seit acht Jahren hält die Swisscom ihre Ausschüttung bei konstant 22 Franken pro Aktie. Jahr für Jahr überweist sie damit 1,14 Milliarden Franken ihren Aktionären. Eine weitere Ausschüttung von 22 Franken ist auch in diesem Jahr vorgesehen. Die Aktionäre werden an der Generalversammlung darüber abstimmen können. Doch dass eine Dividendenzahlung in dieser Höhe auch in den kommenden Jahren noch möglich sein wird, ist angesichts der Entwicklung nicht in Stein gemeisselt. Denn die Swisscom verdient wegen des ­Preisdrucks und wegbrechender Geschäfte immer weniger, um die Ausschüttung aufrechterhalten zu können.

Als sei die Swisscom eine Holsteiner Hochleistungskuh

Um eine Dividende auszahlen zu können, braucht ein Unternehmen Geld. Und dieses muss es sich verdienen. Die Zahl, die am besten ausdrückt, wie viel ein Unternehmen mit seiner Tätigkeit ­einnimmt, ist der sogenannte operative Cashflow. Dieser befindet sich bei der Swisscom seit Jahren auf ­Talfahrt.

Der operative Cashflow stellt eine der verlässlichsten Kennziffern dar, um zu ermitteln, wie viel Geld ein Unternehmen mit seinem Kerngeschäft verdient und wie viel es für Akquisitionen oder Schuldentilgung einsetzen – oder eben an seine Aktionäre ausschütten kann. Das Gute an der Kennzahl ist, dass sie nicht mit Buchhaltungstricks manipuliert werden kann.

2009 betrug der betriebliche Cashflow noch 2,68 Milliarden Franken. Im vergangenen Jahr schrumpfte er um mehr als eine Milliarde auf 1,6 Milliarden Franken. Das ist der tiefste Wert, seit die Swisscom vor mehr als zwanzig Jahren an die Börse ging. Er kommt der Dividendenzahlung bedrohlich nahe. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 betrug der Cashflow aus ­laufender Geschäftstätigkeit noch 4,6 Milliarden Franken.

«Die ­aktuelle Ausschüttung von 22 Franken pro Aktie halten zu können, ist schwieriger geworden. Wir glauben aber, dass wir dank tieferen Kosten bei Swisscom und höherem Cashflow bei Fastweb die ­Dividende auch nächstes Jahr ­halten können.»Mario Rossi, Finanzchef bei Swisscom

Swisscom, die einstige stolze Cashcow der Schweiz, hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren in ein Kälblein verwandelt. Und doch zahlt das von Urs Schaeppi geführte Unternehmen seinen ­Aktionären Gelder aus, als sei es eine Holsteiner ­Hochleistungskuh. Schrumpft das Geschäft der Swisscom weiter, und derzeit gibt es ­keine Anzeichen für eine Trendumkehr, dürfte die hohe Ausschüttungsquote nicht mehr zu recht­fertigen sein.

Es sei denn, die Swisscom macht Schulden, um die Dividenden ­weiterhin zahlen zu können. Und ­genau das macht sie bereits, wenn man die Zahlen im Detail anschaut. Selbst kleinere Unternehmens­zukäufe von insgesamt 413 Millionen Franken konnte sie im ver­gangenen Jahr nicht mehr vollständig aus der eigenen Kasse be­zahlen, ­sondern musste dafür Schulden ­aufnehmen.

Konkret waren es 154 Millionen Franken, welche die Swisscom ­zusätzlich aufnehmen musste, um die Dividenden zu zahlen. Ausschüttungen auf Pump sind allerdings keine besonders ­nachhaltige Strategie – insbesondere angesichts der tiefen ­Eigenkapitalquote von 30 Prozent und der vergleichs­weise hohen Nettoverschuldung, welche die Swisscom aufweist.

Und was sagt Swisscoms Finanzchef Mario Rossi dazu? «Es ist klar, dass der Druck auf die ­Dividende zunimmt, wenn die Umsätze schrumpfen. Die ­aktuelle Ausschüttung von 22 Franken pro Aktie halten zu können, ist schwieriger geworden. Wir glauben aber, dass wir dank tieferen Kosten bei Swisscom und höherem Cashflow bei Fastweb die ­Dividende auch nächstes Jahr ­halten können.»

Noch will es sich Rossi mit ­Finanzminister Ueli Maurer nicht verscherzen. Doch die ­Marktkräfte sind nun mal, wie sie sind. Und die deuten auf eine Senkung der Dividende hin.



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Erstellt: 08.02.2020, 18:47 Uhr

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