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Tierkunde mit Donald Trump

Der US-Präsident bezeichnete die Mitglieder einer brutalen Gang als Tiere. Seinen Gegnern fiel dazu nichts Besseres ein als Fake News.

Diesen Mann richtig einschätzen kann niemand, nicht mal er selbst. Vieles, das Donald Trump in anderthalb Jahren Amtszeit gemacht oder gesagt hat, scheint unüberlegt zu sein oder, wie seine Kritiker gern sagen: dumm. Für eine seriöse Bilanz ist es aber zu früh. Sicher ist bislang nur, dass ihn dieselben Kritiker in ­Sachen Dummheit mitunter spielend übertreffen.

Zum Beispiel letzte Woche, als praktisch ­sämtliche Zeitungen, TV- und Radiostationen titelten: «Trump nennt Einwanderer ‹Tiere›». Was für eine Story, was für eine Schlagzeile für alle Trump-Hasser, für die schon immer feststand, dass der US-Präsident ein Ausländerfeind und Rassist sei. Tagelang suhlten sich die Kommentatoren in Empörung, vor allem in den USA, aber auch in Europa und der Schweiz – die in solchen Fällen stets unweigerlich unter den Einfluss des moralischen Hochdruckgebiets Deutschland gerät.

Das Problem an der ganzen Geschichte war, dass sie nicht stimmte. Trump bezog sein «animals» nicht auf Einwanderer im Allgemeinen und schon gar nicht auf jene «ausländischen Kinder» und «harten Schwarzarbeiter», von denen in derselben Berichterstattung immer gleich die Rede ist. Trump richtete seinen Tiervergleich explizit gegen die mörderische Strassengang MS-13. Das wäre im dazugehörenden Video-Mitschnitt problemlos zu erkennen gewesen, wenn die entsprechenden Sätze von den TV-Sendern nicht absichtlich herausgeschnitten worden wären.

«Die Gang setzt in ­Sachen ­Gewalt und Brutalität völlig neue Massstäbe.»

Die MS-13 stammt ursprünglich aus El Salvador und schleuste ihre Mitglieder in den letzten Jahren zunehmend in die USA ein, wo sie sich ausbreitete und im Handel mit Drogen, Waffen und Menschen aktiv ist. Die Gang setzt in Sachen Gewalt und Brutalität völlig neue Massstäbe. In einzelnen Gebieten der USA soll MS-13 für 40 Prozent der Morde verantwortlich sein, wobei das Wort «Mord» einer Verharmlosung gleichkommt: Kürzlich stachen sie mehr als 100-mal auf ein Opfer ein, sie köpften und zerstückelten es mit Macheten und rissen ihm das Herz heraus. Das Motto von MS-13 lautet: «Töte, vergewaltige, kontrolliere.» Um Angst und Schrecken zu verbreiten und ihre Besitzansprüche zu untermauern, erschiessen sie auch wahllos Polizisten oder unbeteiligte Kinder.

Angesichts dieser importierten brutalen Gewalt auf den Strassen ist es durchaus verständlich, dass Trump die Einwanderungsgesetze verschärfen will. Als der US-Präsident die MS-13 nun aber «Tiere» nannte, sahen seine Gegner zuallererst eine weitere Chance, Trump zu diskreditieren – mit Fake News, wie sie im Buche stehen. Und auch als dem Allerletzten klar geworden war, dass sein Vergleich der MS-13-Gang galt, entschuldigten sie sich nicht dafür, dass sie die Wahrheit verdreht hatten – sondern sie begannen, die Mörder und Schlächter sogar noch zu verteidigen. Mehrere demokratische Politiker, Journalisten und Künstler meinten, auch die MS-13-Mitglieder seien «Geschöpfe Gottes» – und wenn etwas «unmenschlich» sei, dann nicht deren Taten, sondern Donald Trumps Tiervergleich.

In der gleichen Woche stand ein MS-13-Mitglied vor einem Gericht in Massachusetts. Er hatte einen 15-Jährigen mit drei Messerstichen getötet, weil dieser ihn «angestarrt» hatte. Auf die Frage des Richters, wie sein Übername ­innerhalb der Gang laute, antwortete der Angeklagte ungerührt: «Animal.»

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