Umdenken lohnt sich

Es lockt das grosse Geschäft mit der sauberen Luft.

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Hysterie und Schwarzmalerei werden den ­Umweltverbänden immer wieder vorgeworfen. Etwa beim Asbest, das erst in den 90er-Jahren wirklich verboten wurde und an dessen Folgen bis heute Menschen sterben. Beim Waldsterben, das in den 80ern ein grosses Thema war – man sprach von einem Drittel der Wälder, die ab­sterben würden – lief es anders. Es ist nie so eingetreten, wie es herbeigeschrieben wurde.

War alles nur Hysterie? Darüber streiten sich die Gelehrten bis heute. «Die Politik hat erkannt, dass etwas falsch läuft, und rechtzeitig Gegenmassnahmen umgesetzt», sagen die einen. Dass das Waldsterben heute kein grosses ­Thema mehr sei, wäre eine Art Fluch der guten Tat. Die anderen sagen, es sei gar nie ­etwas gewesen.

Sicher ist: Die Debatte hat viel Gutes bewirkt. Es mussten Filter zur Rauchgasentschwefelung eingebaut werden, das Heizöl wurde besser, und die Schweizer Autos mussten mit Katalysatoren versehen werden. Die EU einigte sich auf verbindliche Abgaswerte für Autos, später wurden überall Luftreinhaltepläne eingeführt. Und ich glaube, keiner will die Zeit zurückdrehen und den Russ zurück, auch wenn die Wälder noch stehen.

«Wir müssen weg von der Verbrennung.»

In der Schweiz und weltweit sind der Verkehr und die Heizung die Hauptverursacher der Luftverschmutzung. Wenn man den Bevölkerungszuwachs ansieht und den wachsenden Mittelstand, braucht es darum weltweit einen Systemwechsel, wir müssen weg von der Verbrennung. Wenn man nicht wegkommt von den fossilen Brennstoffen, ersticken die Städte der Dritten Welt bald einmal in den Abgasen. Und auch wir hier in der vordergründig so sauberen Schweiz müssen nach wie vor mit Gesundheitsschäden leben, die nicht akzeptabel sind.

Ein Umdenken braucht es auch bei den Autoherstellern und den Händlern. Es braucht die Elektrifizierung. Die Konsumenten haben das begriffen, im März wurden in der Schweiz rekordviele Elektroautos zugelassen. Erst Ende Februar startete der Verkauf des ersten bezahlbaren Tesla-Modells auf dem Schweizer Markt und schon im März 2019 konnte der Tesla 3 die konventionell angetriebenen Autos bei den Zulassungen überholen. Laut Auto Schweiz kamen 1083 dieser Tesla in den Verkehr, der langjährige Spitzenreiter Skoda Octavia kam mit 801 Neuzulassungen nur noch auf Rang 2 und der VW Golf mit 546 Zulassungen auf Rang drei.

Auf politischer Ebene tut sich etwas. Langsam kommt der Ausbau der Elektro-Ladeinfrastruktur voran. Die Autoindustrie soll darum die Elektrifizierung endlich als Chance und nicht als Pflichtübung begreifen. Als die Katalysatoren obligatorisch wurden, erreichten die Autoverkäufer Rekord­zahlen.

Wetten, dass das jetzt wieder passiert?



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Erstellt: 21.04.2019, 01:47 Uhr

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