Und jetzt alle: Lächeln!

Es nervt, dass man in der Vorweihnachtszeit gefälligst glücklich zu sein hat.

Eine gefreute Sache: Forscher konnten zeigen, dass Menschen während der Adventszeit deutlich unzufriedener sind. Foto: Keystone

Eine gefreute Sache: Forscher konnten zeigen, dass Menschen während der Adventszeit deutlich unzufriedener sind. Foto: Keystone

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Es dauert ja noch eine Weile bis Weihnachten, aber vielleicht spüren Sie die Adventszeit jetzt schon. Dieses Gefühl, dass jetzt die stressige Zeit kommt, in der noch so viel zu erledigen ist, man vor Ende Jahr noch diesen und jenen Bekannten treffen will. Weihnachten ist die Zeit, in der wir Geschenke jagen, niemanden enttäuschen wollen und obendrauf noch besinnlich werden möchten. Und – Trommelwirbel – wir sind es selten weniger als in diesen Wochen.

Deutsche Forscher konnten beweisen, dass Menschen in der Adventszeit deutlich unzufriedener sind: zu viel Druck, Stress, Konsum. Klar: In einer Zeit, in der Glück erwartetet wird, fühlen sich jene fehl am Platz, die stimmungsmässig nicht im Hoch sind.

Das Problem ist, dass dieser Fröhlichkeits-Imperativ zunehmend zum Dauerzustand wird, nicht nur während der Festtage: Glück ist vom flüchtigen Moment zum Geschäftsmodell, zum Standortfaktor geworden. Es gibt einen «World Happiness Report» (Schweiz: Rang 6), Unternehmen stellen Glücksmanager ein, am 20. März feiern wir den Internationalen Weltglückstag.

Von der israelischen Soziologin Eva Illouz ist dieser Tage ein Buch erschienen, in dem sie diesen Wohlfühlwahn kritisiert: Glück sei zum Statussymbol geworden, sagt sie. Tatsächlich: Was uns die boomende Happy-Industrie mit ihren Ratgebern, Seminaren und Selbsttests vermittelt, ist: Wer nicht glücklich wird, ist selber schuld. Hat sich nicht im Griff. Glück wird zur Leistung, ähnlich wie ein trainierter Oberkörper.

Dabei geht vergessen, dass es trotz der ganzen Glücksmaschinerie weder ein Anrecht noch eine Pflicht zu guter Laune gibt. Menschen werden von Depressionen eingeholt, sie verlieren ihre Liebsten. Finden ihren Platz lieber am Rande der Gesellschaft. Oder haben manchmal einfach schlechte Laune. Auch vor Weihnachten.



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Erstellt: 16.11.2019, 22:03 Uhr

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