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Unerlaubte Werbung des TV-Manns

Ein SRF-Onlineshow-Moderator wirbt ohne Wissen seines Arbeitgebers für eine Krankenkasse. Konsequenzen drohen ihm aber keine.

Wurde mehr als 100'000 Mal angeklickt: Werbespot mit Julian Graf. Screenshot: Youtube
Wurde mehr als 100'000 Mal angeklickt: Werbespot mit Julian Graf. Screenshot: Youtube

Eigentlich ist die Sache klar: Wer für das Programm des Schweizer Fernsehens arbeitet, darf nicht in Werbungen mitwirken. Ausnahmen gibt es, aber die müssen von der SRF-Direktion bewilligt werden. Einer, der von all dem nichts gewusst haben soll, ist Julian Graf, Moderator der Onlineshow «Zwei am Morge». Seit Anfang 2018 produziert SRF diese Morgenshow, die 18- bis 24-Jährige ansprechen soll und von der es jede Woche auf Youtube drei neue Folgen gibt.

Seit mehreren Wochen ist Julian Graf nun auch noch das Testimonial der Krankenkasse Sanagate, die zur CSS-Gruppe gehört – ohne dass der 26-Jährige das SRF darüber informiert habe. «Was soll der Papierkram? Gebt mir dieses Zeug ­digital», faucht Graf im Werbespot von Sanagate. Dabei wirft er Rechnungen durch die Luft, klatscht sich einen Zettel gegen die Stirn, knallt schliesslich mehrfach seinen Kopf auf den Tisch. Seit Ende September ist dieser Clip mit dem Titel «Tschüss Papierkram» online. Mehr als 100'000-mal wurde er inzwischen allein auf Youtube angeklickt.

Bis zur Anfrage der SonntagsZeitung will das Schweizer Fernsehen nichts von Julian Grafs Werbetätigkeit für Sanagate gewusst haben. Und dies, obwohl die Kampagne mit Graf schon vor mehreren Wochen auf einem bekannten Branchenportal für Journalisten und Werber vorgestellt wurde.

Auch auf grossen News­portalen wie 20min.ch schaltete Sanagate Werbung mit Grafs Gesicht. «Wir haben den Fall intern mit Julian besprochen, und er wird sich in Zukunft an das vorgeschriebene Prozedere halten», lässt das Schweizer Fernsehen ausrichten.

Graf hat eine Produktionsfirma – auch das ist «selbstverständlich» erlaubt

Obwohl Graf gegen SRF-Richtlinien verstiess, hat sein unbewilligtes Engagement vorerst keine Konsequenzen. Schon gar nicht soll die Sanagate-Kampagne mit Graf aus dem Internet gelöscht werden. Zumindest nicht, wenn es nach dem Schweizer Fernsehen geht: «Würde die laufende Werbung gestoppt, würde Julian Graf vertragsbrüchig. Das würde uns im vorliegenden Fall tatsächlich unverhältnismässig erscheinen.»

Julian Graf darf also weiterhin für das SRF moderieren und Werbung für Sanagate machen. Damit gewichtet das Fernsehen die Interessen von Graf höher als die eigenen. Denn selbstverständlich ist die Unabhängigkeit eines Moderators nicht mehr gewährleistet, wenn er Werbung für eine Versicherung macht.

Auch nicht bei einem Format wie «Zwei am Morge», mit dem junge Menschen informiert werden sollen. «Wir wissen, dass für einige der Erstkontakt zu politischen und gesellschaftlichen Themen genau über Formate wie ‹Zwei am Morge› erfolgen kann», sagte kürzlich Christoph Aebersold, der bei SRF für die junge Zielgruppe verantwortlich war.

Graf hat eine Produktionsfirma

Das Schweizer Fernsehen geriet bereits wiederholt in die Kritik, weil seine Moderatoren üppig dotierten Nebenverdiensten nachgingen. Besonders stark umstritten war zuletzt das Engagement von Christa Rigozzi für die «Arena/Reporter»-Sendung: Die Ex-Miss Schweiz verfügt über zahlreiche Werbeverträge, etwa mit der Cembra Money Bank, die Kleinkredite vergibt.

Produziert wurden Cembra-Spots mit Rigozzi – von Julian Graf, der neben seiner Tätigkeit für «Zwei am Morge» eine Produktionsfirma für ­Videos betreibt. Auch darin sieht das SRF kein Problem: Julian Graf sei es «selbstverständlich» erlaubt, «anderen externen Nebenbeschäftigungen nachzugehen».

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