UNO-Schulbücher verherrlichen Terroristen

Ein Bericht kritisiert Lehrmittel an palästinensischen Schulen, die von der Schweiz unterstützt werden.

Auszüge aus dem Schulbuch: Dalal Mughrabi (links) führte 1978 ein palästinensisches Terrorkommando an.

Auszüge aus dem Schulbuch: Dalal Mughrabi (links) führte 1978 ein palästinensisches Terrorkommando an.

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Die Terroristin, die 38 Israelis ermordet hat: eine Heldin. Das Attentat der Terrororganisation Schwarzer September während der Olympischen Spiele in München 1972: ein Erfolg. Junge Frauen, die sich für den bewaffneten Kampf rüsten: legitim.

So erklären es die neuen Lehrmittel der Palästinensischen Autonomiebehörde, die seit 2016 in Schulen im Westjordanland, im Gazastreifen und in Ostjerusalem benutzt werden. Das zeigt ein kürzlich publizierter Bericht der israelischen NGO Impact-Se, die Schulbücher und Lehrpläne wissenschaftlich untersucht. Die NGO hat auch mehrere andere Beispiele von Antisemitismus, Terroristenglorifizierung und Märtyrerkult dokumentiert.

UNO-Schulen halten sich an offizielle Lehrmittel

Über Beiträge an das UNO-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge UNRWA unterstützt auch die Schweiz Schulen, an denen die äusserst problematischen Inhalte vermittelt werden. Die Lehrmittel werden an UNRWA-Schulen eingesetzt, wie Sprecher Sami Mshasha bestätigt. Die Schulen des Palästinenser-Hilfswerkes würden sich an den offiziellen Lehrplan halten, damit die Kinder später einfacher an Sekundarschulen oder Universitäten wechseln könnten, sagt er.

Die Schweiz ist einer der wichtigsten UNRWA-Geldgeber. Allein im letzten Jahr zahlte der Bund knapp 27 Millionen Franken an die Hilfsorganisation, die vom Genfer Pierre Krähenbühl geleitet wird. Die UNRWA setzt über die Hälfte des Budgets im Bildungsbereich ein und betreibt im Nahen Osten 711 eigene Schulen.

Seine Organisation habe kein Mandat, um auf die Änderung offizieller Lehrmittel hinzuwirken, so Mshasha. Man verwende aber zusätzliche Lehrmittel, um «sicherzustellen, dass der Lehrplan den Werten und Prinzipien der UNO entspricht».

Mshasha verweist auf eine Studie der Universitäten Tel Aviv und Bethlehem, welche die eingesetzten Lehrmittel weniger negativ beurteile. Allerdings ist die Studie aus dem Jahr 2013, untersucht also ältere Lehrmittel. Zudem forderten die Autoren schon damals Kommissionen, um Schulmaterialien sowohl in Israel als auch in den palästinensischen Gebieten zu überarbeiten.

«Nicht im Einklang» mit Schweizer Nahost-Position

«Schulmaterialien, die dem Geist einer Zweistaatenlösung zuwiderlaufen, Gewalt verherrlichen, Rassismus und Antisemitismus schüren oder Verletzungen des Völkerrechts und der Menschenrechte verharmlosen, sind nicht in Einklang mit der Schweizer Nahost-Position», sagt eine Sprecherin des Aussendepartementes EDA. Die Schweiz würde Berichte wie denjenigen von Impact-Se untersuchen und mit den anderen Geberstaaten diskutieren.

Zurzeit arbeitet die Verwaltung an einem UNRWA-Bericht, der auf ein Postulat des Walliser FDP-Nationalrates Philippe Nantermod zurückgeht. Der Bericht, der noch 2019 veröffentlicht werden soll, wird auch die «Anstrengungen der Organisation zur Qualitätssicherung im Bereich der Schulbücher» behandeln, wie es beim EDA heisst.

Impact-Se-Chef Marcus Sheff sagt, die Schweiz würde «erlauben, dass Schulkinder radikalisiert werden». Er begrüsst, dass der Bundesrat die UNRWA in einem Bericht durchleuchten wird. Dieser müsse «so schnell wie möglich» publiziert werden und insbesondere der Frage nachgehen, ob die Lehrmittel die Unesco-Standards einhalten. Ähnliche Untersuchungen gibt es gemäss Sheff auch in der EU, Grossbritannien und Finnland.

Das UNRWA stand bereits im letzten Jahr im Zentrum eines politischen Streites. Der neue Aussenminister Ignazio Cassis kritisierte das Hilfswerk öffentlich, was einen Bruch mit der bisherigen Politik darstellte. Die Schweiz hatte sich unter Cassis’ Vorgängern Didier Burkhalter und Micheline Calmy-Rey konsequent hinter das UNO-Palästinahilfswerk gestellt.

Nach Cassis’ Äusserungen zitierte ihn der damalige Bundespräsident Alain Berset zum Gespräch. Bundesratssprecher André Simonazzi verkündete danach, dass sich an der Nahost-Politik der Schweiz nichts ändere – auch nicht an der finanziellen Unterstützung des UNRWA.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 05.01.2019, 22:19 Uhr

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